Ausgabe 401
Editorial

Erleuchtung aufgeschoben

Von unserer Redaktion
Datum: 05.12.2018

Nicht nur zur Weihnachtszeit ist Erleuchtung bekanntlich ein großes Thema. Sie ist auch ganzjährig, ob im Wortsinne oder metaphorisch, immer wieder hilfreich. Einer nur durch mühevolle Bürgerinitiativen-Arbeit erreichten Erleuchtung von Landespolitikern war es ja letztendlich geschuldet, dass das Hotel Silber in Stuttgart stehen blieb, dass in der ehemaligen Gestapo-Zentrale ein Lernort geschaffen wurde, der nun endlich eröffnet hat. Und soviel sei schon gesagt: Die Dauerausstellung ist sehr gelungen (mehr dazu demnächst in Kontext). Sowohl zur Pressekonferenz im Hotel Silber am vergangenen Freitag wie bei der feierlichen Eröffnung am Montag war, wie üblich bei solchen Gelegenheiten, kein Mangel an vollmundigen Politiker-Bekundungen zur Wichtigkeit dieses Orts, gerade angesichts des andauernden Rechtsrucks in der Gesellschaft.

Ein gewisser Wermutstropfen ist allerdings, dass auf diesen so wichtigen Ort nicht ganz so gut sichtbar hingewiesen werden kann wie geplant. Ursprünglich sollte eine Mischung aus Litfaßsäule und Erker an der Nordostecke des Gebäudes, eine Reminiszenz an den ursprünglichen Eckturm des Gebäudes, als eine Art leuchtendes Werbebanner diese Aufgabe übernehmen. Doch dann intervenierte das Stuttgarter Bauamt. Auch wenn die Baufreigabe schon im Dezember 2016 erfolgt war, die Pläne also bekannt gewesen sein mussten, verweigerte die städtische Behörde im Juli dieses Jahres die Beleuchtung des Erkers. Begründung: Werbeanlagen, zumal er-, pardon, beleuchtete, seien in diesem Teil der Innenstadt nicht zulässig – oder allenfalls bis zur Brüstung des ersten Obergeschosses. Also da, wo der Erker erst anfängt.

Ins Grübeln kommt man da, angesichts der in unmittelbarer Nähe liegenden Konsumtempel Dorotheenquartier und Breuninger oder auch der Ifa-Galerie, aber die Wege der Bürokratie sind bekanntlich oft unergründlich. Alle Versuche des Hauses der Geschichte, doch noch eine Genehmigung zu erhalten, blieben bisher erfolglos. Sein Pressesprecher Joachim Rüeck teilte auf Kontext-Anfrage allerdings mit: "Ob eine dauerhafte Beleuchtung möglich sein wird, soll in einem Abstimmungsgespräch mit der Stadt Stuttgart geklärt werden", habe man vom Land erfahren. Man darf also noch auf Erleuchtung hoffen.

Ab- und anwesende Friedenspreisträgerinnen

Nein, Emma González kam nicht mehr und schickte auch keine Grußbotschaft, auch wenn es einige wenige vielleicht noch im Stillen gehofft hatten. So musste die Verleihung des diesjährigen Friedenspreises der Anstifter erstmals ohne die Geehrte stattfinden, trotz zahlreicher Versuche, einen Kontakt zu der Aktivistin gegen die US-amerikanische Waffenlobby herzustellen – alle erfolglos. Es war dennoch eine gelungene Veranstaltung, bei der die Vorsitzende der Anstifter, Annette Ohme-Reinicke, in einem großen Bogen das andere Amerika beleuchtete: von den Streiks der 20er Jahre über die Proteste gegen den Vietnam-Krieg bis hin zum Kampf der SchülerInnen gegen die Waffenlobby. Kontext war auch mit einem Stand vor Ort, verteilte Printausgaben aus der taz und die neuen Weihnachtskarten.

Eine andere Friedenspreisträgerin, die des Deutschen Buchhandels, kommt indes auf jeden Fall nach Stuttgart: Aleida Assmann hält am Montag, dem 10. Dezember, anlässlich des 70. Jahrestags der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte einen Festvortrag im Stadtpalais in Stuttgart (Anmeldung hier). Es ist der Höhepunkt des Projekts "Vielfalt: 0711 für Menschenrechte", zu dessen rund 200 Beteiligten auch die Anstifter und Kontext gehören. Die Menschenrechte beschäftigen uns auch in der aktuellen Ausgabe: Ums Menschenrecht auf Gesundheit geht es dem Juristen, Soziologen und Philosophen Felix Ekardt, den Kontext-Mitarbeiter Moritz Osswald interviewt hat. Über die "stille Krise der Menschenrechte" angesichts des Umgangs mit Geflüchteten schreibt wiederum der aus dem Senegal stammende Publizist Moustapha Diallo. Er führt uns dabei vor allem die Perspektive der flüchtenden Afrikaner vor Augen, was den aktuellen Umgang der EU mit Geflüchteten noch absurder und menschenfeindlicher erscheinen lässt.


