KONTEXT:Wochenzeitung
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Happy Birthday, Günther!

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Günther H. Oettinger hat seinen Sechzigsten gefeiert! Am vergangenen Dienstag, den 15. Oktober. Kontext gratuliert dem ehemaligen CDU-Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg und heutigen EU-Kommissar für Energie herzlich zum runden Geburtstag!

Während andere bei derlei Gelegenheiten bei Geburtstagstorte und Kaffeekränzchen sitzen, hetzt Kommissar O. rastlos zwischen Brüssel und Ditzingen bei Stuttgart hin und her. Reingefeiert in seinen Ehrentag hat er an alter Wirkungsstätte, mit Daimler-Chef Dieter Zetsche in der Stuttgarter Liederhalle. Beim "Treffpunkt Foyer" der "Stuttgarter Nachrichten", der sich der Zukunft des Automobils, speziell derjenigen mit Stern aus Untertürkheim, widmete. Wie es sich für den Ex-Regierungschef eines Autolandes gehört, nahm er dabei energisch die deutschen "Premiumhersteller" gegen EU-Bestrebungen in Schutz, spritsparendere Autos zum Klimaschutz zu bauen. "Dann hätten wir kleine, lieblose Kisten, in der nicht mehr als fünf Personen Platz haben", so sein Argument.

Auch an seinem Geburtstag drehte sich bei Oettinger alles um Energie. In der "Rheinischen Post" warnte er vor Blackouts als Folge verfehlter Energiepolitik. Moment mal!? Hatte nicht auch einer seiner Vorgänger als Ministerpräsident, der ehemalige Marinerichter Hans Filbinger, prophezeit, dass im Land die Lichter ausgehen würden? Ohne Kernkraftwerk im badischen Wyhl? Der Atommeiler am Kaiserstuhl wurde nie gebaut, und alle Lichter brennen noch, wie eine sehenswerte Fernsehdokumentation "Nai hämmer gsait!" von Goggo Gensch über den bürgerlichen Widerstand zwischen 1973 und 1975 im SWR-Fernsehen am vergangenen Donnerstag zeigte (hier der Beitrag in der SWR-Mediathek). In der vorigen Ausgabe hatte Kontext die Beliebig- und Behäbigkeit des SWR-Programms noch in drei Beiträgen kritisiert, prompt strahlte der Sender ein dokumentarisches Glanzstück aus. Wenn auch zu später Stunde, in der rechtschaffene Badener und Schwaben längst im Bett liegen. Kontext-Leser können sich über den Kampf um Wyhl auch in dieser Ausgabe informieren, im Interview "30 Jahre Hand in Hand".

Günther Oettinger dürfte dagegen die letzten Nächte eher unruhig geschlafen haben. Einen Tag vor seinem Geburtstag deckte die "Süddeutsche Zeitung" auf, dass der schwäbische Energiekommissar aus einem Bericht über EU-weite Energiesubventionen rund 100 Milliarden Euro staatliche Zuwendungen an fossile Energieformen wie Atom, Kohle, Gas und Öl hat verschwinden lassen, weil sonst seine Kritik an "übertriebenen" Subventionen von erneuerbaren Energien ins Leere gelaufen wäre. Schließlich fördern die  EU-Länder zusammen sauberen Strom von Sonne und Wind mit lediglich 30 Milliarden Euro. Der finale, um 100 Milliarden Euro erleichterte Subventionsbericht des Geburtstagskindes ist hier herunterladbar.

Im Verschweigen und Vertuschen von dramatischen Zahlenwerken hat Oettinger schließlich Übung. Kurz vor der Volksabstimmung zu Stuttgart 21 wurde bekannt, dass die damalige Landesregierung schon 2009 mit höheren Kosten für das Bahnprojekt rechnete – Parlament und Öffentlichkeit auf Weisung des Ministerpräsidenten Oettinger aber nicht darüber informiert wurden. Doch Kontext ist nicht nachtragend: Als Geburtstagsgabe schenken wir unseren Lesern einen denkwürdigen Oettinger-Auftritt vor Freiburger Studenten, in dem er über Paris als Stadt der Kopfbahnhöfe dozierte.

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Mehr Aufrichtigkeit tut dennoch not. Auch bei der Bahn, die nach Kontext-Berichten über Mängel beim Brandschutz von Stuttgart 21 eine Gegenoffensive startete. Ein Interview des Brandschutzbeauftragten Klaus-Jürgen Bieger in den "Stuttgarter Nachrichten" haben wir auf Faktengehalt gecheckt und mal wieder mehr Verharmlosungen als Wahrheiten vorgefunden.

Aufrichtig für den Frieden eingesetzt haben sich fast auf den Tag genau vor 30 Jahren Hunderttausende, indem sie sich zwischen Stuttgart und Neu-Ulm die Hand reichten. Wir erinnern an die fast 100 Kilometer lange Menschenkette im Oktober 1983, die ein Zeichen gegen die Nachrüstung mit Atomraketen setzen sollte. Und wir spannen in unserer Titelgeschichte einen Bogen über lange Menschenketten in aller Welt zu einer neuen Form des friedlichen Kettenprotests: der digitalen Menschenkette 2.0, die ihren Ausgang im oberschwäbischen Ravensburg hat.


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6 Kommentare verfügbar

  • baksb
    am 19.10.2013
    Antworten
    Es darf doch wohl nicht wahr sein, diese Kompetenz in Wort und Geist zu gratulieren. Ich dachte, Kontext wäre eine politische Informationsquelle und keine Satire-Zeitung.
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