Ausgabe 325
Editorial

Im Bahnhof der Gechichte

Von unserer Redaktion
Datum: 21.06.2017

Wir haben, liebe Leserinnen und Leser, lange darüber nachgedacht, und lassen Sie uns das in aller Ehrlichkeit sagen, ob wir in dieser Ausgabe, und wir wissen um die historiche* Tragweite dieser Worte, etwas zu Helmut Kohl machen. Die einen fanden das die natürlichste Sache von der Welt, die anderen inakzeptabel und unerträglich. Doch weil, liebe Leserinnen und Leser, ja immer entscheidend ist, was hinten rauskommt, und weil in anderen Medien ja schon, und das möchten wir in aller Deutlichkeit sagen, so viele Nachrufe erschienen sind, dass wir noch immer nicht mit allen durch sind, haben wir uns, und niemand kann uns daran hindern, dies mit aller Entschlossenheit festzustellen, entschlossen, den dicken Oggersheimer ohne eine weitere Kommentierung unsererseits im finalen Bahnhof der Gechichte* ankommen zu lassen.

Noch lange nicht Geschichte ist dagegen, dass Millionen Menschen rund um den Globus wegen Krieg, Armut oder Naturkatastrophen auf der Flucht sind. Anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni gibt Kontext-Autorin Johanna Henkel-Waidhofer einen umfassenden Überblick darüber, wie Europa momentan damit umgeht und was sich seit dem Spätsommer 2015 getan hat. Mit einer der Hauptursachen für die Flüchtlingsströme der letzten Jahre, dem syrischen Bürgerkrieg, befasst sich auch der erschütternde Spielfilm "Innen Leben", den unser Kinoexperte Rupert Koppold rezensiert hat. Sein Fazit: "Wer diesen Film gesehen hat, der ahnt jedenfalls, wovor viele dieser Menschen flüchten."

Kontext-Diskussion zum Kopp-Verlag in Rottenburg

Bedrückend ist auch die Geschichte des Rottenburger Kopp-Verlags, über den wir seit März 2012 regelmäßig berichten. Mag dieser auch seine Online-Seite eingestellt haben und sein Starautor mittlerweile verstorben sein, in den vergangenen Jahren hat er viel verbrannte Erde und offene Fragen hinterlassen. Darüber wird Kontext-Redakteurin Anna Hunger am kommenden Mittwoch, den 28. Juni um 19.30 Uhr, in der Rottenburger Zehntscheuer mit lokalen Akteuren und Ihnen, liebes Publikum, diskutieren. Mit auf dem Podium sind die ehemalige Tübinger SPD-Landtagsabgeordnete Rita Haller-Haid, der Rottenburger OB Stephan Neher (CDU), der Gemeinderat Hermann Josef Steur (SPD) und Albert Bodenmiller, der lange für die Fraktionsgemeinschaft "Bürgerfreundliche Heimat"/ Die Linke im Gemeinderat saß. Wir freuen uns auf eine engagierte Diskussion.

Nicht ganz live, aber immerhin zum Hören gibt es Kontext auch am heutigen Mittwoch, den 21. Juni: Zwischen 14 und 15 Uhr läuft im Radio Wüste Welle Tübingen ein Interview mit Kontext-Redakteur Josef-Otto Freudenreich über die Zukunft von Zeitungsverlagen. Auf den Frequenzen 96.6 oder 97.45 MHz oder online im Livestream.

Der Berliner taz-Verlag begrüßt die Zukunft übrigens, indem er ein neues Magazin für Zukunft und Politik herausgibt: "Futurzwei" heißt das neue Baby, das sich Kontext-Redaktionsleiterin Susanne Stiefel genauer angeschaut hat. Ob sich's lohnt? Selber lesen, liebe Leserinnen und Leser. Und das sagen wir mit aller Deutlichkeit.

*Pfälzisch


Gefällt Ihnen dieser Artikel?

