KONTEXT:Wochenzeitung
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Macht mal nen Punkt!

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Wenn wir bei Kontext auch grübelten, bis uns die Köpfe glühten, und so hitzig diskutierten, dass in den Redaktionsräumen bald tropische Temperaturen erreicht waren, ja wir zuletzt wegen des ganzen Rauchs, der uns aus den Ohren qualmte, kaum noch die Hand vor Augen sahen, was, nebenbei bemerkt, das Tippen auf Tastaturen natürlich erheblich erschwerte, ob man es denn, in diesen Zeiten des immer anspruchsloseren Schlagwortjournalismus', wirklich wagen könne, ein Editorial zu verfassen, welches zwar dank hochkomplexer Hypotaxe einigen Freunden und Verehrern des überflüssig Komplizierten mit Gewissheit verzückte Jubelschreie euphorischer Ekstase entlocken dürfte, jedoch gleichzeitig, da es in etwa so übersichtlich geraten ist wie der Gordische Knoten und dabei so verschachtelt wie ein dutzendfach gefalteter Origami-Kranich in einer Paketbox, eine Vielzahl der Klartext bevorzugenden Rezipienten augenblicklich verschrecken würde, und ob man stattdessen nicht lieber einer anrührenden Story, wie der des tragischen Schicksals von Nummer 53, also jenem gestohlenen und enthaupteten Mannheimer Pinguin, dessen Geschichte es doch tatsächlich bis in die "New York Times" geschafft hat (ebenfalls in die "Washington Post", die NBC,Fox News, "The Sun", "El Caribe", "Le Figaro", "La Stampa", ...), und

der damit der Quadratestadt zum ersten Mal seit Jahren nennenswerte internationale Aufmerksamkeit einbrachte, an dieser Stelle Platz einräumen wolle, so entschieden wir uns dennoch, übrigens in der Hoffnung, niemand möge so lange in seinen filigranen Verästelungen verharren, dass er oder sie am Ende noch vermasselt, wertvolle Kunstwerke zu archivieren und diese einfach verschimmeln lässt, wie es, wenn auch aus ganz anderen Gründen, die Stuttgarter Staatsgalerie mit der Sammlung von Werner Sumowsky hat geschehen lassen, mit diesem, dem vermutlich längsten Kontext-Satz der Welt, der, länger noch als eine Duplo-Praline, groß genug ausgedruckt von hier bis zum Mond und wieder zurück reichen würde, wovon wir aufgrund unverantwortlicher Papierverschwendung, für die vermutlich mehr Bäume gefällt werden müssten als für die Landesgartenschau in Überlingen, allerdings ausdrücklich abraten, in Form und Inhalt einem ganz besonderen Anlass zu huldigen, denn wir freuen uns, mehr noch als eine überprivilegierte Elite über eine immer reichenfreundlichere Steuerpolitik, mit Ihnen, liebe Leserschaft, am 25. Februar den Tag der Schachtelsätze feiern zu können, und bedanken uns ganz herzlich bei all jenen, welche tatsächlich bis zum Ende dieses zugegebenermaßen grenzwertig komplizierten Satzkonstruktes, das jedoch immer noch deutlich verständlicher als Günther Oettinger sein dürfte, durchgehalten haben.

Klarstellung: Anders als im Artikel dargestellt, dürfte es in der Praxis schwierig bis unmöglich werden, den Satz tatsächlich so groß auszudrucken, dass er von hier bis zum Mond und zurück reichen würde. Das wären nämlich etwa 768 800 Kilometer Gesamtstrecke, daher müsste jedes einzelne Zeichen gut 280 Kilometer groß werden. Bisher haben wir keine Druckerei finden können, die Buchstaben in diesem Format drucken würde.


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5 Kommentare verfügbar

  • Andreas Wolf
    am 26.02.2017
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    Die Künstler des" Drei-Wort-Satzes", die inzwischen in den großen Zeitungen und Online-Portalen, egal welcher Couleur, doch so reichlich vertreten sind, haben dafür sicher kein Verständdnis. :-)
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