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Überraschung auf Social Media

Magda und Werner lieben den Adel

Überraschung auf Social Media: Magda und Werner lieben den Adel
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Ein Kontext-Artikel über politische Einflussnahme der oberschwäbischen Adelshäuser hat erstaunliche Reaktionen hervorgerufen. Manche stellen Enteignung zur Diskussion, andere lassen kein schlechtes Wort auf das Blaue Blut kommen.

Vergangene Woche, in Kontext-Ausgabe 771, berichtete Josef-Otto Freudenreich darüber, wie ein Biosphärengebiet in Oberschwaben scheiterte. Damit ist ein Projekt beerdigt, das eigentlich im Koalitionsvertrag der grün-schwarzen Landesregierung steht und biologische Vielfalt schützen sollte. Aber dieses "planwirtschaftliche Hirngespinst" hätte unter anderem beim 35-jährigen Ludwig von Waldburg die Bereitschaft gesenkt, eine zweistellige Millionensumme in seinen Golfplatz Hopfenweiler zu investieren, wie der Jungunternehmer der Politik zu verstehen gab. Und er ist nicht der einzige mit einer adeligen Ahnenlinie, der seine Geschäftsinteressen in der Region bedroht sah.

Ausgabe 771 vom 07.01.2025

Der Adel lässt die Muskeln spielen

Von Josef-Otto Freudenreich

Ein Biosphärengebiet in Oberschwaben hätte die dortigen Adelshäuser gestört. Bei der Jagd nach dem Profit und in ihrem Selbstverständnis. Ihre Kampagne gegen das Ökoprojekt war erfolgreich und eine Demonstration ihrer Macht. Der Anführer sitzt auf Schloss Zeil.

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Angeführt von Erich von Waldburg-Zeil – geschätztes Vermögen: 650 Millionen Euro – formierte sich eine Allianz gegen, wie sie es nennen, ideologische Bevormundung. Aktiv im Kampf gegen das Biosphärengebiet ist auch der PR-Mann Marcus Johst, der sich selbst als "medialen Auftragskiller" bezeichnet, und auf einem Blog gegen Befürworter gehetzt hat. Er halte wenig von diesem "ökosozialen Swingerclub", erklärt er im Interview mit der "Schwäbischen Zeitung", deren Verleger Erich von Waldburg-Zeil ist.

Der Bericht hat einige Reaktionen hervorgerufen. Mehrere Zuschriften gab es zum Thema Adelstitel. "Mit Ihrer Wortwahl im Artikel nehmen Sie die Gepflogenheiten dieser Familien, die im Feudalismus zur Schicht des Adels gehörten, teilweise aufs Korn, nutzen jedoch in den beschreibenden Abschnitten meines Erachtens überkommene Bezeichnungen", heißt es in der Zuschrift einer Psychologin. Zutreffend ist der Hinweis, dass die Privilegien des Adels hierzulande seit 1919 formal nicht mehr existieren und es sich bei entsprechenden Selbstbezeichnungen daher nicht um Titel von Relevanz, sondern nur noch um Namen handelt. "Herr Erich von Waldburg-Zeil ist genauso wenig 'Fürst', wie beispielsweise der Herr von Württemberg 'Herzog' ist, oder der Herr von Hohenzollern 'Fürst', oder die Herren von Königsegg-Aulendorf 'Graf' oder 'Erbgraf'."

Aus dem Gleichheitsgrundsatz in Artikel 3 des Grundgesetzes ergibt sich, dass es kein Recht auf einen Unterschied in der Anrede zwischen ehemaligen Adeligen und anderen Bürger:innen geben kann. Daher gibt es für vermeintliche Fürsten und Grafen keinerlei Anspruch auf Besonderheiten in der Anrede und im Schriftverkehr. In amtlichen Dokumenten können frühere Adelstitel wie Fürst zwar als (rechtlich irrelevanter) Bestandteil des Familiennamens geführt werden. Aber Erich von Waldburg-Zeil wurde offiziell geboren unter dem Namen Maria Erich Wunibald Aloysius Georg Graf von Waldburg zu Zeil und Trauchburg. Dass er seit dem Tod seines Vaters 2015 als "Erich Fürst von Waldburg zu Zeil und Trauchburg" auftritt, ist ein reiner Fantasiename, vergleichbar mit Graf Rotz. 

Volle Zustimmung!

