KONTEXT:Wochenzeitung
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Sterne für uns Bettler

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Es soll tatsächlich Menschen geben, denen es schwer fällt, Formulare auszufüllen. Vincent Klink ist so einer. Er sei ganz verzweifelt gewesen, schreibt er, als er versuchte, Mitglied bei Kontext zu werden. Da habe er auf dem Formular die Rubrik "Titel" entdeckt und gerätselt, womit er wohl dienen könne. Sternekoch ist nun mal keiner, und Doktor hat er keinen, ganz abgesehen davon, dass es davon viele falsche gibt. Und auf das schmierige Terrain des Exdoktors Guttenberg wolle er sich nicht begeben, ließ er uns wissen. Er hat sich dann für "Eminenz" entschieden.

Wir haben den Chef der Stuttgarter Wielandshöhe trotzdem aufgenommen, weil er für Kontext schon auf dem Bass-Waldhorn gespielt und für treue Soli-Geber gekocht hat, und weil ihm viel im Kopf rumgeht. Zum Beispiel, wenn er mit seiner Frau Elisabeth abends spazieren geht und ihr erzählt, dass er in Kontext einen "sauguten und ergreifenden Bericht" gelesen habe. Von einem Lokführer, der "mit einem Jungkochgehalt und einer monströsen Verantwortung durch die Nacht stürmt". Seine Lisbeth, die alle Zeitungen auswendig lerne, schreibt er, habe darauf eine Art Aufschrei in die Luft entsandt. Warum sie das nicht in ihren Zeitungen lese, habe sie gerufen, nirgends einen Pieps solcher Wahrheit. Seitdem ist Vincent Klink ordentliches Mitglied beim Kontext-Verein für ganzheitlichen Journalismus.

Apropos Wahrheit, die Relative. Damit hat sich auch das Stuttgarter Kabarett "Die Pinguine" jahrzehntelang beschäftigt. Gerne im Zusammenhang mit Politikern und Bankern, zur Freude des Publikums und mit dem Vorsatz, das Reale in Satire zu verpacken. Ein Merksatz: "Je fester dir einer die Wahrheit verspricht, glaub ihnen nicht." Ein "Pinguin" hat sich entschlossen, Kontext mit jährlich 150 Euro zu unterstützen.

Darüber freuen wir uns genau so wie über die anderen Helfer, die Mehrzahler und neu Hinzugekommenen, die wir seit Beginn unserer Kampagne ("Wir sind Bettler") freudig begrüßen. Das läuft richtig gut an, und wenn es noch besser weiter geht, schaffen wir mindestens 150 neue Soli-GeberInnen bis zum Jahresende, die wir brauchen, um unsere Finanzierungslücke zu stopfen. Wir sind dann auch überhaupt nicht böse, wenn jemand schreibt: "Nehmt das, ihr Bettler" – und von zehn auf 20 Euro im Monat erhöht. Ein Doktortitel ist dafür nicht nötig.

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3 Kommentare verfügbar

  • Freya
    am 28.11.2014
    Antworten
    Stimmt nicht ganz mit dem Lokführer-Gehalt. Dass Lokführer nach vielen Berufsjahren so wenig verdienen hat Thomas Wüpper schon mal in einem Artikel in der Stuttgarter Zeitung erwähnt. Aber Wüpper gehört auch zu den wenigen Journalisten, die kritisch über S21 berichten.
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