Hans-Ulrich Heller mit Terrier Axel und seiner Beute, einem Fuchs. Fotos: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 191
Politik

"Töten ist nicht immer leicht"

Von Stefanie Järkel
Datum: 26.11.2014
Grün-Rot hat nach monatelangem Ringen ein neues Jagdgesetz verabschiedet. Ein Großteil der Jäger läuft immer noch Sturm dagegen. Hans-Ulrich Heller sorgt als Tierarzt auf der Ostalb für Kühe, Hunde und Hamster. In seiner Freizeit geht er auf die Jagd, erschießt Füchse, Wildschweine und Rehe. Der 60-Jährige sieht darin keinen Widerspruch.

Der Fuchs ist tot. Ein letztes Zucken, die schwarzen Augen glänzen matt. So liegt er hinter dem Baum im Gras. Kein Blut. Schrot tötet durch Schock. Sein Kamerad war schneller, hat sich ins Gehölz gerettet. Oder die Jäger waren zu langsam. Auf jeden Fall ist der eine tot und der andere weg. "Das ist ein Scheiß", flucht Hans-Ulrich Heller. "Waidmannsheil."

Der 60-Jährige und seine beiden Jagdgefährten hatten nicht mit zwei Füchsen gerechnet. Eine Viertelstunde standen sie mit geladenen Flinten im Wald auf der Ostalb, die Vögel zwitscherten, die Kirchenglocken bimmelten in der Ferne. Jagdterrier Axel war in den Bau gekrochen, hatte die Tiere aufgeschreckt und ans Tageslicht gejagt. Orange-weißes Fell hetzt über den Boden. Es knallt, drei Mal, vier Mal. Der Fuchs ist tot. Wozu?

Die grün-rote Landesregierung von Baden-Württemberg hat vor kurzem ein neues Jagdgesetz verabschiedet. Die Jagd wird dadurch ökologischer, sagt die Politik. Die Jäger fühlen sich gegängelt. Heller selbst lehnt das Gesetz ebenfalls ab. "Was soll daran besser sein? Ich habe nichts gefunden." Er kritisiert unter anderem die neue Ruhezeit im März und April, weil sich die Wildschweine stark vermehren und wühlend die Böden zerstören würden. Durch das Verbot von Bleimunition müssten die Tiere zudem künftig länger leiden bis zum Tod.

Heller jagt seit mehr als 30 Jahren. Eben so lange sorgt er sich als Tierarzt um Kühe, Hunde und Hamster. Wie passt das zusammen? Wie kann einer beruflich Tiere hegen und pflegen - und in seiner Freizeit töten?

Der Tierarzt steht am Morgen im Behandlungsraum seiner Praxis in Gerstetten. In der Mitte ein kleiner Metalltisch, in der Ecke ein Pferdeschädel, an der Wand Medikamente auf Brettern, im Glasschrank Scheren und Pinzetten. Einer der örtlichen Schäfer hat Cleo vorbeigebracht. Die altdeutsche Hütehündin mit schwarz-grau gelocktem Fell steht da und hechelt. Sie trinkt viel, fühlt sich nicht wohl. Die Untersuchung mit Ultraschall hat schon den Verdacht bestätigt: Gebärmutterentzündung.

Heller, graublonde kurze Haare, recht groß, recht kräftig, zieht die Spritze auf. "Halte sie mal sicherheitshalber fest, nicht, dass sie mich noch packt", sagt Heller mit dem breiten Dialekt der Ostalb. Der Schäfer packt Cleo mit beiden Armen. Der Tierarzt setzt die Spritze, das Tier bleibt ruhig. "Wir Älbler sind alle lieb", sagt Heller und lacht.

Als Tierarzt kümmert er sich vor allem um die Tiere der Bauern: Kühe, Schweine, Pferde. Drei Mal die Woche kommen die Gerstetter mit ihren Hamstern, Katzen und Hunden in seine Kleintiersprechstunde. Außerdem untersucht er das Fleisch der Schlachter. Warum er Tierarzt wurde, kann Heller nicht erklären. "Das ist halt so", sagt er, ganz Schwabe, und zuckt die Schultern. "Man muss nicht für alles eine Erklärung haben. Es war mein Wunschberuf."

