KONTEXT:Wochenzeitung
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Widerstand ist machbar

Widerstand ist machbar
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Die Schere im Kopf ist ein beliebtes Werkzeug. Auch bei Journalisten. Schreibe ich etwas, oder lasse ich es lieber, weil es Ärger macht? Oder der Chefredakteur mit dem Hackebeil hinter mir steht? Die Luft wird dünner in den Redaktionen, der Druck analog zur Sparwut in den Verlagen stärker, der Mut zur eigenen Meinung geringer. Cool ist heute, die Meinung der Mächtigen zu vertreten.

Aber es geht auch anders. Thomas Ducks, 54 Jahre alt, Redakteur und Betriebsrat beim Schwarzwälder Boten, ist der lebende Beweis. Er hat 2011 den längsten Streik in der Pressegeschichte angeführt, 96 Tage lang, und die Bösartigkeit seines damaligen Chefredakteurs weg gesteckt, er könne streiken bis ihm der "Rotz in der Nase" gefriere.

Die KollegInnen haben durchgehalten, und wenn sie Ducks heute trifft, sagen sie ihm, sie hätten viel gelernt damals, fürs Leben und den aufrechten Gang. Und Ducks sagt, er habe damals den anderen Mut machen wollen, etwas zu wagen. Er selbst ist so etwas wie ein Fels in der Brandung, immer wieder attackiert von seinem Arbeitgeber, der ihn in einen Kleinkrieg verwickelt, von ihm wissen will, wie er seine Arbeit als Betriebsrat und Redakteur zu vereinbaren gedenke. Zuletzt war er einen Monat krank geschrieben, jetzt ist er wieder an Bord und macht weiter. Frei nach Bertolt Brecht: "Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft hat schon verloren". Nachzulesen ist die Streik-Geschichte jetzt in einem Büchlein, das den programmatischen Titel trägt: "Widerstand gegen Tarifflucht ist machbar". Erschienen ist es im Heilbronner Distel Verlag, herausgegeben von verdi Stuttgart, geschrieben von Ducks und Gewerkschaftssekretär Uwe Kreft.

Der andere ist Arno Luik. Kontext-LeserInnen kennen ihn als kritischen S-21-Experten, als Interviewer von Yannis Varoufakis, man könnte auch sagen als Gegen-den-Strich-Bürster. Wer sein Blatt, den "Stern", liest, wundert sich jedes Mal, wie seine Texte noch Platz im glatten Hochglanz finden. Es ist so schwierig wie einfach: Der gebürtige Ostälbler (Königsbronn) hat eine Meinung und streitet für sie. Wie jetzt wieder, als deutsche Leitmedien zum Einsatz der Bundeswehr in Syrien riefen. Während die Chefredaktion des "Stern" unverhohlen zu den Waffen greifen will, Großkolumnist Hans-Ulrich Jörges lauthals verkündet "Wir sind Kriegspartei", kontert Luik mit dem Essay "Die Schlafwandler rücken aus". Normalerweise machen wir keine Werbung für den "Stern", aber in diesem Fall eine Ausnahme, weil der Text ein guter ist.

Die Dritten im Bunde sind die Kollegen von "Kontext TV". Das Berliner Nachrichtenmagazin wird, ebenso wie Kontext, von einem gemeinnützigen Verein getragen, ist werbefrei und unabhängig. Es beschäftigt sich mit den großen Themen der Zeit, mit Krieg und Frieden, der Finanzkrise und insbesondere dem Klimawandel. Folgerichtig also, dass die beiden Macher, Fabian Scheidler und David Goeßmann, in Paris bei der Weltklimakonferenz waren, und so gar nicht in den Tenor einstimmen wollten, dass die Welt gerettet ist. Ihren Blog empfehlen wir ebenfalls zur Lektüre:

P.S. Die obigen Links dürfen auch beim SWR gelesen werden.


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