KONTEXT:Wochenzeitung
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Kontext auf Tour

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Ein rechter Skinhead lässt sich seine Glatze beim türkischen Barbier rasieren. Das ist ziemlich Mannheim. Meint zumindest Ilyes Mimouni, und das Gelächter gibt ihm recht: "Solche Storys sind hier an der Tagesordnung", erzählt der Mittzwanziger über den Schmelztiegel, der seine Heimat ist. Nicht Tunesien, wo seine Eltern herkommen, nicht Deutschland: "Mannheim ist meinland", sagt er. Hier, wo jedes zweite Kind Migrationshintergrund hat, war Kontext mit der taz auf Tour. Um für eine offene Gesellschaft zu streiten. Und um nicht nur über Leute zu reden, sondern mit ihnen.

Das ist das Konzept dieses taz-Projekts. Bis zur Bundestagswahl wollen die Berliner KollegInnen Dörfer und Städte in ganz Deutschland besuchen. Vom äußersten Westen bis zum extremsten Osten, von Nord bis Süd. Und da kommen wir von Kontext mit ins Spiel. Denn in Baden-Württemberg sind wir die ExpertInnen vor Ort. Gerne machen wir mit bei den Podiumsdiskussion im Süden, bei denen das Publikum die Hauptrolle spielt, nicht die ReferentInnen. 

Früh stand dabei fest: Mannheim ist ein Muss. Und weil Kontext-Redakteur Minh Schredle die Stadt gut kennt, hat er sich gemeinsam mit Paul Toetzke von der taz an den runden Tisch gesetzt und moderiert. Im neon-orange gestrichenen Jugendhaus "uff der Tschänau" (Schönau). Ein Stadtteil, über den es früher hieß, man könne einen Pfosten rot lackieren, und er würde gewählt. Ausgerechnet hier haben bei den Landtagswahlen 32,1 Prozent für die AfD gestimmt.

Der richtige Ort also, um nachzufragen, wo der Schuh drückt. Und das tut er an vielen Stellen: Zu wenig Geld für die freie Szene und Kulturprojekte. Eine vernachlässigte Infrastruktur auf der einen Seite und Angst vor Gentrifizierung auf der anderen. Und zu viele Jugendliche, die sich von Politik und Gesellschaft verabschiedet haben. "Die erreichst du auch nicht, wenn du bei denen mit Anzug und Krawatte antanzt", meint der Musiker und Pädagoge Tobias Schirneck. Den lautesten Beifall gab es, als die Sozialarbeiterin und SPD-Stadträtin Nazan Kapan den bescheidenen Wunsch äußerte, nicht ihr Leben lang etikettiert zu werden: "Als ich hier angekommen bin, war ich Nazan Kapan, die Ausländerin. Mittlerweile bin ich Nazan Kapan, die mit Migrationshintergrund. Wenn ich irgendwann in diesem Land sterbe, will ich einfach nur Nazan Kapan sein."

Die nächste taz-meinland-Kontext-Kooperation ist schon am 9. Juni in Burladingen-Melchingen auf der Schwäbischen Alb. Vor zwei Jahren beschmierten Rechtsradikale das Burladinger Kino mit Hakenkreuzen und rechten Parolen, zur Landtagswahl wählten mehr als 20 Prozent die AfD, der Bürgermeister hat sich als AfD-Sympathisant geoutet und mit fremdenfeindlichen Äußerungen nicht nur seine Gemeinderäte verstört. Was ist los in dieser Ortsgemeinschaft, in der sich Rassismus und bürgerschaftliches Engagement täglich aufs Neue begegnen? Die Veranstaltung wird Kontext-Chefredakteurin Susanne Stiefel moderieren (weitere Infos gibt es unter diesem Link).


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