Laut Gesetz sind alle gleich. Aber "Fürst" Erich von Waldburg-Zeil ist faktisch gleicher. Zumindest erscheint der Verdacht nicht völlig unbegründet, dass er seine Interessen leichter durchsetzen kann, als die Nachfahren vom Armen Konrad. Ein Umstand, der für Diskussionen sorgt. Die meisten Kommentare gab es auf unserem Instagram-Kanal, über 160. Besonders eifrig debattieren Werner und Magda mit: zwei neue Profile ohne Follower, die noch nie einen Beitrag gepostet haben und sich in sage und schreibe 45 Kommentaren gegenseitig bekräftigen.

Die beiden scheint eine tiefe Seelenverwandtschaft zu verbinden, denn nicht nur sind alle ihre Einschätzungen identisch, auch die Ausdrucksweise ähnelt sich. "Das pauschale Adel-Bashing zieht hier in der Region schlicht nicht", betont Werner. "Auch das pauschale Adel Bashing greift hier nicht", stellt Magda klar. "Volle Zustimmung" von Werner: "Dieser Text ist kein Journalismus, sondern Aktivismus mit Fußnoten." Das überzeugt Magda: "Volle Zustimmung. Was hier als Berichterstattung verkauft wird, ist zunehmend Meinungskampagne mit Feindbildpflege."

Aus diesen Wortbeiträgen geht hervor, dass der Wurmfortsatz des oberschwäbischen Adels noch ein paar treue Untertanen hat. Für Werner ist es "ein echter Lichtblick, dass es noch Menschen gibt, die sich wirklich für diese Region einsetzen. Der Adel steht hier nicht für Machtspielchen, sondern für Bodenhaftung, Verantwortung und Schutz der Heimat vor ideologischer Bevormundung." Magda sekundiert: "Ja, es gibt Interesse am Adel, das ist aber überwiegend positiv und kulturell historisch geprägt. Niemand hier glaubt ernsthaft, dass Gemeinderäte sich davon politisch steuern lassen. Diese Unterstellung ist realitätsfern und gegenüber ehrenamtlichen Mandatsträgern schlicht respektlos."

Magda, die in fast jedem Kommentar über die Grünen herzieht, legt Wert auf ein respektvolles Miteinander: "Als jemand, der den Grünen nahesteht, muss ich offen sagen: Wir haben es hier überzogen." Der Ton, der in den letzten Tagen angeschlagen wurde, sei "beschämend, dieser Artikel eingeschlossen. Er war unsachlich, polarisierend und hat Menschen vor den Kopf gestoßen, die diese Region seit Generationen tragen. Dafür möchte ich mich ausdrücklich entschuldigen." Schreibt mit der tiefsten Verehrung eurer Exzellenz untertänig gehorsamster Diener.

Der größte Alptraum für Magda und Werner sind ökosozialistische Enteignungsfantasien, da pochen sie auf "Akzeptanz für Eigentum, Verantwortung und gewachsene Strukturen". Ins Spiel gebracht hatte die Idee ein anderer Kommentator. Aber vermutlich sind die Sorgen der Stiefellecker unbegründet. Denn trotz klammer Staatskasse hat der sozialdemokratische Finanzminister Lars Klingbeil bislang noch keinen entsprechenden Vorschlag in die politische Debatte eingebracht.

Dabei gab es durchaus Zeiten, in denen die Genossinnen und Genossen solche Maßnahmen für denkbar hielten. Vor genau 100 Jahren, im Juni 1926, gab es einen weitgehend in Vergessenheit geratenen Volksentscheid zur entschädigungslosen Enteignung des Adels. SPD und KPD warben dafür, unterstützt von Prominenten wie Kurt Tucholsky. Am Ende stimmten 14,5 Millionen für und 1,1 Millionen gegen die "Entschädigungslose Fürstenenteignung". Für eine Umsetzung hätte nach der damaligen Rechtslage allerdings eine absolute Mehrheit der knapp 40 Millionen Wahlberechtigten zustimmen müssen.

Wenn in diesem Sommer das runde Jubiläum ansteht, gäbe es schlechtere Themen für Tagesordnungen. Immerhin fußt der Landbesitz des heutigen "Adels" aus Oberschwaben auf den Taten ihres Vorfahren Georg III. Truchsess von Waldburg, besser bekannt als "Bauernjörg": Er hat sich vor ziemlich genau 500 Jahren Hunderttausende Hektar angeeignet, indem er schätzungsweise 70.000 Bauern abschlachten ließ.

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1 Kommentar verfügbar

  • n_koenig
    3 hours ago
    Reply
    Ach so. Der Adel war’s.
    Nicht unklare Zuständigkeiten, nicht neue Bürokratieebenen, nicht ein Ausstieg mit Fragezeichen – nein: Magda, Werner und die Landbevölkerung sind offenbar einfach zu höflich, zu traditionsaffin, zu leicht verführbar. Demokratie als Kostümfest, Widerstand als…
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