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Willkommen, Joe Bauer

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Kontext hat einen neuen Kolumnisten. Ach was. Kontext hat einen Mitarbeiter, der nahezu alles kann. Schreiben wie der Teufel. Kämpferische Reden halten. Menschen zusammenbringen und helfen, wenn Not an Mann und Frau ist. Wie jetzt gerade bei den freien KünstlerInnen, die so frei sind, kein Geld zu haben. Begrüßen Sie mit uns: Joe Bauer.

Von seiner Sorte gibt es nicht mehr viele. Er formuliert präzise, keine Schwiemelei. Stuttgart 21 ist und bleibt ein "Stadtzerstörungsprojekt". Er sagt nicht: Haltung zeigen. Das ist zu wenig, es geht ums Tun. Er zitiert dazu gerne Brecht, der sagt, Zorn und Unzufriedenheit genügten nicht, das müsse praktische Folgen haben.

Joe Bauer hat beides, die Tatkraft und den Zorn. Es gibt wahrscheinlich niemanden in der Stadt, der ihn so gut ausdrücken und umsetzen kann. Nur ein Satz anlässlich einer Sitz-Demo im Jahr 2016 auf der Stuttgarter Königstraße: "Wer beschließt, eine Sitzbank abzubauen, um Obdachlose zu vertreiben, hat auf seinem Sesselfurzerplatz im Rathaus den Bezug zur Realität und zum Leben verloren." Und wenn die AfD beschließt, nach nichtdeutschen KünstlerInnen zu fragen, dann stampft der begnadete Netzwerker, dem man das bei all der Bruddelei gar nicht zutrauen würde, in wenigen Tagen eine Kundgebung im Schlossgarten aus dem Boden, die selbst der "New York Times" eine Geschichte wert ist. Geschehen im vergangenen Sommer, an einem Ort, der so viele Wunden geschlagen hat.

Der Schriftsteller Wolfgang Schorlau hat das einmal die "Liebe zu den Menschen" und die "Unbestechlichkeit in der Sache" genannt und gemeint, auf diese Weise entstünde das "beste und spannendste Geschichtsbuch Stuttgarts".  Das hat Schorlau richtig ermittelt, weil der "Stadtflaneur" kein beseelt umherschauender Spaziergänger, sondern ein Stadtforscher ist. Wenn Bauer vor der Alexanderstraße 36 steht, weiß er, dass im vierten Stock die Sozialistin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin gewohnt hat. Und noch rechtzeitig ausgetreten ist aus der SPD, nachdem sie gemerkt hat, wohin das führt, in Stuttgart. Bauer nennt Drexler, Schmiedel und Schmid. Bei diesen Reisen in die Vergangenheit versteht man besser, warum die Dinge so sind, wie sie sind.

Von dieser Ausgabe an nimmt uns Joe Bauer mit auf die Straße. Er tut es alle zwei Wochen, im Wechsel mit Peter Grohmann, dem wir an dieser Stelle ein oberdickes Dankeschön nach Sonnenberg schicken. Für die vielen frechen, hinterhältig-treffenden Kolumnen, die er uns schon von Anfang an beschert hat. Das wird er auch weiterhin tun.


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2 Kommentare verfügbar

  • Jim Zimmermann
    am 08.04.2020
    Antworten
    Joe Bauer war der einzige Grund, die Stuttgarter Nachrichten zu lesen.
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