Ausgabe 316
Editorial

Pinguin und Erdoğan

Von unserer Redaktion
Datum: 19.04.2017

Die Türkei hat gewählt und sich knapp für eine Präsidialverfassung ausgesprochen. Besonders viele Evet-SagerInnen gab es in der türkischen Community in Stuttgart. 66,22 Prozent haben sich hier für einen Machtzuwachs Erdoğans ausgesprochen. Kontext-Kolumnistin Filiz Koçali sagt nein zum Ja, aber sie gibt die Hoffnung nicht auf. Das knappe Ergebnis zeige schließlich, dass es nicht nur Erdoğans Türkei gibt, sondern auch die andere, die liberale, wache und kritische Türkei, die Gewaltenteilung schätzt und sich für Pressefreiheit einsetzt. Die Journalistin im Exil behält die Entwicklung in ihrer Heimat im Auge und Kontext-LeserInnen dürfen sich auf weitere Briefe an Aslı freuen. Was Erdoğan mit Pinguinen zu tun hat? Wir bitten um etwas Geduld.

Das Referendum beschäftigt auch unseren Wetterer. Und einen kleinen Seitenhieb auf die Qualität der Presse vor Ort kann sich Peter Grohmann nicht verkneifen. Er hat die Polit-Propheten vom Stuttgarter Pressehaus dabei ertappt, wie sie über die Ostermärsche bereits Bilanz ziehen, bevor die überhaupt angefangen haben. Hellseherei? Schlamperei? Jedenfalls kein guter Journalismus. Aber wir wollen ja nicht nur meckern. Alle wollen konstruktiven Journalismus. Wollen nicht immer nur schlechte Nachrichten hören. Wollen über Menschen lesen, die sich mit Wegen aus der Misere beschäftigen. Wollen auch mal lachen. Wir auch. Und da sind wir schon fast bei den Pinguinen.

Fast. Aber vorher wollen wir noch einmal den Finger in die Wunden legen. Wir erinnern in dieser Ausgabe an den Obristenputsch in Griechenland. Beobachten vor dem AfD-Parteitag in Köln den baden-württembergischen Fraktionschef Jörg Meuthen, der immer dann von besonderer Ahnungslosigkeit ist, wenn es um rechte Umtriebe in seiner Partei geht. Wir gehen hoch nach Degerloch, wo Sprengungen im Fildertunnel die Wände zum Wackeln und die Bewohner um den Schlaf bringen. Wir werfen einen kritischen Blick auf den designierten Stuttgarter Schauspielchef und auf den Klimawandel, der auch die Skigebiete am Feldberg in Turbulenzen stürzt.

Da könnte einem glatt das Lachen vergehen? Auf keinen Fall! Lachen befreit und bringt die Verhältnisse zum Tanzen. Und jetzt sind wir endlich bei den Pinguinen. Denn die Tierchen im Federfrack, die so lustig übers Eis marschieren, sind so beliebt, dass sie es sogar zu einem jährlichen Gedenktag gebracht haben. Am 25. April ist Weltpinguintag. Für unseren Kinokritiker Rupert Koppold Grund genug, sich mal in der Filmwelt umzuschauen und die Frage zu stellen: Sind die süßen Vögel wirklich so süß?

Und wem das nicht genügt, der kann sich die neue Folge unseres Politcomics ansehen. Denn der Ökodiktator und seine Regierungs-WG verzweifeln an der Frage, wen sie bei der Bundestagswahl im September wählen sollen.


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1 Kommentar verfügbar

  • Schwabe
    am 23.04.2017
    zu "Kontext extra" - "AfD: Nichts wissen, nichts machen, nichts zahlen".

    Die Aussage "...Nichts wissen, nichts machen, nichts zahlen" passt auch wunderbar auf die anderen bürgerlich neoliberalen Einheitsbreiparteien CDU/CSU, SPD, Grüne und FDP.
    Das gilt bzw. betrifft insbesondere das Verhalten vor/nach der Wahl und alles was entscheidende Verbesserungen der Lebensbedingungen für die lohnabhängig beschäftigte Bevölkerungsmehrheit betrifft.
    Gegen dieses kollektive Fehlverhalten der etablierten Einheitsbreiparteien (m.E. kollektiver Amtsmißbrauch) sind die hier in Rede stehenden 257.000 Euro, 425.000 Euro oder auch 571.000 Euro geradezu lächerlich! Man denke nur an die (m.E. undemokratisch beschlossene) Erhöhung der geplanten ca. 35.000.000.000 (Mrd) Euro Mehrausgaben für die Kriegsführung.

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