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Fasching statt Bashing

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Volksvertreter sind immer ein bisschen intelligenter als ihre Wähler. Dümmer als ihre Wähler können sie gar nicht sein, denn egal wie dumm ein Parlamentarier ist – die Tatsache, dass die Wähler für ihn gestimmt haben, beweist, dass seine Wähler eben noch ein bisschen dümmer sind als er.

Damit soll nicht das niederträchtige Wahlergebnis aus Hannover kommentiert werden. Auch die Zitierkunst unserer schwäbischen Schwester Annette Schavan ist nicht gemeint – keiner will ihr ans Leder. Der Text über die Volksvertreter (der Kolumnist ist ja selbst einer!) stammt in etwa von Sir Bertrand Arthur William Russell. Die Lesenden können ja – wie bei Annette – selbst herausfinden, was Zitat und was Eigenleistung ist. Freilich – die Volksvertreter stehen eh in einem schlechten Ruf. Warum also überall das öffentliche Bashing? Reicht es denn nicht, dass uns die Ureinwohner Berlins madig machen, nur weil wir ihre Immobilien auf Vordermann bringen? Muss jetzt auch noch auf dem parlamentarischen System herumgehäckert werden?

Es ist nicht schlimm genug, dass die Abgeordneten noch hinter den Ärzten (korrupte Bande!) und der katholischen Kirche (Sie wissen schon!) rangieren? In Stuttgart empfing Großherzog Winfried Kretschmann 1000 Kulturbürger beim Neujahrsempfang in der Neuen Staatsgalerie. Das hätte es unter der Diktatur von Stefan Mappus nie gegeben, der hätte sie sich gekauft wie der Dirk Notheis den Mappus! Kretschmann verteilte Ökö-Brötle wie Hostien (aß sogar selbst eins!), während zeitgleich im Rathaus 500 Bürgerinnen und Bürger einen selbst organisierten Konvent abhielten, um über Alternativen zur herrschenden Volksvertretung nachzudenken: Kann das Volk weiter gehen als seine Vertreter? Nicht auszudenken, wenn das hätte herauskommen können!

Peter Grohmann.Reden ist Silber, Verschweigen ist Gold, das wusste schon meine Omi Glimbzsch aus Zittau. Sie hätte sich weder über schweigsame Volksvertreter noch über die verschwiegene volkseigene Bahn gewundert, die sich ziert wie eine Jungfrau mit dem ungeborenen Kind. In Sachen Kosten allerdings prusten die Volksvertreter vor Lachen hinter vorgehaltener Hand: Das mit den Mehrkosten, das mit den Bäumen, das mit den Gleisen, das mit der Leistung hätten sie schon immer gewusst.

Nur das mit dem Vertrauen ist ihnen offenbar neu – der Souverän (wir beide) wünscht sich, dass jetzt Hermann der Cherusker aufräumt und der (Informations-)Freiheit Beine macht: Raus mit der Sprache, ran an die Bahn, die Made im Speck der Kosten! Weg mit den Alpen – freie Sicht aufs Mittelmeer!

 

Peter Grohmann ist Kabarettist und Gründer des Bürgerprojekts Die Anstifter.

 


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