65 000 Kilometer fährt Heller pro Jahr vor allem im Kreis Heidenheim von Tier zu Tier, für die Besamung von Pferden bis runter zum Blautopf. Die Dreckspritzer auf seinem VW Caddy reichen bis auf Bauchnabelhöhe. Er betreut bis zu 50 Höfe mit Kühen und insgesamt mehr als 500 Kunden. Sieben Tage die Woche ist er unterwegs.

Der Tierarzt fährt auf den Hof der Schleichers in Zähringen, auf dem Beifahrersitz hockt Jagdterrier Axel, Heller hupt. "Das ist die Klingel des Tierarztes", sagt er und lacht. Vor einigen Wochen hat Schleichers Fleckvieh Nachwuchs bekommen. Die Kälber müssen gegen Grippe geimpft werden. Heller, grüner Arbeitskittel und Gummistiefel, öffnet die Heckklappe des Autos und zieht die Schubladen einer Metallbox auf. Oben: Medikamente, in der Mitte: Hormone, unten: Spritzen.

Die Kälber stehen draußen in kleinen Boxen, sie scheinen noch ein wenig verwirrt vom Schock, nun auf der Welt zu sein. Landwirt Thomas Schleicher hält die Tiere an Hals und Hintern fest, putzt die Nasenlöcher mit Küchenrolle aus. Heller packt die Tiere am Kiefer und steckt die Spritze in die Nasenlöcher. Fünf Kälber sind in zwei Minuten versorgt.

Vor ein paar Wochen hat Heller hier mehrere Kühe besamt, ihnen mit einem armlangen Metallstab Bullensperma in die Scheide eingeführt. 18 Euro kostet die Behandlung – unabhängig vom Erfolg. Verschiedene Sorten Samen fährt Heller stets tiefgekühlt in einem Stickstoffkanister mit sich herum. Jetzt will Schleicher wissen, ob die Prozedur etwas gebracht hat. Der Landwirt steht da mit Zettel und Stift und sagt Heller, welches Tier mit welcher Nummer trächtig sein könnte.

Heller stammt aus Geislingen-Eybach, 14 Kilometer von Gerstetten entfernt. Nach dem Abitur ließ er sich im elterlichen Betrieb zum Metzger ausbilden, später studierte er in München Tiermedizin. Seit 1983 ist er als Tierarzt tätig. Obwohl Heller nach wie vor mindestens 60 Stunden die Woche arbeitet, lässt die Nachfrage nach. Früher war er bis zu drei Mal in der Woche nachts draußen, um Kühen bei der Geburt zu helfen. Heute seien die Bauern mit ihren großen Höfen versierter, sagt Heller. Jetzt klingeln sie ihn vielleicht noch einmal im Monat aus dem Schlaf.

Wenige Häuser weiter, bei Hans Claus auf dem Hof, hat sich eine Kuh verletzt. Der Teil eines Hufes ist weg, das trächtige Tier blutet und liegt im Stroh. "Das ist ein schöner Scheiß. Das war noch nie, dass eine Kuh sich eine Klaue runtergemacht hat", jammert der Landwirt. Heller erklärt ihm, dass er den Huf entweder verbinden könne, ihn amputieren oder das Tier einschläfern. "Das muss man wirtschaftlich entscheiden", sagt Heller. Immerhin müsste die Kuh in sieben, acht Wochen ein Kalb gebären. Wert: 600, 700 Euro, sagt Heller. "Um's Geld geht's doch nicht", sagt Claus. Ein Kalb stackst zu dem Tierarzt. "Gell du, Moggel", sagt er und streichelt es.

Jetzt im Winter geht Heller fast jede Nacht auf den Hochsitz. Gemeinsam mit seinen beiden Söhnen, die ebenfalls jagen, hat er knapp 800 Hektar Land gepachtet. Bei Treibjagden ist Heller mit dabei und rund vier Mal im Jahr bei der Fuchsjagd. Der Jäger hält sich dabei bereits jetzt an die künftigen gesetzlichen Vorgaben. Ab dem kommenden Frühjahr darf die Fuchsjagd nur noch in Kunstbauten betrieben werden. Die sind so schmal gebaut, dass nur Füchse darin leben können – und keine Dachse.