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3 Kommentare verfügbar

  • Kornelia .
    am 05.12.2018
    Ich finde es bemerkenswert, dass der Initiative -unter Grüns- nicht die Haushoheit zugestanden wurde....
    Der Staat greift ein zweites Mal ein, in derselben Sache!
    Einmal um die GestapoZentrale aufzubauen und funktionieren zu lassen, und nun, um zu bestimmen, wie Geschichte und ihre 'Täter' interpretiert werden muss!
    So verteidigen staatliche Institutionen ihre Deutungsmacht!
    Mit Kohls Gnade der Spätgeburt haben alle Institutionen offensichtlich ihre 'Kollektivschuld' abgestreift und sind zu Garanten der Demokratie mutiert -ohne und trotz Negativ Nachweises!

    Und ehrlich: mit S21 konnten wir alle die Gleichschaltung der Institutionen erleben.... und ganz ohne KZ-Androhung!
    • Jue.So Jürgen Sojka
      am 06.12.2018
      @Kornelia . „Der Staat greift ein zweites Mal ein, in derselben Sache!“
      Nicht richtig!
      Es wäre erforderlich, dass der STAAT eingreift!!! [b][1][/b]
      Nun geht Gewalt immer von denjenigen aus, die sich davor fürchten, dass sich eine erklecklich große ANZAHL aus unserem Volk [i]dafür[/i] entscheiden könnte, den TEXT in unserem Grundgesetz im täglichen Erleben zu manifestieren!
      Angst besonders davor, dass GG Artikel 25 aus der Nische herausgeholt würde und unseren „Volksvertretern“ vorgehalten wird. [b][2][/b]

      STAATSDIENER, die sich [b]gegen[/b] den Staat, also das VOLK stellen -und damit sich selbst zu Gegnern unserer Verfassung machen-, sind mit sofortiger Wirkung aus dem STAATSDIENST zu entlassen!!!

      [b][1][/b] Grundgesetz Artikel 20 [Bundesstaatliche Verfassung; Widerstandsrecht]
      „[b](2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.[/b]“ ENDE Auszug
      GG Art. 21 [Parteien] „[b](1) Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit.[/b]“ ENDE Auszug

      https://www.juraforum.de/lexikon/amtstraeger#kommentare (15.06.2018 05.34 Uhr):
      Sehr geehrte Juristen und Amtsträger, meinen Sie nicht auch, dass in Ihrer Aufzählung zu "Amtsträger" ein wesentlicher Personenkreis fehlt? Die "Abgeordneten" und "Volksvertreter"! Bei uns in Baden-Württemberg ...

      [b][2][/b] KONTEXT 291 Gemeinsam stark für Menschenrechte https://www.kontextwochenzeitung.de/gesellschaft/391/gemeinsam-stark-fuer-menschenrechte-5366.html
      Im 1. Kommentar – Auszug:
      Verfassungsfeinde können sich dort _nicht_ wohlfühlen, wo ihnen die Grundlage für _ihre_ Feindseligkeit entzogen wird: Information der Öffentlichkeit zu tatsächlichem, um sich eine eigene Meinung bilden zu können – anhand der Tatsachen!!! [1]
      ...

      [1] 1. Antrag GG Art. 37 https://c.gmx.net/ernest.petek@gmx.de/Yx2VDaWMS8WCUOx-tTA7zg/334629611683976322
      B.13 - 2014.09.24 Mi. Schr. über MP, über Stickelb. an OGV Erthle.pdf Auszug Seite 2
      – Artikel 3 RECHT AUF LEBEN UND FREIHEIT
      Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person
    • Jue.So Jürgen Sojka
      am 06.12.2018
      @Kornelia . „Mit Kohls Gnade der Spätgeburt …“
      Es gibt keine Gnade der späten Geburt.
      Es gab auch noch _niemals_ eine Gnade der späten Geburt!
      Das ist eine Formulierung die von jenen verwendet wird, die eigene Verantwortung den
      !![b]Anfängen zu wehren[/b]!!
      [i]nicht[/i] entsprochen haben –[i]dies auch heute nicht tun[/i]- weit von sich selbst weisen!!! [b][3][/b]

      Verantwortung der AMTSTRÄGER aus [b][2][/b] https://up.picr.de/34509500qp.pdf alle drei Kommentare mit [i]Link-Adressen[/i] zum Klicken mit der Maus.

      [b][3][/b] "Die Gnade der späten Geburt" Ausspruch vom deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl in den Jahren 1983/1984 geprägt – tatsächlich dies https://up.picr.de/34509836qe.pdf
      *** Wie viele Jahrzehnte wurden all jene übergangen, beschimpft und beleidigt, die sich gegen die NAZIS gestellt haben; während der NAZI-Zeit – auch in der BRD wird den NAZI-Gegner entgegengetreten!!! ***

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