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Verdammt und zugenäht

Verdammt und zugenäht
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Gauck weint. Steinbrück weint. Obama weint. Allerdings nur bei besonderen Anlässen, etwa wenn ihm Daten oder Vertraute abhanden kommen. Den Menschenrechten – Sie wissen schon, was ich meine, oder? – weint keine Sau eine Träne nach. Jetzt weinen auch Thomas de Maizière und Hans-Peter Friedrich.

Der Thomas hatte 2012 vor dem Bundestag Stein und Bein geschworen, dass die Sache mit den Drohnen halb so schlimm sei. Seitdem musste er sich, wie der Grube bei Stuttgart 21, immer wieder noch oben korrigieren: Erst fehlten "etliche Flugkörper", dann nahezu 100, Wochen später plötzlich mehr als hundert und Mitte Juni dann ganz exakt 124. In dieser Woche (so die FAS am 30. 6. 13) kletterte die Zahl auf 137 – nach Adam Riese (CDU) fehlen 13.

Von den verlustig gegangenen Drohnen weiß de Maizière, dass 52 abgestürzt sind. 50 hatten einen Unfall (häää?) und landeten auf dem Wertmüll. 35 werden "vermisst". Ich nehme stark an, daß diese 37 dem Feind in die Hände gefallen sind – dem Iren, dem Tommy, dem Ami. Und wie? Entweder abgefangen oder gentechnisch so manipuliert, dass sie nicht mehr nach Hause zurückfanden und stattdessen in London, Dublin oder Arlington landeten. Wer bis zum Hals in Scheiße steckt, sollte den Kopf nicht hängen lassen, tät da meine Omi Glimbzsch aus Zittau sagen.

Warum Hans-Peter Friedrich weint? Aus Enttäuschung über die Undankbarkeit der Welt im Allgemeinen und die der Asylbewerber im Besonderen. Denn der Bundesregierung ist es nicht gelungen, unser Land vor der Asylantenflut zu schützen. Wir sehen: Der gemeine Flüchtling lässt sich weder durch Stacheldraht noch durch kaputte Paddelboote vom Weg ins gelobte Land abbringen. Pest und Cholera in griechischen Lagern kümmern ihn so wenig wie die Hardliner der europäischen Grenzschutzagentur Frontex oder die NSU. Der Flüchtling, nichts auf dem Leib als die Menschenwürde, landet in deutschen Lagern, wird gewaschen, gemessen, gewogen, gefragt und mit einem Lebensmittelpaket gefüttert. Er muss in Reichweite bleiben, darf seinen Landkreis nicht verlassen, darf nicht betteln, nicht schwarzfahren und nicht arbeiten.

Er hat zwei Krücken. Die eine ist das Grundrecht auf Asyl. Die andere der Artikel 13, die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte: Jeder hat das Recht, sich innerhalb eines Staates frei zu bewegen und seinen Aufenthaltsort frei zu wählen.

Wenn die Krücken nichts helfen, kann sich der Flüchtling den Mund zunähen, um gehört zu werden, so geschehen in Nürnberg, oder er kann in den Hungerstreik treten – den Tod vor Augen und die Polizei. Die kann Leben retten, aber keine Grundrechte.

 

Peter Grohmann ist Kabarettist und Gründer des Bürgerprojekts Die Anstifter.


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