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Labor Stuttgart

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Sich einmischen ist sexy. Das lernen derzeit die Stuttgarter "Meisterbürger", die wir in der letzten Ausgabe vorgestellt haben. Die "Zeit" will sie jetzt begleiten, der SWR reportieren, und die Stuttgarter Blätter wollen darüber schreiben. Das freut uns.

Sich einmischen ist sexy. Das lernen derzeit die Stuttgarter "Meisterbürger", die wir in der letzten Ausgabe vorgestellt haben. Die "Zeit" will sie jetzt begleiten, der SWR reportieren, und die Stuttgarter Blätter wollen darüber schreiben. Das freut uns.

Mit ihrer Idee haben sie für Furore gesorgt. Die Stuttgarter Meisterbürger wollen die Stuttgarter OB-Wahl nicht den etablierten Parteien überlassen und suchen einen Bürgermeister aus der Mitte des Volkes. Wir von der Kontext:Wochenzeitung berichteten vergangene Woche (Die Meister-Bürger) über diesen Versuch, mehr direkte Demokratie zu wagen, und nun steht bei den Meisterbürgern das Telefon nicht mehr still. Der SWR hat sich angekündigt, und auch die Stuttgarter Blätter wollen über dieses innovative Projekt aus einer selbstbewussten Bürgerschaft berichten. Der Hamburger Wochenzeitung "Zeit" ist die ungewöhnliche Stuttgarter Bürgermeister-Suche sogar eine mehrwöchige journalistische Begleitung wert.

Die Stuttgarter sind längst nicht mehr schwäbisch bescheiden. Sie sind S-21-gestählt und wissen aus Erfahrung, wie man sich fachlich kompetent macht, um mitreden zu können. Sie haben Ideen für die Zukunft ihrer Stadt, die sie politisch umsetzen wollen. Die aufgeweckte Bürgerschaft will nicht länger einmal in fünf oder acht Jahren ihre Stimme abgeben und dann den Mund halten. Die selbstbewussten Bürger sind von Mut- zu Meisterbürgern geworden, die mitbestimmen wollen, wer sie regiert – und das muss kein Promi sein. Dabei wollen sie nicht nur über Personen reden, sondern auch über Inhalte verhandeln. Stuttgart kann zur Demokratie-Hochburg werden. Das Internet kann dabei helfen, gemeinsam mit anderen Neues zu denken und umzusetzen.

Die Initiative Meisterbürger verfolgt das Prinzip der Liquid Democracy, was so viel heißt wie: mehr personelle und inhaltliche Mitbestimmung durch direkte Demokratie. Möglich werden soll das durch eine spezielle Software, wie sie etwa die Stuttgarter Initiative Meisterbürger verwendet. Im Netz kann jeder seinen Kandidaten oder seine Kandidatin vorschlagen. Und wenn er drei Gründe nennt, warum er oder sie für geeignet erachtet wird, ist der Vorschlag im Rennen. Bisher liefen bei den Meisterbürgern 18 OB-Vorschläge ein. Darunter ist der dm-Chef und Verfechter eines Grundeinkommens, Götz Werner, ebenso zu finden wie der Journalist Joe Bauer, der Regisseur Volker Lösch, die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender und – man höre und staune: Wolfgang Schuster.

Stuttgart ist ein großes Labor geworden, in dem Ideen geboren und ausprobiert werden. Die Meisterbürger und ihre Plattform sind eine davon. Wir von der Kontext:Wochenzeitung werden diesen Prozess weiter aufmerksam begleiten.


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1 Kommentar verfügbar

  • peterwmeisel
    am 29.02.2012
    Antworten
    So gefällt mir die Entwicklung! Es wird auch Zeit. Jetzt leuchtet der Stuttgarter Bahnhof weit über den Kesselrand hinaus in die ganze Republik bis in die Residenz-Stadt unseres Hohenzollern Friedrich der Große, Berlin. Dem hatte es auch schon gestunken, dass "Staatsfinanzen ein Quell persönlicher…
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