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Regierungsbericht

Gut erholt, Herr Bundeskanzler?

Regierungsbericht: Gut erholt, Herr Bundeskanzler?
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Der sommerliche Personalumbau der Bundesregierung betrifft auch Kontext: Unser Kolumnist Cornelius W. M. Oettle wurde in den Beraterstab von Friedrich Merz berufen, um den Kanzler darüber zu informieren, was dieser im Urlaub verpasst hat. Lesen Sie hier das zu 100 Prozent authentische Protokoll des Gesprächs.

Oettle: Guten Morgen, Chef! Ich hoffe, Sie haben sich gut erholt beim Einlochen am Tegernsee! Und auch das Golfen war hoffentlich schön, haha! 

Merz schaut irritiert.

Oh Mann, peinlicher Männerwitz, Entschuldigung. Ich fand den auch blöd, aber Carsten Linnemann hatte mir gesagt, ich solle so einsteigen, Sie würden solche Sprüche mögen. 

Merz hört den Namen Linnemann und gluckst heiter.

Hehe, okay, ähem, dann starten wir das Post-Urlaubs-Briefing wie gewünscht mit Ihrem Herzensthema: Die Blackrock-Aktie hat in der Zeit Ihrer Abwesenheit gut zehn Prozent zugelegt und bewegt sich nahe ihres Allzeithochs. Gute Arbeit!

Merz lehnt sich zufrieden in seinen Bürosessel zurück.

Und damit zu Ihrer Nebentätigkeit als Bundeskanzler. Die Medien wollen ein Problem darin sehen, dass Sie sich vier Wochen lang nicht zu Wort gemeldet haben. "Es ist Dürre, es brennt – doch Friedrich Merz macht Ferien", titelte etwa das "Luxemburger Wort".

Merz zieht eine Augenbraue nach oben und gibt Oettle zu verstehen, dass selbiger sich noch in der Probezeit befindet und nicht dafür bezahlt wird, dem Kanzler schlechte Laune zu bereiten.

Aber, äh, das "Luxemburger Wort" können wir getrost ignorieren, Luxemburger haben in Deutschland ja gottlob kein Wahlrecht!

Merz nickt sanft.

Und überhaupt: Was beschweren sich die Medien bei Ihnen übers Wetter?! Sie haben vielleicht das Talent, die Menschen weinen zu lassen, aber doch nicht die Wolken!

Merz nickt heftig.

Außerdem stand Ihnen nach Ihren gewaltigen Errungenschaften des letzten Jahres selbstredend eine kleine Auszeit zu! Zwar hat Angela Merkel ja mal – 

Merz faucht wie ein Honigdachs, schleudert seinen Stuhl durch die Fensterscheibe, beißt in die Tischkante.

Sorry, mein Fehler, ich meinte: Die, deren Namen nicht genannt werden darf, hat im Jahr 2013 mal gesagt: "Die Bundeskanzlerin erholt sich am sichersten während der Arbeit." Ich weiß nicht genau, was uns das über das mächtigste Amt im Staat sagen soll, aber die alte Uckermärkerin hat gewiss auch nicht so viel geschuftet wie Sie, mein Kanzler. 

Merz beruhigt sich, will sich wieder in den Stuhl setzen, den er in seiner Raserei aus dem Fenster geworfen hat, landet auf dem Hosenboden, lässt sich aber nichts anmerken und lauscht den weiteren Ausführungen im Schneidersitz. 

Neben ein paar Wäldern hat die Hitze leider auch Menschenleben gekostet. Das Robert-Koch-Institut meldet für dieses Jahr bereits 14.000 hitzebedingte Sterbefälle, und da ist der August noch nicht eingerechnet. Der bisherige Höchstwert lag bei 9.000 Hitzetoten im gesamten Jahr 2018. Dass der Kanzler im Urlaub sogar dazu geschwiegen hat, nimmt man Ihnen ganz schön übel. Damit Sie wieder Sympathiepunkte sammeln können, habe ich für Sie eine Rede geschrieben, mit der Sie den klimabesorgten Menschen Mut machen, indem Sie …

Merz senkt den Daumen.

… äh, indem Sie darauf hinweisen, dass viele der Gestorbenen 85 Jahre oder älter waren, was gerade für die junge Generation ein rentenpolitisches Entspannungssignal bedeutet!

Merz hebt den Daumen.

Besonders viele Hitzetote gab es übrigens im Saarland und in Rheinland-Pfalz, …

Merz gähnt.

… was ja ein politischer Glücksfall ist! Rheinland-Pfalz wird regiert von Gordon Schnieder, dem undankbaren Bruder unseres noch undankbareren Ex-Verkehrsministers! Die Hitzetoten schieben wir einfach ihm in die Schuhe!

Merz' Augen leuchten rot wie bei einem Killerroboter.

