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Heute: alles dabei

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Diese Ausgabe haben wir zu einem Teil solchen gewidmet, die die Welt ein Stückchen besser machen wollen, die aber keiner wirklich kennt. Lauter Unbekannte.

Es war ein kleiner, kurzer Aufschrei, ein politischer Streik wohlgemerkt, der einzige gegen das aufkeimende NS-Regime. 800 Männer und Frauen gingen im baden-württembergischen Mössingen am 31. Januar 1933 auf die Straße, weil Reichspräsident Hindenburg tags zuvor Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt hatte. "Die Trommler des Widerstands" sind ein Stück Protestgeschichte aus Baden-Württemberg, das viel zu selten erzählt wird und über das man bundesweit kaum etwas weiß.

Gleichfalls verschleiert, wenn auch auf andere Art, ist die Arbeit des Kaufhaus-Konglomerats ECE, das sich selbst als "positiven Impulsgeber für Innenstädte" bezeichnet und in Deutschland 185 Kaufhaus-Malls betreibt. Was ist das für eine Firma, die sich mit den Jahrzehnten ein großes Stück des konzertierten Shopping-Erlebnisses gebucht hat? Wer steckt hinter dem Prinzip Shoppen ohne Ende, diesem Riesenkonzern, der hinter dem Stuttgarter Hauptbahnhof den größten Konsumtempel der Stadt baut? Übrigens unabhängig davon, ob Stuttgart 21 je realisiert wird.

Für Angela Merkel wäre das Aus ihres "Zukunftsprojekts" in Stuttgart eine schlimme Pleite. Bei all den missratenen Großprojekten ist die Kanzlerin "umso froher, dass ich zurzeit Wahlkampf in einem Land (Niedersachsen) mache, das immerhin einen hochseetauglichen Tiefseewasserhafen für Containerschiffe in Wilhelmshaven zustande gebracht hat", sagte sie kürzlich vor 2400 baden-württembergischen Wirtschaftsvertretern. Immerhin.

Als die Kanzlerin vor ein paar Monaten in Athen war, war auch Bernd Riexinger da. Angela Merkel promotete den Sparkurs, Riexinger stand auf der anderen Seite, auf der der Arbeiter und der vielen Arbeitslosen. Im vergangenen Jahr wurde der Stuttgarter zum Bundesvorsitzenden der Linken gewählt, während sich die beiden Parteigockel Lafontaine und Gysi öffentlich zerfleischten. Riexi, wie ihn Freunde nennen, ist angetreten, um die Wogen zu glätten. Dabei kennt ihn bisher kaum einer. Ist er wirklich nur der "städtisch geprägte Demolinke"? Oder ein Hardliner? Oder ist er nur ein Idealist, der findet, in Berlin ist die Möglichkeit zur Weltverbesserung eher gegeben als in Stuttgart? Eines wissen wir jedenfalls sicher: Er kocht vorzüglich.

Nicht weit vom Karl-Liebknecht-Haus, im Berliner Bundestag, möchte demnächst auch Franziska Brantner die Welt ein kleines Stückchen besser machen. Die Frau des Tübinger OBs Boris Palmer sitzt derzeit für die Grünen im EU-Parlament. Aber da könne man nicht so viel bewegen wie in Berlin, meint sie. Die Karrierefrau will am liebsten mit den ganz großen Fischen schwimmen.

In der neuen Folge des "Ökodiktators" macht sich derselbe gemeinsam mit Booris, Winne, Drrnils und dem Fritzle Gedanken ums Aussteigen. Am Vierertischle in der Eisenbahn. Ganz schwäbisch platzsparend.

 


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