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Fragen gesucht

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Amerika sucht Antworten, ich suche die Fragen dazu. Die Videoüberwachung in den USA funktioniert ja perfekt, wie eben erst der waffentragenden Welt bewiesen wurde.

Man muss freilich einräumen, dass der Handel mit Schusswaffen noch perfekter funktioniert – die Videotechnik hinkt der Waffentechnik erheblich hinterher, und notfalls setzt der gemeine Kriminelle in Boston ohne Rücksicht auf Verluste das gesamte Videosystem seiner Stadt mit einer gezielten Salve aus seiner Maschinenpistole außer Gefecht. Das ist der Grundwiderspruch, auf den schon Karl Marx wieder und wieder meine Omi Glimbzsch in Zittau aufmerksam machte. Sie hat verstanden.

Nur Hans-Peter hat's nicht kapiert, das mit dem Grundwiderspruch. Unser aller Friedrich, Vater des Bundestrojaners, höre, Friedrich, auch wenn du es längst weißt: Der Trojaner ist ein Nachladegerät, vergleichbar dem amerikanischen Sturmgewehr AR 15, aber nicht zu verwechseln mit der bei Waffenfreaks ebenso beliebten Kalaschnikow, bei der die Schüsse gelegentlich nach hinten losgehen. In den mit uns befreundeten Staaten wollte ein Baptistenpfarrer seinen Teenagern so ein Sturmgewehr schenken, quasi zur Jugendweihe oder so, aber die mussten nach Protesten der Friedensapostel die Finger von der Waffe lassen, was zu wahren Tränenströmen führte. Den Kindern den Spaß verderben – aber so sind sie!

Erfolgreicher war da eine Geldautomaten-Firma in Florida, die ihren Neukunden einen Gutschein für ebendieses Sturmgewehr überreichte. Ob das letztlich dazu führt, dass der Kunde im Falle seiner Insolvenz die Waffe einsetzt, ist eine offene Frage. Das Verschenken qualitativ guter Waffen ist in den Staaten fast so beliebt wie eine Schießübung im Hinterhof der Nation. In Missouri gab's beim Kauf eines Trucks als Give-away der Extraklasse auch ein Sturmgewehr – keine Frage allerdings, dass man mit einem Truck schneller abhauen kann als zu Fuß, wenn's mal zum Äußersten komm. Und wer kauft schon einen Truck, bloß weil er eine AR 15 braucht.

Peter Grohmann.Aber zurück zum Innenminister, unserem Bundestrojaner, obersten Verfassungsverhüterli und früheren Hooligan der Jungen Union. Friedrich befürchtet, dass der Islam in Wirklichkeit nicht zu Deutschland gehört und ebendeshalb der besonderen Fürsorge durch Überwachung bedarf, damit er terroristisch nicht fremdgeht. Zu seinen Folterinstrumenten gehört die komplette Aufhebung der Intimität im Internet, die Machtkonzentration durch kluge Schachzüge zwischen Polizei, Geheimdiensten aller Couleur und Militär und der Bau großer Speicher für quasi sämtliche Daten aller Menschen – mit Ausnahme jener, die in der Zwickauer Zelle sitzen. Die wurden nicht gespeichert.

 

Peter Grohmann ist Kabarettist und Gründer des Bürgerprojekts Die Anstifter.

 


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