Ausgabe 207
Editorial

Die gute Nachricht

Von unserer Redaktion
Datum: 18.03.2015

Überraschung! Kürzlich brachte das Medienmagazin "Zapp" eine beruhigende Nachricht über die Nachricht: Die Welt ist nicht so böse, wie sie manchmal scheint. "Nachrichtenwert" hätten eben vor allem schlechte Nachrichten, und verkaufen ließen sich Skandale und Grusel auch besser als Blümchenwiesen und zufriedene Menschen. Meinen die Zapp'ler.

Der schwedische Wissenschaftler Hans Rosling hat herausgefunden, dass Menschen, die regelmäßig Nachrichten schauen, die Welt viel düsterer sehen, als sie ist. Bei europäischen Journalisten sei dieses Phänomen noch viel stärker ausgeprägt als beim Durchschnitts-Nachrichteninteressierten, und dadurch potenziere sich die Schwarzseherei auch noch.

"Zapp" zugeschaltet war denn auch ARD-Chef Kai Gniffke, der da sagte: "Wir müssen gucken, dass wir nicht nur die dramatischen, kurzfristigen Entwicklungen, die oft negativer Art sind, beleuchten." Man dürfe nicht aus dem Blick verlieren, was sich langfristig so tue in unserer Gesellschaft.

Der dänische öffentlich-rechtliche Sender DR macht, so berichtet "Zapp" weiter, mit seinem Chef Ulrik Haagerup, Autor des Buchs "Constructive News", vor, wie die gute Nachricht funktioniert: Nicht wer schuld ist, sei die Frage, sondern wie man ein Problem löst. "Positive Beiträge können eine gute Ergänzung zu Nachrichten über Zugunfälle, Tsunamitote und Co. sein", zitiert ihn "Die Presse.com".

Und weil Kontext ja mit vornedran sein will bei jedweder Neu- oder Fast-Neu-Entwicklung, machen wir mit und berichten was Gutes.

Diese Woche über den VfB Stuttgart. 

Das Langfristige, frei nach ARD-Gniffke: Der VfB wird in die zweite Liga absteigen. Die Fans sind sauer, alle anderen wollen den Verein nach Bekanntwerden des Doping-Skandals (wenn nicht früher schon wegen des grauenvollem rechtsaußen-Mottos "Furchtlos und treu") auch nicht mehr live spielen sehen.

Das Gute im tiefdunklen Nachrichtenwust – frei nach Rosling: Im Stadion sind jetzt eine Menge Plätze frei!

Das Konstruktive, diesmal frei nach Ulrik Haagerup: Wer schuld ist an der VfB-Misere, rätseln die beiden Stuttgarter Blätter täglich aufs Neue. Wir von Kontext geben frank und frei zu: Wir wissen es nicht und pinkeln deshalb auch keinem ans Bein, sondern fragen mal beim VfB nach einer Lösung. 

Und siehe da: Fürs Samstagsspiel gegen Eintracht Frankfurt sponsert der Verein 400 Freikarten für Flüchtlinge. Die Karten sind personengebunden und schon weg. Also bitte nicht mehr anrufen.

Aber im Ernst: Wir finden sowohl die Idee der konstruktiven Medienberichterstattung gut als auch die Initiative unseres Fußballclubs. Der setzt übrigens auch auf Gniffke'sche Langfristigkeit und plant für die Zukunft gleich noch ein Flüchtlingsprojekt. Mehr wird allerdings nicht verraten. Damit noch eine gute Nachricht übrig bleibt fürs nächste Mal.


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1 Kommentar verfügbar

  • Ulrich Frank
    am 24.03.2015
    Auch eine "gute" Nachricht ist daß die Nachfrage nach mundfertigen und wahrscheinlich auch exorbitant gut (und kollateral) bezahlten Spindoktoren wie Kai Gniffke zumindest konstant bleibt, wenn sie nicht beim anwachsenden Fauxpas- und Katastrophenpotential mit Ausredenbedarf nicht noch ansteigen wird...

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