Ausgabe 206
Editorial

Mit dem Bulli zu Kontext

Von unserer Redaktion
Datum: 11.03.2015

Manche mögen's nicht mehr hören – das Gehörtwerden. Der Berliner Schriftsteller und Journalist Detlef Berentzen zählt nicht dazu. Wochenlang ist er durch Baden-Württemberg getourt, um mit Politikern, Bürgern und Wissenschaftlern über das grüne Heilsversprechen zu reden. Bevor er zu Staatsministerin Gisela Erler eilte, war er zu Besuch in der Kontext-Redaktion. Wenn wir ihn richtig verstanden haben, zog er noch skeptischer von dannen. In seinem Feature für SWR 2 fragt er, ob Baden-Württemberg wirklich das "Musterland lebendiger Demokratie" ist. Zu finden ist der spannende Beitrag unter diesem Link. Und wer nur lesen mag, möge die Kurzfassung unter diesem Link anklicken.

Einen baldigen Besuch hat uns ein Kollege aus Hamburg angekündigt, der bei einem dortigen Magazin schafft. Er werde sofort seinen VW Bulli packen und in die Hauptstätter Straße 57 fahren, schrieb er, um bei Kontext anzuheuern. Befeuert hat ihn ein Interview im Branchendienst turi 2, in dem Josef-Otto Freudenreich von den Vorzügen des unabhängigen Journalismus erzählt hat. Womöglich hat den Hamburger Kollegen beeindruckt, dass es möglich ist, frei von "sparwütigen Verlegern und journalismusfreien Chefredakteuren" arbeiten zu können. Wir haben ihm natürlich geantwortet, er sei herzlich willkommen. Zumindest mit Brezeln könnten wir ihm dienen.

Und noch eine Post. Aus Konstanz. Die dortige "Humanistische Alternative Bodensee" meldet uns, dass die Gideon-Bibel nicht nur im Friedrichshafener Polizeipräsidium verteilt werden sollte, sondern auch an der Hochschule der Polizei in Villingen-Schwenningen "massiv" beworben sei. Außerdem seien von den evangelikalen Bibelfreunden "Missionsseminare" an staatlichen Kitas angeboten worden. Und Kriminalhauptkommissar Jürgen Sterk, der den Bibelstreit begonnen hat (zum Artikel "Bibelfreie Zone"), berichtet, dass ihm inzwischen auch die Laizisten in der SPD (was es nicht alles gibt?) zur Seite stehen plus die Giordano-Bruno-Stiftung in Oberwesel, die sich dem Gedankengut des Kirchenkritikers Karlheinz Deschner verpflichtet fühlt. Das Thema bleibt also erhalten, zu Freud und Leid unserer LeserInnen, die es aufmerksam verfolgen. Das sehen wir nicht nur an den Kommentaren in Kontext, sondern auch an der Verbreitung via Facebook. Die Gideon-Bibel hat dort den heftigsten Zuspruch bekommen.

 

Apropos Zuspruch: Der Saal im Württembergischen Kunstverein war voll, als das Autorengespann Jürgen Bartle und Dieter Reicherter zusammen mit Kontext das Buch "Unerhört. Ungeklärt. Ungesühnt." am gestrigen Dienstagabend vorgestellt hat. 250 Gäste waren gekommen. Und der Abend hat sich gelohnt. Joe Bauer hat Wolfgang Schorlau ("Wenn die Justiz Partei ist") gelesen, Jürgen Bartle das Kapitel "Wenn die Täter ermitteln", und Dieter Reicherter bekannte, dass es schrecklich gewesen sei, über viele Tage im Saal sitzen zu müssen und dem Gericht nicht zurufen zu dürfen: "So nicht!" Ein Glück, dass der Richter a. D. seine Botschaft in anderer Form unter die Menschen bringen kan: als Kontext-Buch, das von Christian Riethmüller (Osiander) gerne mit dem Fahrrad ausgeliefert wird, wie er gestern Abend erzählte.


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3 Kommentare verfügbar

  • Bartle und Reicherter
    am 11.03.2015
    @marion kuster (? neuer Nick)

    Echt kreativer Vorschlag, Frau Kuster!
    Probieren Sie's doch einfach mal bei Amazon!
    Viel Erfolg!

    Sehr, sehr sympathisch!
  • marion kuster
    am 11.03.2015
    Osiander? ???
    Sehr , sehr sympathisch.
    Osiander wird wahrscheinlich ähnlich menschenfreundlich geführt wie Aldi süd. kein Wunder. War der junior-chef riethmüller doch zuvor lange Jahre Aldi-süd-Manager und hat erfolgreich mitaufgepasst, dass sich dort kein Betriebsrat gebildet hat.

    Warum da eigentlich nicht gleich bei amazon bestellen?
  • Tillupp
    am 11.03.2015
    @Die Gideon-Bibel hat dort den heftigsten Zuspruch bekommen.

    Echt jetzt? ... oder war es das Thema die Bibeln aus Amtsstuben zu verbannen?

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Letzte Kommentare:





Ausgabe 428 / Knallharte Regeln! / Peter Grohmann / vor 1 Tag 33 Minuten
Lieber Jörg Taus, danke.











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