In Baden-Württemberg leben rund 38 000 Jäger und 3800 Tierärzte. Der Vorsitzende des Landesverbands praktizierender Tierärzte, Hans-Georg Ströhle, schätzt den Anteil der Jäger unter den Tierärzten vorsichtig auf bis zu 20 Prozent. Letztlich gebe es "keine zwingende Verbindung" zwischen beiden Tätigkeiten – außer das Tier an sich, sagt er. Um ein Betäubungsgewehr zu bedienen, brauche es eine Ausbildung, die nicht Teil des Tiermedizin-Studiums sei. Kranke Tiere würden zudem grundsätzlich eingeschläfert. "Der Schuss ist nicht üblich", sagt Ströhle. 

Tierarzt und Jäger zu sein schließt sich zumindest für Heller nicht aus. "Das ist kein Widerspruch", sagt er. Als Nutztierarzt hege und pflege er die Tiere doch auch, damit sie später geschlachtet werden könnten. "Es ist auch nicht so, dass ich irgendwas schieße, um es wegzuwerfen." Die Tiere würden immer verwertet. "Das sind natürliche Ressourcen." Warum solle man die nicht nutzen? "Mit jedem Stück Wild, dass ich schieße, braucht man vielleicht ein Stück weniger Mastvieh." Wildschwein und Reh verkauft er an einen Gastwirt. Den Füchsen zieht ein Bekannter das Fell ab. Das Fleisch werde entsorgt. Er selbst habe sich mal einen Muff machen lassen, sagt Heller. "Irre, wie warm das ist."

Auf der Fahrt von einem Stall zum nächsten geht es durch den Wald, über Hügel und zwischen Feldern hindurch. Heller biegt auf eine Wiese am Waldrand ab. Auf einer Fläche von vielleicht einem Tennisplatz ist der Boden umgepflügt. Wildschweine, sagt Heller. Die jagt er am liebsten. "Die sind einfach schlau. Die lassen sich nicht so leicht täuschen." Der Abschlussplan schreibt ihm 45 Rehe pro Jahr vor – und so viele Wildschweine wie möglich. Bei den Rehen schießt er allerdings manchmal auch nicht. "Wenn die Rehe draußen sind und äsen, und die Kitze rennen rum, dann denkt man sich schon mal: Das muss jetzt nicht sein."

Füchse sind für ihn dagegen "Prädatoren", Tiere ohne natürliche Feinde. Kurz bevor er am Nachmittag den Fuchs schießt, steht er mit seinen Jägerfreunden an einem anderen Fuchsbau und wartet. Jagdterrier Axel ist mal wieder bei der Arbeit. Es rumort im Boden. Der Fuchs kommt aus dem Bau – und will wieder zurück. Die Tiere kämpfen. Axel jagt den Fuchs den Hang hinunter. Die Jäger hinterher. Es fällt kein Schuss. Am Ende ist der Fuchs trotzdem tot. Axel ist eben ein Jagdterrier. "Guter Bube", lobt Heller. "Wenn der Hund so gut schafft, kann man doch stolz sein." Auf der Fahrt zum nächsten Fuchsbau wird er unsicher. Man werde doch nicht seine Adresse schreiben? Wegen der Tierschützer, der "Peta-Leute". Die Jagdgegner würden jetzt sagen: Das darf man nicht machen, dass der Hund den Fuchs totbeißt. 

Für Heller bleibt die Jagd trotzdem etwas Natürliches. "Der eine jagt dem Geld nach, der andere den Frauen, der Dritte jagt sich selbst, Workaholics", sagt Heller. Das liege wohl in der Natur des Menschen. Und das Töten? "Es ist nicht immer leicht, aber es gehört dazu."


