Ausgabe 333
Editorial

Siller auf Sendung

Von unserer Redaktion
Datum: 16.08.2017

Klar, wir sind für die Rente mit 65. Am besten noch früher. Aber nicht bei Stefan Siller. Den haben wir in Kontext einen "Zufrüh-Rentner" genannt, als er beim SWR Ende 2015 gegangen ist. Mit 65, weil man dann bei der öffentlich-rechtlichen Anstalt aufhören muss.

Der Siller hat ja einen guten Job gemacht. Er hat mit den Leuten gesprochen, ihnen zugehört, nachgefragt, nachgehakt und daraus (mit Wolfgang Heim) eine Sendung gestrickt, die zurecht hoch gelobt wurde. "Leute" eben. Von Adorf über Merkel bis Willemsen. 2950 Gespräche in fast 30 Jahren, eine morgendliche Konstante im Radio. Ein wohltuend ruhiges Fenster, aus dem er zusammen mit seinen HörerInnen neugierig in die Welt gucken konnte. Jene, also die Welt, hätte er gerne verbessert, wie sich das für JournalistInnen gehört. Aber auch er hat gemerkt, dass das schwierig ist.

Trotzdem. Das hört nicht auf, wenn man in Rente ist. Und deshalb haben wir Stefan Siller gefragt, ob er nicht wieder in die Rolle des Interviewers schlüpfen wolle. Für Kontext zur Bundestagswahl. Wir hatten den Eindruck, dass ihm die Idee gefallen hat. Gespräche mit KandidatInnen, die ihn reizen. Nicht Schäuble, nicht Özdemir, nicht Gysi, die er alle hatte. Nicht das übliche Promipersonal, das viel spricht und wenig sagt.

Und so sind es vier Frauen und ein Mann geworden, allesamt auf den ersten fünf Listenplätzen ihrer Partei, die Woche für Woche in die Redaktion kommen. Den Anfang hat CDU-Frau Nina Warken aus Tauberbischofsheim gemacht, die auch gerne über die Farbe des Fußgängerzonenpflasters abstimmt. Und wir haben ein neues Format ausprobiert, das zu unserem Online-Auftritt passt. Siller fragt im Videoformat. Zu lesen gibt es eine Kurzfassung – die kommt dann am Samstag auch in die taz.

***

Jetzt haben wir es vom Ministerpräsidenten persönlich bestätigt: Kontext wird auch in Thüringen gelesen. In der vergangenen Ausgabe 332, die kurz vor der Schnapszahl, hatte wir uns das Thema Rüstungskonversion vorgenommen. Bei den Grünen im Land lange ein großes Thema, zumindest bis zur Wahl 2011. Dabei hat Kontextredakteur Oliver Stenzel auch einen Blick über den Kesselrand nach Thüringen geworfen. "Wie die zivile Entsprechung etwa des von Jenoptik produzierten Leo-2-Kanonenstabilisuerungssystems aussehen mag, enthüllte der Ministerpräsident nicht", schreibt er. Das hat den dortigen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow auf den Plan gerufen, der sich zu der Erklärung veranlasst sah: "Das Leopard Ausgleichssystem ist ein Stabilisierungssystem, wie es in den hochmodernen ICE Zügen verbaut wird", schreibt er in seinem Kommentar in Kontext und antwortet auch auf andere Kommentatoren.

So gefällt uns das. Deshalb schreiben wir ja schließlich: Damit wir gelesen werden. Damit unsere Recherchen zum Nachdenken anregen. Und natürlich zur Diskussion. Und nicht zuletzt zum Handeln. So verstehen wir unseren Job als JournalistInnen. Debattiert wird jede Woche in unseren Kommentarspalten, nicht zuletzt, weil wir auch den Regierenden kritisch auf die Finger schauen. Und wenn die mitdiskutieren wollen: umso besser. Doch in aller Bescheidenheit sei angemerkt, dass dabei womöglich auch eine Rolle spielt, dass der Wahlkampf in den Ferien noch nicht so recht in Schwung kommen ist. Wir bleiben dran.


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