KONTEXT:Wochenzeitung
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Bissig

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Oh heiliger Bimbam, das Fest der Liebe steht vor der Tür, und wir sind ganz aufgeregt. Die Hälfte der angepeilten 150 neuen Soli-Geber ist geschafft. Packen wir auch die andere Hälfte noch bis zum Jahresende? Kriegen wir das zusammen, um hoffnungsfroh ins Neue Jahr gucken zu können? Das muss doch zu schaffen sein! Wenn wir uns die Spenden anschauen – bis heute 14 000 Euro – haben wir allen Grund zur Zuversicht. Auch dafür wieder ein dickes Dankeschön.

Aber, man kann es nicht oft genug sagen: Die Solis sind unsere starke Stütze, nicht nur finanziell, sondern auch ideell. Die LeserInnen, die unterstützen, zeigen uns, dass sie Kontext Monat für Monat haben wollen, dass ihnen an einem langen, für uns planbaren Leben gelegen ist. Und keine Bange, damit werden keine goldenen Wasserhähne finanziert, nur die Grundlagen für einen unabhängigen Journalismus.

Wie der heute aussieht, belegen die unzähligen Kooperationen, die Zeitungen derzeit eingehen. Mit Börsen, Banken, Autobauern, Ministerien. Kaum ein Projekt, unter dem nicht steht: sponsored by. Kinderzeitungen, Wirtschaftstitel für Entscheider, Foren mit Politikern und Unternehmern – gefördert durch. Ganz toll treibt es der Werber Sebastian Turner, der frühere Stuttgarter OB-Kandidat und heutige Herausgeber des Berliner "Tagespiegels". Er lässt Diskussionsrunden in seinem Laden für teures Geld kaufen und nennt das "Politik-Briefing für Deutschland". Adressaten sind die Autoindustrie, Banken und der Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Als Gesprächspartner erscheint Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU). Klicken Sie dazu auch hier.

Da wünscht man den KollegInnen ein breites Kreuz, wenn sie über ihre Sponsoren schreiben müssen.

Unsere Förderer sind die LeserInnen. Wie das Hamburger Ehepaar, das uns ermutigt: "Bleiben Sie so bissig wie bisher." Sie erwarten keine PR, sie wollen werbefreien, unbequemen und couragierten Journalismus.

Kretschmann, Kontext und die Frauen aus dem Nordirak

Das ist nicht gefällig und gefällt auch nicht allen. Zum Beispiel dem grünen Ministerpräsidenten. Winfried Kretschmann hat sich auf der wöchentlichen Pressekonferenz der Landesregierung mächtig aufgeregt über die Kontext-Berichterstattung zu dem Plan, bis zu tausend Frauen aus dem Nordirak im Rahmen einer Sonderkontingentslösung für Flüchtlinge ins Land zu holen. Die Überschrift nannte er "infam", es sei "echt unerträglich", wie das Elend dieser Frauen genutzt werde. Die Sache brauche Zeit, es gehe eben "nicht um 67 Beamte für den Hochwasserschutz".

Was er nicht sagte: dass erst die sorgsam recherchierte Geschichte von Stefanie Järkel – das Thema hatte inzwischen auch die FAZ aufgenommen – seiner Umgebung Beine machte. Denn völlig überraschend präsentierte der Amtschef Klaus-Peter Murawski auf derselben Pressekonferenz einen Mehr-Punkte-Katalog: Die 150 dringendsten Fälle sind bereits ausgesucht, weitere 500 auf einer Liste, die dank der Mitarbeit von drei Ärzten vor Ort zusammengestellt wurde. Es hat mehrere Telefonschaltkonferenzen gegeben, sogar die Idee wird diskutiert, die Einreisenden erst im Nachhinein mit Visa zu versehen, um die Übersiedlung einfacher zu gestalten. Geht doch. Hätten die Sprecher im Staatsministerium diese Auskunft rechtzeitig gegeben oder zumindest die konkreten Verhandlungen darüber bekannt gemacht, hätte die Überschrift auch heißen können: "Kretschmanns Frauen-Rettung läuft".

Gefällig wird auch das neue Kontext-Buch ("Unerhört. Ungeklärt. Ungesühnt.") von Jürgen Bartle und Dieter Reicherter nicht sein. Aber wohl gerade deshalb sind sie bei ihrem Crowdfunding bereits auf der Zielgeraden. Es fehlt nur noch wenig bis zur 9990-Euro-Linie. Jeden Euro davon können sie gut gebrauchen:  Die ein Hälfte des gesammelten Betrags investieren sie in das Buch, die andere Hälfte leiten sie weiter an den "Rechtshilfefonds kritisches Stuttgart". Damit sollen die Nebenkläger und ihre Anwälte aus dem Wasserwerfer-Prozess unterstützt werden. Der Link dazu finden Sie hier.


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1 Kommentar verfügbar

  • Sichtbar unbehagt nahm der Oberbürgermeister ...
    am 20.12.2014
    Antworten
    am vergangenen Mitwoch die 20.000 Unterschriften des Bürgerbegehrens "Storno 21" entgegen, nicht ohne auf seine unglückliche Lage im Spannungsfeld von verbindlicher Rechtsreue, kritischer Begleitung und klaffender Finanzierungslücke hinzuweisen. Damit OB Fritz Kuhn nicht länger zwischen allen…
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