4 Kommentare verfügbar

  • Bernd Oehler
    am 22.06.2017
    Näänäänää, so geht's net! Zur Ehrenrettung der Pfälzer sei gesagt, dass "Gechichte" mitnichten eine pfälzische sprachliche Eigenart darstellt, sondern eine individuelle, falsche Aussprache Kohls, eine Hyperkorrektur ("ein gerade aus dem Bemühen, sich möglichst korrekt an die Sprachregeln zu halten, entstandener fehlerhafter sprachlicher Ausdruck", Kleines linguistisches Wörterbuch). De Pälzer verzehlt e Gschischd oder schdudiert Gschischde.
  • Wolfgang Zaininger
    am 21.06.2017
    Was sollte KONTEXT denn auch noch neues/besonderes/anderes zum Oggersheimer schreiben? Vielleicht eine Initiative starten zur Umbenennung der Filderebene in Kohl-Felder?
  • Ruby Tuesday
    am 21.06.2017
    Wenn in Ost und West gleiche Lebensbedingungen herrschen, die Bodenseegürtelbahn modernisiert ist. Für einen Jahrestarif von 365 Euro Berufspendler - sowie Schüler*innen und Auszubildende kostenlos befördert werden - also in Deutschland soziale Oasen blühen, könnte man zum 25. Todestag des vergangenen Kanzlers eine Nachdenkstunde planen. Die Presselandschaft betreibt immer mehr Kampagnenberichterstattung. Heute Kohl, gestern Homöopathie. Diese Methode schafft tatsächlich Gesundheit ohne Arzneimittelabhängigkeit und Vergiftungsproblematik. Oder Milchpreis. Die Preise sind um ca. 30% gestiegen und die Bauern bekommen immer noch nicht mehr Geld - bis AfD. Wie kann man über solche Nichtssager nur so viele Worte verschwenden, statt einer Partei wie DIE PARTEI sowohl Auge als auch Ohr zu schenken. Allein sie wäre in der Lage den Wählerprotest als Protest verständlich zu machen. Ohne den großen Flurschaden, den eine AfD und deren Keimlinge verursachen. Übrigens Bahnhöfe, die meisten Bahnhöfe sind Geschichte, allein an ihrem Verfall kann man die Verantwortungslosigkeit und den Niedergang der politischen Kaste festmachen.
    • Peter Kurtenacker
      am 21.06.2017
      Ich freue mich schon auf die Europawahl. Dann geht meine Stimme voll an die PARTEI. Und wenn die in Stuttgart den größten Deppen aufstellen. Es gibt keine Prozenthürde von 5%, jede Stimme zählt dann.

      Zur Homöophatie: Wegen meiner chronischen Krankheiten bekam ich inzwischen sogar die Empfehlung zum Schamnen zu gehen.
      Der Ratgeber hat Jahrelang bei den Stuttgarter Montagsdemos zugehört. Inzwischen wundert mich gar nichts mehr.
      Linke und rechte Ansichten, okkultes und Verschwörungstheorien und dann irgendwelche hochtrabende Moralreden von den Politkanzeln, es ist inzwischen zum Verzweifeln.

      Alternative Menschen, die wie verrückt schimpfen, wenn nur über Fahrverbote gesprochen wird. Ich dachte früher so etwas sei doch eigentlich unter vernünftigen Menschen selbstverständlich klar.
      Von wegen, der Putz ist viel zu dünn, wenn die Leute selbst betroffen sind.
      Bevor jemand lästert: Ich habe meinen Führerschein aus gesundheitlichen Gründen freiwillig abgegeben.
      Selbst so etwas ist gar nicht so einfach. Versucht einmal heraus zu bekommen wer dafür zuständig ist. Hatte in den Zusammenhang mit einigen freundlichen MitarbeiterInnen der Stadt Gespräche. Die waren selber frustriert warum es keine einheitlichen Regelwerke gibt wo jeder einfach nachschauen kann wie das geht.

      Es wird keine Veränderungen im großen Umfang geben.
      Die Amtsinhaber verteitigen ihre Pfründe. Selbst die DDR war in der Hinsicht erzkonservativ.
      Die Anderen wollen nur an die Macht und das gemeine Volk traut zu recht niemand mehr über den Weg.

      Der KOPP-Verlag erschließt sich hier nur eine Marktlücke. Scheinen aber nebenher gesagt auch nicht so erfolgreich zu sein. Eine gutgehende Nachrichtenseite im Internet legt niemand so einfach still.

      Und das ist meine große Sorge: Das ganze war eigendlich ein Auslaufmodel.
      Aber die ach so Alternativen werden es schaffen hier wieder das ganze hoch zu ziehen.
      Sind wir wieder in Weimar, wo sich Kommunisten und Nazis regelmässig auf der Strasse schlugen?
      Die hofften auch immer in den Schlagzeilen zu sein.
      Wer damals gewann ist leider all zu bekannt.

Neuen Kommentar schreiben

KONTEXT per E-Mail

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochvormittags unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.JETZT ANMELDEN

Letzte Kommentare:




Ausgabe 429 / Weg mit den Panzern / w.-g. esders / vor 18 Stunden 5 Minuten
ja!












Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!