Kaum einer will mehr seine Anzeigen drucken: Kopp-Verlag in Rottenburg. Foto: Joachim E. Röttgers

Kaum einer will mehr seine Anzeigen drucken: Kopp-Verlag in Rottenburg. Foto: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 300
Gesellschaft

Kopp auf der Resterampe

Von Anna Hunger
Datum: 28.12.2016
Lange haben der Kopp-Verlag und seine rechte Hetze die überregionale Presse nicht interessiert. Im Jahr 2016 hat sich das geändert. Medien und Unternehmen haben Stellung bezogen gegen die braune Suppe aus Rottenburg.

In Rottenburg sitzen die Verstärker der rechtspopulistischen Szene. Der Kopp-Verlag ist Resonanzboden neurechter Schwingungen und Verbreiter von Angst und Hass gegen Flüchtlinge, vor allem Muslime. Das "Schwäbische Tagblatt" in Tübingen und wir von Kontext waren lange die einzigen, die regelmäßig über Verleger Jochen Kopp, sein Haus, seine Publikationen, seinen Chefschreiber Udo Ulfkotte und seine krude Online-Nachrichtenseite geschrieben haben. Mit dem Aufschwung von AfD und Pegida hat Kopp auch über Baden-Württemberg hinaus Aufmerksamkeit erregt. Je mehr Medien vor ihm warnen, je mehr Journalistinnen und Journalisten daran arbeiten, diesen Verlag zu enttarnen und ihm den Anstrich des Normalen zu nehmen, desto besser. 

Ende 2015 strahlte das "ZDF" mit "Frontal 21" einen ersten ausführlicheren Bericht über den Verlag und seine miesen Mitstreiter, wie beispielsweise Jürgen Elsässers "Compact", aus. "Das Erste" zog mit einer Folge von "Titel, Thesen, Temperamente" nach, "NDR Extra 3" war – wie wir von Kontext – beim Kopp-Kongress in Stuttgart. "Spiegel Online" hat berichtet, ebenso Stefan Niggemeiers Blog "Übermedien". "Report Mainz" hat aufgedeckt, dass Firmen und Bundesbehörden über Dienstleister auf rechtspopulistischen Seiten wie dem Kopp-Verlag für sich werben. Die "Neue Osnabrücker Zeitung" hat über Kopp geschrieben, die "Landesschau" des "SWR" hat einen Bericht gebracht, die "Augsburger Allgemeine" schrieb über Proteste gegen einen weiteren Kopp-Kongress in ihrer Stadt und bebilderte den Text mit einem Foto der Fans des FC Augsburg, die im Stadion Transparente hochhielten: "Kopp Verlag Lügenpresse! Für euch und andere rechte Invasoren kein Bleiberecht in unserer Stadt." Erst kürzlich recherchierte das "Schwäbische Tagblatt", dass ausgerechnet der Kalender des Rottenburger Lions-Club vom Kopp-Verlag mitfinanziert wird.

Im Februar dieses Jahres haben wir in Kontext darüber berichtet, dass die Deutsche Bahn Plakatwerbung an Bahnhöfen und Haltestellen einstellte, nachdem Twitterer Kopp-Plakate an Haltestellen fotografiert und ihre Tweets an die Bahn adressiert hatten. Im Online-Forum "Gelbes Forum" schreibt Ulfkotte am 24.11.2016: "Vor zwei Jahren durften wir in ganz Deutschland für 'Gekaufte Journalisten' noch an Bahnhöfen und Flughäfen plakatieren... inzwischen ist das VERBOTEN !!! (...) ... man nennt das 'Pressefreiheit' und 'Meinungsfreiheit' im Lande unserer geliebten Führerin ... Deutschland 2016..." 

Im selben Thread, berichtet das "Schwäbische Tagblatt" am 3. Dezember, ersucht Ulfkotte um Hilfe. "Publikationen in Massenauflage" würden seine Anzeigen nicht mehr drucken, jammert er, "selbst wenn ich Millionen Euro für eine Werbeanzeige bieten würde." Zuletzt habe ihm die Redaktion des "Handelsblatt" durch ihr Veto einen Anzeigenplatz versaut. Wenn Anzeigen in Zeitungen abgelehnt und Werbeplakate nicht mehr aufgehängt würden, will ein Forist namens Querdenker helfen, solle "Udo" doch Anhänger mit Plakathaltern aufstellen. "Schon probiert", schreibt Ulfkotte zurück. "Die sind nach 24 Stunden komplett zerstört... Antifa..."

Haltung und gute Recherche können doch etwas bewirken. Das macht Mut. Und ein bisschen stolz. Deshalb: Einen Dank an alle KollegInnen und Beteiligte für ihren Einsatz im Sinne einer bunten, toleranten Gesellschaft und gegen Rechts!



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