KONTEXT:Wochenzeitung
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Der globale "Artivismus"

Der globale "Artivismus"
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Vor drei Jahren noch war die Bürgerbewegung gegen Stuttgart 21 in allen Medien. Heute ist sie gespalten und scheint gescheitert, obwohl die Probleme des Bahnprojekts offen zutage liegen. Was lief falsch? Wie geht es weiter? Vielleicht hilft ein Blick nach Karlsruhe: Die Ausstellung "Global Activism" im ZKM reflektiert noch bis Ende März 2014 "Vorgehensweisen, Taktiken, Strategien und Methoden" des weltweiten Protests. Kontext zeigt Bilder der Ausstellung.

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"Was unsere Generation durchlebt, ist die Endschlacht zwischen der Gier des neoliberalen Kapitalismus nach unendlichem Wachstum und den begrenzten Ressourcen des Planeten", schreibt John Jordan im Blog zur Ausstellung. Jordan engagiert sich seit zwanzig Jahren in Bewegungen wie "Reclaim the Streets": ein "Magier der Rebellion", wie ihn die französische Zeitung "Libération" genannt hat, der mit seinem "Laboratory of Insurrectionary Imagination" (Labor aufständischer Imagination) "die künstlerischen Praktiken innewohnende Kreativität nutzt, um effektive neue Formen des Widerstands zu entwickeln".

Der Blog publiziert seit Anfang Dezember 2013 in wöchentlichem Rhythmus Beiträge von Künstlern und Aktivisten aus allen Weltregionen. Tunis, Kairo, New York, Moskau, Istanbul und Athen: Im Wanderzirkus der globalen Medien löst ein Thema das andere ab. Von der Gefahrenzone in Hamburg bis zum Maidan-Platz in Kiew: völlig unmöglich, überall Schritt zu halten. Was wissen wir von der Ukraine? Oder vom "Moral Monday" in Raleigh, North Carolina?

Erste Überraschung: Sarah Rifky, Gründerin des angesagten Kunstraums "Beirut" in Kairo, sagt nicht nur zu, sie schickt gleich einen fertigen Text über die "Heimtücke der Ereignisse", welche die Protagonisten der Revolution an den Rand gedrängt hat. Weitere Autoren bisher: Korhan Gümüş, Mitbegründer der Taksim-Plattform in Istanbul; die tunesische Journalistin Aurélie Machgoul; Tatiana Volkova aus Moskau, eine der Kuratorinnen der Karlsruher Ausstellung; Edgar Endress, gebürtiger Chilene, der mit dem Künstlerkollektiv "Floating Lab Collective" in Washington "Denkanstöße für die öffentliche Vorstellungskraft" konzipiert; John Jordan; Ricardo Dominguez über sein mehrfach ausgezeichnetes "Transborder Immigrant Tool" zum Grenzübertritt in die USA; Philipp Ruch vom Zentrum für politische Schönheit; und der kamerunische Künstler Guy Wouete über die europäischen Außengrenzen in Lampedusa, Melilla und Malta. Es folgen Beiträge von Mona Sarkis über Bürgerjournalismus in Syrien und von Felix Stalder über neue Organisationsformen im virtuellen und realen Raum.

ZKM-Chef Peter Weibel: "Der aus der Verbindung von Aktivismus und Kunst entstehende 'Artivismus' ist vielleicht die erste neue Kunstform des 21. Jahrhunderts."


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6 Kommentare verfügbar

  • Ulrich Frank
    am 09.03.2014
    Antworten
    Daß, wie hier in anderen Kommentar-Beiträgen herausgestellt, die partei- und interessenpolitisch beherrschten lokalen Medien: StZ, StN, SWR die Auseinandersetzung mit einem Projekt welches von Anfang an mit unehrlichen Methoden durchgesetzt wurde nach wie vor abblocken wollen und maßgeblich an der…
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