Ausgabe 352
Editorial

Kampf gegen Idiotie

Von unserer Redaktion
Datum: 27.12.2017

Kontext straft den Mythos Lügen. Im siebten Jahr scheitern Beziehungen und Projekte? Ganz im Gegenteil. Mitten im verflixten siebten Kontext-Jahr flatterte uns vor wenigen Tagen eine frohe Botschaft in die Redaktion. Das Kontext-Projekt mit jungen Geflüchteten hat einen der Jugendbildungspreise des Sozialministeriums gewonnen. Da sind wir nicht nur stolz wie Bolle auf dieses Bildungsprojekt, das Kontextredakteurin Anna Hunger und Kameramann Steffen Braun seit zwei Jahren betreuen. Es ist auch eine Auszeichnung für die jungen Geflüchteten, die im März zur Preisverleihung ins Ministerium eingeladen sind. Eine Anerkennung für das Bemühen, in einem fremden Land, einer fremden Sprache und einer fremden Kultur anzukommen.

Wir halten sowieso mehr von Aufklärung als von Aberglauben an die mythische Zahl sieben. Aber inzwischen sind wir tatsächlich sieben im festen Team von Kontext. In diesem Jahr hat sich personell einiges geändert. Susanne Stiefel hat Anfang des Jahres von Josef-Otto Freudenreich die Chefredaktion übernommen, Anna Hunger ist Stellvertreterin. Und seit Februar verstärkt Oliver Stenzel das Redaktionsteam, und das ist gut so. Heute geht die 352. Ausgabe online und nicht nur sie zeigt, dass wir im Laufe der Jahre umfangreicher und vielfältiger in unserer Berichterstattung geworden sind. Es braucht mehr Köpfe und Schultern, um diese Mehrarbeit zu erledigen. Denn in Zeiten, in denen Verlage zu Internethandelshäusern werden, ist unabhängiger Journalismus, sind Projekte wie Kontext, wichtiger denn je. Werbefrei und der Aufklärung verpflichtet, nicht der Rendite. Eine wirkliche Demokratie braucht kritische Medien.

Dafür haben wir uns auch 2017 ins Zeug gelegt. Wir moderierten gemeinsam mit der Berliner "taz" vor der Bundestagswahl Veranstaltungen in Mannheim, Rottenburg und Burladingen. Wir saßen auf Podien von Netzwerk Recherche in Düsseldorf, wir reisten zur Informationsstelle Militarisierung nach Tübingen. Wir haben mit Stefan Siller einen geschätzten Rundfunkkollegen für ein neues Format gewonnen, die AfD auch juristisch abgewehrt, und uns nicht einschüchtern lassen, sondern weiter gemacht nach dem Motto: Kontext schaut nach den Rechten. Womöglich zum Wohlgefallen unseres geschätzten Wetterers Peter Grohmann, dem wir zum 80sten Geburtstag eine Laudatio geschrieben und gezeichnet haben.

Auch wenn wir nun sieben sind: Alleine wäre das alles nie zu schaffen. Es sind die festen Autoren, die zum wöchentlichen Gelingen von Kontext beitragen. Mit Beiträgen etwa, die schon mal für gequälte Gesichter im Staatsministerium sorgen, wie Peter Unfried kürzlich in der taz geschrieben hat. Passt schon. Schließlich haben wir bereits 2011 in der ersten Ausgabe versprochen, dass wir nicht nur den Schwarzen, sondern auch den Grünen auf die Finger schauen.

Und dann sind da noch unsere ehrenamtlichen Vorstände, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Kontext bekannter und reicher zu machen. Sie sitzen am Redaktionstelefon, um sich Lob, Kritik und Sorgen der Kontext-LeserInnen anzuhören. Sie verteilen die gedruckte taz-Kontext bei Veranstaltungen und Montagsdemos. Und sie erklären unermüdlich, warum ein kritisches Medienprojekt, das sich nicht in die Abhängigkeit von Anzeigenkunden begeben will, solidarische Unterstützung braucht. Kontext lebt von Spenden. Ohne diese UnterstützerInnen könnte eine werbefreie Zeitung wie Kontext einpacken. Sie sind unser Rückenwind.

Denn sie teilen mit uns auch die Überzeugung, dass Fakten in Zeiten von Fake-News wichtiger sind denn je. Damit Spekulationen, die schnell, laut und leicht verdaulich daherkommen, nicht zu Wahrheiten werden. Da helfen nur Recherche und Informationen, die nicht an der Oberfläche bleiben, sondern hinter die Kulissen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft schauen. Das wollen wir auch über das verflixte siebte Jahr hinaus mit unseren bescheidenen Möglichkeiten tun.

Angespornt auch durch Spenden, wie jene, die vor wenigen Tagen auf unserem Konto landete. Über den krummen Betrag von 201 Euro. Versehen mit einem dezenten Hinweis, wofür sie einzusetzen sei: "Spende im Kampf gegen Idiotie". Diese Aufforderung kommen wir gerne weiter nach. Und wünschen in diesem Sinne ein gutes und heiteres Jahr 2018.


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