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18 Kommentare verfügbar

  • Ernst Hallmackeneder
    am 02.12.2014
    Alles zur redlichen und manneszüchtigen Jagd unter:

    http://jaegerblog.wordpress.com/
  • Peter S.
    am 02.12.2014
    Hallo Herr Wunderlich,
    ich entnehme Ihrer Äusserung, dass Sie anderer Meinung sind als z.B. der von mir zitierte DJV. Würden Sie bitte das mit dem "unwissenschaftlichen und unqualifizierten Propagandabblödsinn" belegen? Die schlichte Behauptung, dass sich in der Natur die Population selbst regelt greift deutlich zu kurz. Wir haben in Deutschland kaum noch "Natur", da wir fast alle Flächen nutzen (Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Biospritwahnsinn etc). Unter den Jägern welche ich kenne, befinden sich übrigens viele, welche sich in der Freizeit oder beruflich mit Ökosystemen (Tier und Pflanzen) beschäftigen. Wer allerdings jedem Jäger "Mordgier" unterstellt und dabei ignoriert, dass Jagd seit Menschengedenken und nicht nur in Deutschland, ein Recht am Grund und Boden ist, der hat natürlich sein Feindbild schon fertig gebaut.
    Viel Spass beim Aldi, Metzger oder Restaurantbesuch. Aber fragen Sie dort sicherheitshalber nach, wie und woher denn das Fleisch kommt.
  • M.Sc. / Dipl.-Geol. Jörn-Michael Wunderlich
    am 02.12.2014
    Diesen unwissenschaftlichen und unqualifizierten Propagandabblödsinn die der Jagdverband hier hinrotzen kann, ist eine Schande! Die Tierpopulationen regeln sich in der Natur selbst. Ich empfehle den Jägern einmal sich mit Ökosystemen zu beschäftigen und nicht ihre Mordgier mit pseudofakten zu rechtfertigen!
  • Peter S.
    am 01.12.2014
    Ergänzend zu den Zahlen von Peter sei noch gesagt, dass in Deutschland ca. 230.000 Rehe, Hirsche und Wildschweine im Jahr 2013 unter die Räder kommen. Mit 20 Toten und 3000 verletzten Autofahrern. Und i.d.R. wird dann (auch nachts) gerne der Jäger gerufen um das evtl. verletzte Tier zu töten und zu entsorgen. Deswegen verteufle ich aber nicht die Autofahrer, sondern begrüsse Projekte, welche Autofahrern und Tieren helfen
    Und mit der von Thomas aufgeführten Meinung "Jäger haben vornehmlich Spaß am Töten von Wildtieren" steht man zwar nicht alleine, aber hat doch eine 14% Minderheitenposition. Siehe auch hier http://www.jagdverband.de/content/image-der-jagd.
    Und stolz auf einen Jagderfolg zu sein ist sicherlich keine Charakterschwäche.
    Sowohl die Familie als auch meine Gäste sind immer angetan, wenn es bei mir Biofleisch aus dem Wald gibt.

    Um keine "Märchen" zu erzählen ist es bezüglich dem angesprochenen Niederwild (mal unter Auerhahn schauen) und auch der Füchse nicht schlecht, wenn man sich etwas umfassender informiert. Und der Fuchs hat nun mal, ebenso wie das Wildschwein, keinen natürlichen Feind. Und ist ein Krankheitsüberträger.
    Die meisten Jäger lassen übrigens den Finger gerade, wenn sie heute einen Hasen sehen. Warum? Der Hase ist, wie andere Tiere auch, schon genug gestraft mit der intensiven Landwirtschaft, welche die Lebensräume für Tiere eng macht.
    Übrigens, wer definiert die Reh-Abschussquote für die Jäger?
    Die Regierung, da sie den Holzertrag im Wald möglichst ohne störende Rehe optimieren will.

    Übrigens Klaus, ich habe mich sehr ausführlich mit Jägern und Biologen zu dem Thema unterhalten. Ehemalige Jäger hab ich leider noch nicht gefunden. Aber den Aufschrei der Förster und Landwirte möchte ich hören, wenn keiner mehr jagen würde und der Bauer seinen Schaden nicht vom Jäger ersetzt bekommt. Wenn Sie natürlich meinen, der Staat sollte die Leistung der ca 350.000 Jäger selber durchführen und dafür natürlich Steuern erheben, so ist das ihr gutes Recht.

    Fred, das mit dem Blei als Gift stimmt. Die Auswirkungen (auf Mensch oder Tier) sind umstritten. Es ist nur deswegen noch so beliebt, weil die schnelle Tötungswirkung stark für seinen Einsatz spricht. s.a. hier http://www.jagdverband.de/node/3300
    Es wird aber vermutlich verschwinden. Ob das für das gejagte Wild gut ist, wird von vielen Jägern bezweifelt.

