Wenn Milliarden für Rüstung ausgegeben werden, aber kein Geld für kostenlose Kitas, gute Krankenhäuser oder anständige Renten da ist, dann ruft das Protest hervor. Zum Ostermarsch gingen in diesem Jahr mehrere Zehntausend Menschen in mehr als hundert Städten deutschlandweit auf die Straße. In Stuttgart demonstrierten zwischen 3.000 (Polizeiangaben) und 5.000 (Veranstalter) für Frieden im Iran und im Libanon, in der Ukraine, in Gaza. Weil die aktuelle schwarz-rote Bundesregierung die Wehrpflicht peu à peu wieder in Kraft setzt, kamen zu den Alt-Aktivist:innen auch viele junge Menschen hinzu. Entsprechend waren viele Schilder mit dem gerade sehr populären Spruch "Merz leck Eier" zu sehen. Der findet seit einem Monat Verbreitung, nachdem ein 18-Jähriger ein solches Plakat bei einer Anti-Wehrpflicht-Demo in Berlin hochhielt und die Polizei ihm dieses nicht nur wegnahm, sondern auch ein Verfahren wegen Beleidigung einleitete – da bekommt man doch gleich doppelt Lust, sich fürs Vaterland verheizen zu lassen.
Mehr junge Menschen als sonst: Ostermarsch 2026 in Stuttgart. Foto: Jens Volle
Die jungen Generationen schauen der Zukunft so pessimistisch wie selten entgegen, die labile Weltlage tut ihr Übriges. Wie sich aktuell im Iran und in Israel zeigt, können Kernkraftwerke zu Zielscheiben militärischer Angriffe werden, was das Potenzial für nukleare Katastrophen birgt. Zum 40. Jahrestag des Super-GAUs in Tschernobyl zeigt eine Ausstellung im Stadthaus Ulm Fotografien aus dem havarierten Gebiet, die durchaus als Mahnmal verstanden werden dürfen.
Umso bedrückender, dass immer mehr Konservative Deutschlands Ausstieg aus der Atomkraft rückgängig machen wollen: Ursula von der Leyen, Präsidentin der EU-Kommission, spricht von einem strategischen Fehler, der bayerische Ministerpräsident Markus Söder wirbt für Mini-AKWs und Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sagte jüngst der "Financial Times", Deutschland könne sich entweder noch stärker von ausländischem Gas abhängig machen. "Oder wir können sagen, dass wir wieder Interesse an dieser Technologie [Atomkraft] haben."




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