Ausgabe 397
Editorial

Klinsmann, hilf!

Von unserer Redaktion
Datum: 07.11.2018

Ein Bild des Jammers muss Wolfgang Dietrich geboten haben, als er durch die VIP-Lounge "getigert" ist, wie der Theaterkritiker der "Stuttgarter Zeitung" notiert hat. Das war nach der neuerlichen Niederlage des Fußballvereins VfB, dem Dietrich vorsteht, seitdem er das Sprecheramt für Stuttgart 21 abgegeben hat. Kontext ist nun weit entfernt davon, dem "tragischen Helden" mit Häme zu begegnen, auch einer wie er bedarf der Hilfe, um wieder mit Zuversicht schwierige Aufgaben anpacken zu können. Und an dieser Stelle kommt Jürgen Klinsmann ins Spiel.

Wer in den vergangenen Tagen die StZN gelesen hat, stellt unschwer fest, dass die Plieninger Presse alles tut, den Botnanger Bäckersohn heimzuholen, auf dass er den VfB rette. Die Sportredaktion denkt für Dietrich darüber nach, ob "Klinsi" den Sportdirektor Reschke ersetzen oder mit ihm zusammen arbeiten soll, oder ob er doch besser eine "übergeordnete Instanz" wäre, in seiner Eigenschaft als "Weltbürger mit Strahlkraft". Wie Rummenigge bei den Bayern vielleicht. Und wenn das mit den "Varianten im Jobcenter" so weiter geht, wird Präsident Dietrich hurtig in Huntington Beach (Kalifornien) anrufen müssen, zumal Klinsmanns Berater Roland Eitel (Ex-StZ) in seinem früheren Blatt mit den Worten zitiert wird: "Beim VfB Stuttgart würde Jürgen immer ans Telefon gehen."

Doch Vorsicht, nicht gleich Hurra rufen: Kontext war schon da. In Gestalt von Reporter Peter Unfried, der mit Winfried Kretschmann nach Silicon Valley gereist ist, um mit dem Ministerpräsidenten und dem Ex-Bundestrainer die Dinge zu besprechen, die wirklich wichtig sind: Heimat, Pflanzen, Patriotismus. Nachzulesen unter diesem Link.

Der Weltbürger, also Klinsmann, hat hier deutlich gemacht, dass er sich eine Rückkehr ins Schwäbische durchaus vorstellen kann. Mit der kalifornischen Erfahrung im Rucksack, dass es immer ums "Tomorrow" geht, ums Dein-Ding-Machen, und wenn's nur das Tüteneinpacken im Supermarkt ist. Dieser Spirit hat dem grünen Ministerpräsidenten gefallen, auch wegen der "Disruptivität", und so reifte ein Plan, den Autor Unfried weltexklusiv enthüllt. Im Ökodiktator in dieser Kontext-Ausgabe.

So leid's uns tut, Dietrich und StZN: zuerst das Land, dann der VfB.

Unter den besten fünf

Einigen Fußballfans wird unser Klinsi-Leak vielleicht die Laune vermiest haben. Doch die Cineasten unter unseren LeserInnen werden sich freuen: Unser Filmkritiker Rupert Koppold ist für den Siegfried-Kracauer-Preis nominiert! Seit 2015 bestückt Koppold unser Blatt beinahe jede Woche mit einer aktuellen Rezension und berücksichtigt dabei auch solche Filme, die im Vergleich zu den großen Blockbustern zu wenig Aufmerksamkeit bekommen. Sein Text "Kadaver im Kopf", der sich Josef Bierbichlers Regiedebüt "Zwei Herren im Anzug" widmet und in Kontext-Ausgabe 364 erschienen ist, hat das Potenzial, als "Beste Filmkritik 2018" ausgezeichnet zu werden. In die engere Auswahl der Jury haben es fünf Rezensionen geschafft und die Entscheidung wird am 24. November verkündet, im Rahmen des Kinofests Lünen. Da drücken wir natürlich fest die Daumen. Nicht nur Ruhm und Ehre wegen. Sondern auch, weil unser Kritiker versprochen hat, die ganze Redaktion zu einer Sause einzuladen, wenn es klappt mit dem ersten Platz.


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2 Kommentare verfügbar

  • Stephan Lohnert
    am 07.11.2018
    schön und treffend geschrieben.
    vielleicht sollte am in diesem Zusammenhang auch den freien Journalisten Oliver Trust loben, den anscheinend einzigen deutschen Sportjournalisten, der sich ernsthaft und kritisch mit dem VfB auseinandersetzt... sehr zu empfehlen folgender Ausschnitt von vor 10 Tagen....
    https://www.youtube.com/watch?v=7LoxQ1fl9xw
    • Ulrich Tangl
      am 07.11.2018
      Stark, Oliver! Gehören schon Eier dazu, so kritisch öffentlich auszuteilen. Er hat mit allem Recht: Reschke war vor Weinzierl in der Kabine, Verzicht auf Ginzcek war falsch, Reschke hat zu viel Macht und wirbelt zu viel, es gibt zu viele Strategiewechsel, zu viele Personalwechsel, es gibt zu wenig Sachverstand im Präsidium (Herrmann Ohlicher hat schon Ahnung, aber nicht, wie man eine Fußball-Firma anno 2018 führt). Das ist nicht durcheinander gebracht, wie Dietricch sagt, sondern summiert die Schwächen auf. Und diese Schwächen tragen EINEN TEIL dazu bei, dass der VfB da steht, wo er steht. Kommt noch Pech und spielerisches Unvermögen usw. dazu, aber es ist ja nicht das erste Mal, dass es im Herbst so aussieht.

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