    Ruth, Ihre Meinung zu den bösen Jägern sei Ihnen unbenommen. Immerhin denken 14% der Menschen so wie Sie. Und Sie haben vollkommen recht, der Jäger ist Jäger um zu jagen und nicht ein primär ein Schütze. Wenn er gewissenhaft ist, geht er auch häufig auf den Schiessstand um bei der Jagd sauber zu treffen. Er macht dafür auch das grüne Abitur das ihn u.a. befähigt, Lebensmittel (Fleisch) in den Verkehr zu bringen. Natürlich inkl. Trichinenprobe beim Schwein.
    Würden Sie mir noch verraten, welche grossen Beutegreifer Sie gegen Fuchs, Reh, Wildschein und Hirsch einsetzen möchten? Meinen Sie wir sollten mal auf den ersten Wolf in BW warten? Oder einen Luchs? Es mag nicht in Ihr Bild von Deutschland passen, aber wir leben hier in einer Art Bauernhof mit untergeordnetem Zoo. Das Wild wird durch den Bauernhof in den Wald verdrängt, oder machts wie die schlauen Sauen und versucht im Biosprit-Maisacker ein paar Monate (auf Kosten des Jägers!) zu leben.

    P.S.: Meiner Meinung gibt es in jeder "Interessengruppe" schwarze und weisse Schafe. Deswegen müssen aber nicht alle in einer Gruppe "schwarz" sein.
  • Tillupp
    am 30.11.2014
    @Peter, 27.11.2014 17:41
    @Grüne mögen einfach keine Jäger, weil diese meistens konservative Wertvorstellungen haben..

    Man kann es auch anders sehen: Jäger mögen keine Grünen, weil die Grünen moderne Wertvorstellungen haben.
  • Ruth
    am 28.11.2014
    Ich behaupte das die überwiegende Zahl der Jäger in Deutschland und anderswo Spaß am töten hat, also gerne Herr über Leben und Tod spielen. Dieser Schluß drängt sich mir auf, wenn man die Argumentation der Jägerschaft in Gebieten verfolgt, in denen (große) Beutegreifer wieder heimisch werden und die Natur beginnt sich wieder selbst zu regulieren und nicht mehr so viele Abschüsse (wenn überhaupt noch) notwendig sind. Da hat man oft das Gefühl großen Kindern ihr Spielzeug wegzunehmen.
    Denn wenn es nur ums schießen ginge gäbe es da ja die Schützenvereine. Geht es um das Naturerlebnis tut`s meines Erachtens auch ein ausgiebiger Spaziergang. Gehts um die Herausforderung Mensch gegen Tier empfehle ich professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
    Ausdrücklich ausnehmen und lobend erwähnen möchte ich hier nochmal die Jäger, die es begrüßen wenn sich (große) Beutegreifer wieder in Ihrem Revier ansiedeln und die evtl. sogar mithelfen - sofern erforderlich - die Bevölkerung oder Landwirte fachkundig aufzuklären!
    Ich bin übrigens keine Vegetarierin - falls sich das jemand fragt. Aber eine große Befürworterin eines konsequent und stark eingeschränkten Fisch- und Fleischverzehrs.
  • Stephan Becker
    am 28.11.2014
    @Klaus
    "Die Jägerargumente und die Märchenerzählungen von dem schnellen Tod der Tiere und der Notwendigkeit der Jagd sind schon lang wiederlegt."

    Diese pauschale Aussage ist nicht richtig. Es kommt auf das Geschoss, das Gewehr, den Trefferort beim Tier und den Jäger an. Dazu ein paar Zitate von der Webseite des Jägers, Physikers und Inhaber einer privaten Firma für Jagdmunition, Lutz Möller (Vorsicht die Bilder sind zum Teil sehr blutig):

