Ausgabe 377
Editorial

Mehr Bäume

Von unserer Redaktion
Datum: 20.06.2018

Der Baum. Leben spendendes Gehölz. Luftreiniger, Schattenspender, Rohstofflieferant, im Kollektiv (Wald) des Deutschen romantischster Freund. Eine uralte Spezies, die uns alle überleben wird. Der Baum also, ein Prachtkerl. Und von diesem Wunderwerk der Natur hat die Stadt Esslingen seit kurzem zu ihrem einstigen Solitär auf dem betonharten Bahnhofsvorplatz einen zweiten in ein mulchiges Quadrat gepflanzt. Die Redaktion gratuliert ganz herzlich!

In Kontext Nummer 245 nämlich, am 3.12.2015, schrieb unser Autor Dietrich Heißenbüttel ein Porträt über die Stadt, die eigentlich ganz hübsch sein könnte, hätte man nicht irgendwann angefangen, sie umzubauen. Zitat aus dem Artikel: "Schon am Bahnhofsvorplatz sind den Planern aber die Ideen ausgegangen: Eine kahle Fläche; viel leerer Raum, aber kaum Platz für Taxis; als Krönung in der Mitte ein schwarzes Klohäuschen." Und zack die Bohne, schon gibt's 2018 einen neuen Baum rechts vom Klo. Immerhin keine ganz schlechte Investition. 

Ganz anders als ella@bw. Die hyperinnovative Bildungsplattform aus dem Konglomerat von Kultus- und Innenministerium sollte das – nein – DAS digitale Vorzeigeprojekt des Landes Baden-Württemberg werden. Aber: "ella@abgestürzt" titelt unsere Autorin Johanna Henkel-Waidhofer lapidar und trifft den Nagel auf den Kopf wie die Faust aufs Auge. In letzterem Falle wäre es Körperverletzung, die man im digitalen Zeitalter nicht mal mehr selber verüben muss. Denn, sagt der Volksmund, die kann man sich ganz günstig im Darknet bestellen. Warum das ein Vorurteil ist und was an der dunklen Seite des Netzes gut ist, hat Minh Schredle mit einem Spezialisten besprochen.

Spezialisten sind auch die Leute vom Zirkus-Mutter-Erde-Festival, die sich gemeinsam der Nachhaltigkeit verschrieben haben. Markenzeichen: Knödel! Weil sich in jedem Semmelkloß eine ganze Menge altes Brot verarbeiten lässt.

Gemeinsam. Ein großes Wort. Gäbe es mehr Gemeinsam, sähe die Welt anders aus, rosiger, schöner, bunter. Da gebe es mehr gemeinsame Wohnprojekte, wie das der Gruppe Adapter, die interimsweise im Schaufenster wohnt. Ja, vielleicht sogar eine kleine urbane Revolution, wie der Architektur-Student Leo Herrmann beschreibt, denn Städte sind Keimzellen zukünftiger, guter Ideen. Mit ihnen, den neuen Ideen für eine gemeinsame Zukunft aller, würde die Verteilung von Verfügbarem ganz anders aussehen. Da bekämen nicht diejenigen den Zucker in den Hintern geblasen, die es sowieso nicht nötig haben. Wie Daimler, die Bahn, Zeitungsverleger. "Bitte auswechseln" fordert unser Kolumnist Peter Grohmann da zu recht und wettert über die neueste Schnapsidee der Bayern, der Polizei für die Installation von Staatstrojanern Einbruch in Privatwohnungen zu erlauben. "Die Unschuldsvermutung wird auf den Müll der Geschichte geworfen", ärgert sich Grohmann. Hoffentlich wächst über diesen Haufen bald Gras. Oder Bäume. Dann wäre die Luft wenigstens besser.

Apropos Bäume: Wer sie immer noch hat, die Holzzeitungen aus dem Stuttgarter Pressehaus, der achte in den nächsten Tagen und Wochen auf eine kleine Meldung. Meistens auf der Seite zwei. Dort bittet der Verlag um Verständnis für den reduzierten Umfang. Die Redaktion befinde sich im Arbeitskampf, lautet die dünne Entschuldigung. Warum die JournalistInnen streiken, wird meistens nicht erklärt. Den Part übernimmt dann Kontext. Auch in dieser Ausgabe wieder.


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1 Kommentar verfügbar

  • Isolde Vetter
    am 20.06.2018
    I beh urschpringlich vo Korndahl, un dahähr isch Esslinge net mei brimäres Inträsse gwä. In Korndahl gibt's, glaub i, bis heit koi Kloheisle net. Abr wenn denne Esslinga ihr Heisle nemme gfällt, kennet se des doch nach Korndahl liefere - des Städtle isch ohnehin draditionäll schwarz, gäll, un do wüsst mr glei am Bahhof, was Sache isch! - Auf jeda Fall MUSS abr jetscht a Foto von dem neie Baum in Esslinge hähr. Henn er's g'hert, ihr Kontegschtler??

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