Und das Saarland wiederum steht unter dem Terror einer SPD-Alleinregierung! Darauf können wir verweisen, wenn die Sozen wieder mit ihrem Hitzeplan und einer "Bundesfeuerwehr" nerven! Am besten wir schicken die Bundeswehr zum Brunnenbauen nach Saarbrücken und Mainz, um im Stile Donald Trumps das Signal zu senden, dass Friedrich Merz trotz der unfähigen Bundeslandgouverneure ganz nah bei den Menschen ist!

Merz bündelt jetzt die Kräfte des Feuers und des Wassers, ein Wirbelsturm aus Flammen und Eiskristallen rotiert um seinen Körper, er schwebt einen halben Meter über dem Boden.

Der Bundeszwang nach Artikel 37 des Grundgesetzes erlaubt es Ihnen, die Staatsgewalt in Bundesländern zu übernehmen, die ihren Pflichten nicht nachkommen. So könnten wir schon mal erste Erfahrungen damit sammeln, im Osten müssen wir den Bundeszwang sowieso bald anwenden.

Merz fischt ein Dokument aus seiner Hose: eine Gehaltserhöhung für Oettle.

Apropos Osten: Da war noch ein Drohnenanschlag am Leipziger Flughafen. Ist aber nichts passiert, können Sie wieder vergessen. Ansonsten läuft an der Ostflanke alles nach Plan: Nächste Woche sind Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, da steht die AfD vor der absoluten Mehrheit …

Merz steckt die Gehaltserhöhung wieder weg.

… was gut für uns ist! Der Plan der CDU ist ja, dass die AfD die absolute Mehrheit holt! Deshalb war auch Ihr vierwöchiger "Leckt mich alle am Arsch"-Urlaub so ein brillanter Schachzug!

Merz holt die Gehaltserhöhung wieder heraus.

Sonst müssten wir in Sachsen-Anhalt so ein widernatürliches Bündnis mit der Linkspartei eingehen, das der AfD vermutlich noch mehr Auftrieb verleiht! Machen Sie sich deshalb drei Tage vor der Wahl auf jeden Fall nochmal so richtig unbeliebt, das können Sie ja wie kein Zweiter! Sagen Sie "Ostdeutsche sind deutschsprechende Russen!" oder nennen Sie das Brandenburger Tor ein Denkmal der Schande! 

Merz unterschreibt die Gehaltserhöhung für Oettle.

Ein paar Promis wollen uns allerdings in die Parade fahren: Die Kampagne "Wahre Heimatliebe ist" will eine absolute Mehrheit der AfD verhindern und ruft dazu auf, Parteien der Mitte zu wählen. Angeschlossen haben sich unter anderem Sandra Hüller, Christian Friedel, Anna Schudt und Max Simonischek.

Merz kratzt sich fragend an der Stirn.

Hüller ist eine bekannte Schauspielerin, die anderen drei sagen mir auch nichts. Aber keine Sorge: Wir schaffen das!

Merz verpasst Oettle eine schallende Ohrfeige.

Ach ja, "Wir schaffen das!" soll ich ja auch nicht sagen. Ich meinte: Wir kriegen das hin! Mit Sven Schulze haben wir als Spitzenkandidaten das ausdrucksärmste Bleichgesicht der ganzen Partei aufgestellt – und das will was heißen, Sie kennen ja Ihre Partei.

Merz schüttelt den Kopf .

Schulze ist einer der drei Ost-CDU-Ministerpräsidenten, die sich gegen Ihre Rentenreform gestellt haben.

Merz hält plötzlich inne, schwarzer Rauch steigt aus seinen Ohren, er starrt Oettle an.

Das haben Sie mitbekommen, oder? Die Rente mit 63 soll beibehalten werden, wenn es nach denen geht. Das hat dann auch gleich ein paar SPD-Heinis auf den Plan gerufen.

Merz blutet aus den Augen.

Die Bevölkerung haben sie jedenfalls schon überzeugt: Laut ZDF-Politbarometer wollen 75 Prozent der Befragten, dass die Rente mit 63 bleibt.

Merz zerreißt die unterschriebene Gehaltserhöhung.

Die Leute wollen sich halt nicht von einem Urlaubskanzler zu längeren Arbeitszeiten verdonnern lassen. Aber wir haben noch einen Plan B: Katherina Reiche arbeitet schon daran, den Klimawandel derartig zu befeuern, dass es bald auch reihenweise Sechzigjährige vor dem Renteneintritt dahinraffen könnte.

Merz bindet sich ein Lätzchen um den Hals.

In derselben Umfrage des ZDF-Politbarometers kommen Sie übrigens auf einen neuen persönlichen Negativwert von minus 1,9. Das ist aber immerhin noch besser als Alice Weidel und auch nur knapp schlechter als Hitler 1945.

Merz streut Salz und Pfeffer auf Oettles Stirn.

Heeee, was machen Sie da?

Merz öffnet seinen Mund auf unnatürliche Weise etwa einen Meter weit, gewaltige Fangzähne und mehrere Zungen kommen zum Vorschein.

Ach du Sch–

Merz verspeist Oettle mit Haut und Haar.

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