    Wundwirkung - Zielwahl [ein Leserbrief eines Medizinstudenten]
    "Ich stimme mit ihren Ausführungen bezüglich der Treffpunktlage in allen Punkten überein. Die Innervation [Ausstattung mit Nervenbahen] des Herzens ist in der Tat sehr gut durch den Sympathikus und Parasympathikus (N. Vagus) vertreten. Die Lunge ist soweit ich weiß auch beim Wild nicht sensibel innerviert (studiere Humanmedizin und weiß deshalb nicht hundertprozentig, ob es beim Wild auch so ist), was auf jeden Fall die Schmerzen für das Wild herabsenkt. Außerdem hat die Eröffnung der Pleurahöhle durch ein Geschoss in den meisten Fällen ein sofortiges Kollabieren der Lungen zur Folge (Pneumothorax), was zum schnellen Tod führt. Überdies laufen große Arterien und Venen unterhalb der Wirbelsäule entlang, sodaß ein extrem schnelles Verbluten die Folge ist und ein Kreislaufzusammenbruch erfolgt. "
    http://lutzmoeller.net/Ballistik/Wundwirkung.php#Zielwahl

    Wundwirkung - Bummeltanten versagen
    Nicht Masse, sondern Geschwindigkeit tötet! Erst das schnelle Geschoss zerstört auch außerhalb seiner eigentlichen Bahn, indem es das Fleisch heftig beschleunigt, zur Seite stößt, überspannt und zerreißt. Erst wenn Jagdgeschosse mit mindestens 550 m/s Geschwindigkeit auf das Ziel treffen, vergrößert sich ein Deformator
    http://lutzmoeller.net/Ballistik/Wundwirkung.php#Bummeltante

    Wie stirbt Wild
    http://lutzmoeller.net/Ballistik/Wundwirkung.php#Wie_stirbt_Wild

    Eventuell ist Waldtierfütterung im Winter mit verantwortlich für die große Zahl an Tieren, aber dafür bin ich kein Experte.
  • Torsten
    am 28.11.2014
    @ Klaus:

    Ja, Jagd im Wortsinne findet im Kanton Genf nicht mehr statt, wohl aber "Wildtiermanagement". Jagd-Fakten fasst zusammen:
    " Staatlich bezahlte Wildhüter aber auch "genehmigte Private" haben von 1974 bis heute mehr als 31.000 diverse Vögel – Wildtauben, Enten, Stare, Rabenvögel und sogar Reiher – sowie tausende Säugetiere – Kaninchen, Hasen, Wildschweine, räudige Füchse, und in den letzten Jahren auch Rehe – abgeschossen.

    Im Jahr 2012 haben Landwirte eine Petition eingereicht, die nichts weniger als die offizielle Rückkehr der Hirschjagd verlangt. Hierzu muss erwähnt werden, dass Landwirte schon 2002 dem Genfer Kantonalrat eine Petition für die Wiedereinführung der Jagd eingereicht hatten, da sie mit der staatlichen Handhabung von "Wildschäden" äußerst unzufrieden waren. Hier ging es um Naturschutz.

    Vergleicht man die Zahl der erlegten Tiere aus dem urbanen Genf mit dem angrenzenden, zehn mal größeren ländlichen Kanton Vaud, wird deutlich: In Genf werden sogar mehr Stare, Krähenvögel, Wildtauben und Wildschweine geschossen. Das ist intensivste Jagd, die nur nicht so heißt und eben durch Steuergelder finanziert wird. "

