Ausgabe 295
Editorial

Am Nasenring

Von unserer Redaktion
Datum: 23.11.2016

Mit Wattebällchen werfen. Gegen die AfD. Sehr lustig, sehr wirkungsvoll. Da sagt diese Partei mal raus, mal rein, dann wieder raus und die JournalistInnen warten treu und brav vor der Tür, bis ihnen einer dieser verkniffenen Männer ein paar Brocken hinwirft. So geschehen am vergangenen Wochenende in Kehl, wo die Rechten ihre Listenaufstellungsversammlung abgehalten haben. Und was sagt die Landespressekonferenz (LPK), die so eine Art Dachverband für das schreibende und sendende Personal ist?

Mit "großem Befremden" habe man den Ausschluss zur Kenntnis genommen, sprach der Vorstand. Dies sei ein "massiver Eingriff in die freie Berichterstattung", denn es gehöre "zu den Grundlagen der demokratischen Kultur, dass die Öffentlichkeit unabhängig und uneingeschränkt informiert werden kann, wie Parteien ihre politischen Positionen erarbeiten und sich auf Wahlen vorbereiten". Mit einem "freien Zugang zu Information" habe das nichts zu tun. Wie wahr.

Nur zur entscheidenden Konsequenz mochten sich die LPK-Vorständler nicht durchringen: zum Aufruf, die AfD an diesem Wochenende in Kehl zu boykottieren. Dann hätten die JournalistInnen mal debattieren können, darüber, wie sie ihren Beruf sehen, mit welchem Selbstverständnis sie ihm nachgehen, welche Haltung sie zu den Dingen haben. Und womöglich wären sie zu dem Schluss gekommen, dass sie die AfD mal kreuzweise kann. Das wäre ein Zeichen gewesen in diesen Zeiten, in denen sie von allen Seiten beschossen werden.

Stattdessen sind sie eilfertig nach Kehl gefahren, haben draußen im Regen vor der Halle gestanden, um auf die Entscheidung derer drinnen zu warten – die erwartbar ausfiel: Daumen gesenkt. Und im Netz brach Jubel aus. "Größenwahnsinnige im Jammermodus", postet einer. "Eine gute Entscheidung. Zukünftig würde ich Euch auch raten, mit Printmedien, die verleumderische Berichte über die AfD gebracht haben, wie z.B. die FAZ, generell nicht mehr zusammen zu arbeiten", ein anderer, "die Giftmischer, Verleumder, Lügenpriester brauchen wir nicht. Wir haben unsere sozialen Netzwerke!!!" Mehr Demütigung geht kaum.

Obacht: Eigenwerbung

Kontext ist nicht nach Kehl gefahren. Der Ring in der Nase ist unsere Sache nicht. Wir werden die AfD weiter begleiten, wie es sich gehört – mit dem nötigen Abstand und dem Check ihrer Argumente, so weit vorhanden. Das schaffen wir umso besser – und jetzt obacht: Eigenwerbung – je mehr Luft wir dafür haben. Und, zack, sind wir bei unserer Soli-Kampagne, die wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ans Herz legen.

Wie sie aussieht und warum sie für uns so wichtig ist, haben wir in der vergangenen Woche dargelegt. Wem es entgangen sein sollte, kann hier noch einmal nachlesen.

Die Redaktion dankt.


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