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Das Comeback der Mutschwaben

Das Comeback der Mutschwaben
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Die FAZ hat Schreckliches festgestellt: "Das Comeback der Wutschwaben." Das Blatt bezieht sich dabei auf den taz/Kontext-Abend im Stuttgarter Theaterhaus, zu dem 1000 Zuhörer kamen. Wo so viel Zulauf ist, kann der Aufstand nicht weit sein, fürchten wohl die Frankfurter. Wir von Kontext sind unbesorgt – wir wollen mehr. Zum Jahrestag des Schwarzen Donnerstags, der von zwei Demonstrationen am Samstag und Sonntag begleitet wird, gibt es deshalb viel.

Die FAZ hat Schreckliches festgestellt: "Das Comeback der Wutschwaben." Das Blatt bezieht sich dabei auf den taz/Kontext-Abend im Stuttgarter Theaterhaus, zu dem 1000 Zuhörer kamen. Wo so viel Zulauf ist, kann der Aufstand nicht weit sein, fürchten wohl die Frankfurter. Wir von Kontext sind unbesorgt – wir wollen mehr. Zum Jahrestag des Schwarzen Donnerstags, der von zwei Demonstrationen am Samstag und Sonntag begleitet wird, gibt es deshalb viel.

Es ist immer wieder ein Vergnügen, die FAZ zu lesen. Man spürt regelrecht die Sorge aus den Zeilen, wenn etwas anders läuft, als im Plan der Bourgeoisie vorgesehen ist. Linksliberal und grün waren die Besucher, das Theaterhaus ein Hort der Alternativkultur, na klar. Die taz, gesegnet mit schwäbischen Genen, also auf jeden Fall revolutionär. Ihre Chefredakteurin Ines Pohl – woher kommt sie? Aus Mutlangen, woher denn sonst? Der Begrüßende, der Autor dieser Zeilen, ist die "publizistische Kultfigur der Stuttgarter Protestbewegung", was sonst? Und alle zählen natürlich zu den S-21-Gegnern, für die nichts wichtiger ist als der Bahnhof beziehungsweise der schwarze Filz. (Wer's gern im unverfälschten O-Ton hat, findet die Veranstaltung bei Flügel-TV.)

Die Bilder in den klugen Köpfen können manchmal sehr schlicht sein. Man könnte auch sagen: nix kapiert. Der Bewusstseinsbildung hätte gedient, an jenem Donnerstag, den 30. September 2010, dabei gewesen zu sein. Mitzuerleben, wie Wasserwerfer friedfertige Menschen aus dem Schlossgarten spritzten und wie danach aus Kastanien Pflastersteine wurden. Es wäre die Empirie, nicht die Ideologie geworden, die Propaganda, die aus Opfern Täter gemacht hat, immer wieder befeuert durch die Version der Politik, die da lautete: selbst schuld.

Das eigene Erleben hätte die Fragen an Stefan Mappus zur Selbstverständlichkeit erklärt: Warum sagen Sie, diese Bilder dürften sich nie wiederholen? Warum sagen Sie nicht, dass Sie für diese Bilder verantwortlich sind? Mit Ihrem "rustikalen Einsatz"? Gut, in der Rückschau kann man sagen, dass Mappus dafür die Quittung erhalten hat, seine CDU abgestraft und eine neue Regierung gewählt wurde. In der Hoffnung, dass Vieles besser werde. Aber ist es das?

Ist der Graben in der Stadt zugeschüttet? Das Vertrauen in die Politik, die Justiz, die Polizei (wieder) vorhanden? Nein, im Falle von S 21 nicht. Das ist fatal, weil es gerade Winfried Kretschmann (Grüne) war, der dafür ein Garant zu sein schien. Ein ehrlicher Sachwalter der Interessen seiner Bürger, die er zu hören versprach. Auf ihn haben sich die Hoffnungen gerichtet, dass er tut, was sein Vorgänger und dessen Regierung nicht tun wollte: aufklären. Ans Licht bringen, wer was an jenem Schwarzen Donnerstag und danach zu verantworten hat, politisch und juristisch. Wenig bis nichts davon ist geschehen. Der stete Verweis auf die SPD, die hartleibige Blockadetruppe, heilt das nicht.

Das hinterlässt, gerade bei seinen Wählern, eine tiefe Enttäuschung und den Eindruck, dass es auch den Grünen nur um das eine geht – den Machterhalt. Das "Comeback der Mutschwaben" ist die Antwort darauf.

Und weil das so ist, hat die Kontext:Wochenzeitung dieses Thema zum Schwerpunkt dieser Ausgabe gemacht. Gedruckt sind die Texte am Samstag in der taz nachzulesen – in einer achtseitigen Sondernummer, die wir am Wochenende verteilen.


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