    Dieses Argument ist also keines.
  • Metallkopf
    am 28.11.2014
    Das Jagdverbot in Genf existiert nur dem Namen nach und für "private" Jäger. Staatliche Jagdaufseher schießen dort weiterhin - gezwungenermaßen. Es ist also weder so, dass dort keine Tiere mehr geschossen würden, noch so, dass die öffentliche Hand dort Kosten spart. Das Gegenteil ist der Fall!
  • Fred
    am 28.11.2014
    Daß Bleimunition verboten wird, das ist auf alle Fälle ein klarer und überfälliger Fortschritt! Das sollte mehr herausgehoben werden.
    Blei ist ein Umweltgift, und das per Munition überall im Wald zu verteilen ist unnötige Vergiftung der Umwelt.
    Das merken vorallem Tiere, die in der Umwelt auch die wichtige Aufgabe des Aas wegputzens übernehmen.
    Denn die Schusskanäle werden wegen der Giftigkeit des Bleis ausgeschnitten, und doch auch mal im Wald zurückgelassen.
    Wer wissen will, wozu das führt, der kann in der Suchmaschine seiner Wahl, oder bei Youtube nach "Adler Bleivergiftung" suchen.
  • Klaus
    am 27.11.2014
    Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich die Bürger und auch die sogenannten Journalisten von der Jägerlobby und den Jägern selbst um den Finger wickeln lassen. Wer sich einmal intensiv mit dem Thema Jagd aus Sicht der entsprechenden Biologen und auch von Jägern die das Thema wesentlich differenzierter sehen befasst, wird hier eine Menge Argumente finden, die die allgemeine "platte" Logik der Jägerschaft in Frage stellt.
    Am besten sind die Berichte der ehemaligen Jäger. Ich kann nur empfehlen, bevor so ein Bericht ohne echte Hintergrundinformation gebracht wird , sich doch einmal auch andere Argumente zu prüfen. Die Jägerargumente und die Märchenerzählungen von dem schnellen Tod der Tiere und der Notwendigkeit der Jagd sind schon lang wiederlegt. Siehe hierzu das Beispiel des Kanton Genf. Dort wird seit 40 Jahren nicht mehr gejagd. Man könnte ganze Bücher über den Unsinn der Jagd und die entsprechenden Jagdgesetzgebung schreiben. Wer sich informieren will findet dazu im Netz und in der Literatur genug differenzierte ausgewogenes Material.
  • Thomas
    am 27.11.2014
    Jäger haben vornehmlich Spaß am Töten von Wildtieren - wer das bezweifelt, sollte einmal in die Jagdforen von Wild und Hund, "landlive", etc. schauen, wo Hunderte Jäger auf Fotos stolz mit ihrer blutigen Beute posieren.

    Die Mär von der "Notwendigkeit" der Jagd ist letztlich ein Feigenblatt, hinter denen sich ganz andere Motive für die Jägerei verbergen. Dass solche Alibibehauptungen – von der vermeintlichen Sorge um das Niederwild (das wiederum gerne vom Jäger selbst geschossen wird) bis hin zu einer angeblichen Überpopulation von Füchsen aus wissenschaftlicher Sicht völliger Unfug sind, scheint Jäger und Jagdfunktionäre dabei wenig zu stören.

    Ausführliche Informationen und Hintergründe zu Füchsen und Fuchsjagd gibt’s auf diversen Internetseiten, z.B. www.fuechse.info oder www.wildtierschutz-deutschland.de.
  • Peter
    am 27.11.2014
    Die Jagd ist an sich vernünftig und notwendig. In Deutschland werden pro Jahr ca. 1 Mio Rehe und 500.000 Wildschweine erlegt. Man darf sich vorstellen was in unserer Landschaft los wäre, wenn das nicht geschehen würde.

    Grüne mögen einfach keine Jäger, weil diese meistens konservative Wertvorstellungen haben und nur darum geht's bei der Verschärfung des Jagdgesetzes.
  • Peter S.
    am 27.11.2014
    Hallo Ruth, natürlich habe ich keine erschöpfende Abhandlung über meine Ansicht zum Thema Jagd hier geschrieben und ja, der homo sapiens hat auch gesammelt. Damit alleine wäre er aber eher verhungert und so war (und ist bei einigen Völkern heute noch) die erfolgreiche Jagd für die Ernährung wichtig. Früher haben die Bauern auch noch selber geschlachtet. War auch kein Widerspruch zur Aufzucht der Tiere. So ähnlich sehe ich das auch für den Beruf Tierarzt. Der soll (u.a.) dafür sorgen, dass Tiere gesund bleiben. Auch wenn sie später mal geschlachtet werden. Es gibt übrigens auch viele Bauern die jagen. Ob jemand sich in der Freizeit noch für die von Ihnen angesprochenen Punkte einsetzt ist jedem selber überlassen.

