Ausgabe 338
Editorial

Wo Haltung kein Fremdwort ist

Von unserer Redaktion
Datum: 20.09.2017

Es war Geno-Versammlung und viele gingen hin. Am vergangenen Wochenende lud die taz ihre GenossInnen zum alljährlichen Treffen in die Berliner Zentrale der Heinrich-Böll-Stiftung und mehr als 400 waren gekommen. Gerne hörten sie die Botschaft von Geschäftsführer Kalle Ruch: "Ich gehe davon aus, dass das taz-Haus vor dem Berliner Flughafen fertig wird." Die taz-GenossInnen interessierten sich nicht nur für das neue Haus, sondern auch für das neue Layout, für die Zahlen, die Arbeit der Redaktion. Und der eine oder die andere war auch neugierig auf die Schwaben, die da seit sechs Jahren immer in der taz am Wochenende aus dem wilden Süden der Republik berichten. Angelockt von der Wahlkarikatur in der aktuellen Ausgabe kamen sie an den Kontext-Stand. 

Die Wirtschaftsethikerin aus Berlin warf erstmal eine Spende in die Kontext-Box, "weil ich schon Artikel von euch kopiert und für meine Vorträge verwendet habe". Der Mann aus Marburg outete sich als Fan unseres Politcomics "Der Ökodiktator" und beteuerte, kein Exilschwabe zu sein. Und eine Unterstützerin aus München wünschte sich Kontext auch in weiß-blau. Bürochefin Sibylle Wais und Redaktionsleiterin Susanne Stiefel freuten sich über engagierte Diskussionen und informierte LeserInnen, für die Pressefreiheit und Recherche keine Fremdwörter sind.

Auch Haltung ist bei der taz und bei Kontext ein Begriff, was leider nicht auf alle Redaktion und Verlage zutrifft. Nachdem der AfD-nahe "Deutschland-Kurier" Anfang August dem "Stuttgarter Wochenende" der SMWH beilag, erschien am vergangenen Wochenende eine mehrseitige Werbebeilage der AfD in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" und der "Neuen Presse", die zur Madsack-Mediengruppe gehören. Größter Anteilseigner am Konzern ist die Deutsche Druck und Verlagsgesellschaft, zu einhundert Prozent Eigentum der SPD.

Das Thema griff die Medienjournalistin Ulrike Simon in ihrer Kolumne auf "Spiegel Daily" auf, mit freundlichem Verweis auf die Recherchen von Kontext. Und die Kollegin fragte berechtigterweise: "Muss das sein? Muss eine Zeitung sich als Werbeplattform für rechte Hetzer zur Verfügung stellen?" Offensichtlich ja, wenn denn die Kohle stimmt. Da freut es uns doch einmal mehr, dass Kontext ohne Anzeigen auskommt, was Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, zu verdanken ist. Damit das weiterhin so bleibt – schnell ein Soli-Abo unterzeichnen!

Damit das mit der AfD eben nicht weiterhin so bleibt, riefen in den vergangenen Jahren immer mehr Initiativen und Bündnisse zu Demos und Kundgebungen für eine bunte Gesellschaft auf. Am vergangenen Freitag luden SPD und Grüne zu einer Mahnwache vor der Kongresshalle Böblingen, wo die AfD mit Alice Weidel, Marc Jongen und Markus Frohnmaier ihre Prominenz aufgefahren hatte. Kontext-Redakteurin Anna Hunger hat sich das angesehen. Und am Tag vor der Wahl will ein breites Bündnis gegen Rechts noch einmal Farbe bekennen.


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2 Kommentare verfügbar

  • Ludwig Landheger
    am 20.09.2017
    Wie wahr...
  • Philipp Horn
    am 20.09.2017
    Gut,daß es Euch gibt!

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