    Zu Ihrer Frage wer sich Wildfleisch leisten kann? Jeder der bereit ist 10-15 € /kg für ein Wildschwein bzw Reh zu bezahlen. Direkt beim Jäger Ihres Vertrauens. Einfach mal fragen.
  • Ruth
    am 27.11.2014
    Hallo Peter S.,
    für meinen Geschmack werfen sie mit Blick auf das Thema "Jäger und Tierarzt - wie passt das zusammen?" ein bisschen viel in einen Topf. Sie führen ins Feld: Massentierhaltung, das Leid von Schlachttieren, Landwirte, Metzger, Fleischindustrie und deren Arbeiter, die viele Arbeit eines Jägers (z.B. das "ansitzen"), Homo Sapiens war Jäger (haben Sie da nicht "Sammler" vergessen?).
    Dieses "Feuerwerk" von angedeuteten Argumenten und Rechtfertigungen schafft für mich mehr Verwirrung anstatt es die obige Fragestellung erklärt. Herr Heller tut sich ähnlich schwer bei dem Versuch Tierarzt und Jäger zusammen zu bringen er sagt sinngemäß "Als Nutztierarzt (man beachte die Einschränkung - Nutztierarzt, nicht Tierarzt!!) hege und pflege er die Tiere doch auch, damit sie später geschlachtet werden könnten." Auf die Idee sich gegen die Tierquälerei von Massentierhaltung einzusetzen kommt er wohl nicht. Er als Tierazt nimmt die Massentierhaltung als Argument dafür sein tötliches Hobby zu verteidigen. Für mich eine sehr verquere, für Ihn wohl schlüssige Argumentation. Allein dieser Einstellung wegen wollte ich meinen Hamster Herrn Heller nicht überlassen (und das zielt nicht auf seine Qualifikation sondern auf seine verquere Einstellung)!

    Ohne sentimental zu sein halte ich persönlich die Kombination Tierarzt und ein Engagement im Tierschutz für nachvollziehbarer. Ähnlich wie Arzt und ein Engagement bei Ärzte ohne Grenzen.
    Herrn Heller

    Ich gebe Ihnen Peter S. natürlich Recht, dass das Töten bei der Jagd i.d.R. nicht zu vergleichen ist mit dem entsetzlichen Leid von Mastvieh in der Massentierhaltung. Doch wie viele Menschen in Deutschland leben von frisch erlegtem Wild bzw. wie viele menschen können sich das leisten in unserer gesellschaft heute?
    Sinn und Unsinn der Jagd ansich, sowie die Einstellungen/Beweggründe vieler Jäger ist ein anderes Thema.
  • Manuela
    am 26.11.2014
    @Ruth: solche Kommentare sind nicht wirklich gut durchdacht....Peter hat völlig recht und ich esse lieber ein Schwein oder ein Reh, das sein Leben lang im Wald frei rum rennen durfte, als ein Schwein aus dem Discounter - wobei... da hat man keinen Sündenbock, dem man vorwerfen kann, dass er Herr über Leben und Tod spielt. Die Sau im Wald steht dann auch bereitwillig hin und wartet, wenn dem Jäger gerade danach ist, den großen Herren zu spielen...... Vielleicht erst denken - dann schreiben
  • Peter S.
    am 26.11.2014
    Hallo Ruth, ist das nicht etwas polemisch? Nur weil jemand Jäger ist, wird er mal schnell mit " Herr über Leben und Tod spielen" bezeichnet. Und wenn sie ein 800 ha Revier gepachtet haben und alle Aufgaben darin erledigen müssen, dann ist das nicht ein "spielen" sondern enorm viel Arbeit. Und hat auch nichts mit "wenn einem grad danach ist" zu tun. Selbst wenn sie etwas für die Kühltruhe jagen wollen, sind häufig viele Stunden vergebliche Wartezeit inklusive. Der Schlachthof ist die billigere aber nicht tiergerechte Alternative. Wie bezeichnen Sie die Menschen, welche in der klassischen Fleischproduktion arbeiten? Den Bauer, den Schlachter, den Metzger? Und den Fleischdiscounter? Was glauben Sie unter welchen Bedingungen diese Tiere aufwachsen und den Weg bis sie in der Kühltruhe landen?
    Übrigens ist der Homo Sapiens 10tausende von Jahren als Jäger aufgewachsen. Und mit den heutigen Präzisionsgewehren ist es wesentlich tiergerechter zu jagen als früher mit Pfeil+Bogen. Im besten Fall hört das Reh nicht mal den Schuss.
  • Ruth
    am 26.11.2014
    "Töten ist nicht immer leicht" - aber einer muss es ja schließlich machen, gell Herr Heller. Und wenn man dann ab und zu noch Herr über Leben und Tod spielen darf (wenn einem grad danach ist), was will man mehr?

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