Ausgabe 332
Editorial

Zorn der Vernunft

Von unserer Redaktion
Datum: 09.08.2017

Jürgen Klose ist ja ein Mensch von überaus heiterem Naturell. Würde einmal kein Lächeln die Mundwinkel des Kontext-Vorstandsmitglieds und früheren Pressesprechers des DGB Baden-Württemberg umspielen, wir würden uns ernsthafte Sorgen machen. Doch vor kurzem war auch für ihn Schluss mit lustig. Die Ergebnisse des Autogipfels vom vergangenen Mittwoch hatten ihn so erbost, dass er spontan zu einem Flashmob vor dem Stuttgarter Rathaus am Donnerstag aufrief (Kloses Rede können Sie hier nachlesen). Sein Adrenalin habe er loswerden wollen, sagte Klose, aber ein "Wutbürger" ist er nicht, er hält es lieber mit dem "Zorn der Vernunft". Wer wissen will, was es damit auf sich hat, dem empfiehlt Klose ein Video des Kabarettisten Georg Schramm.

Mittlerweile habe er sich, sagt Klose, wieder beruhigt, auch wenn sich die Ursache seines Zorn nicht geändert habe. Und was sich vermutlich auch weder bei ihm noch unseren übrigen LeserInnen nach der Lektüre des Artikels ändert, den Kontext-Autorin Johanna Henkel-Waidhofer über den Autogipfel, seine mediale Resonanz und das peinliche Lavieren und Abwiegeln von Industrie und Politik geschrieben hat.

"Man sagt jetzt nicht mehr verarschen, man sagt Software-Update" : Jürgen Klose beim Flashmob vor dem Stuttgarter Rathaus. Foto: Joachim E. Röttgers
"Man sagt jetzt nicht mehr verarschen, man sagt Software-Update" : Jürgen Klose vor dem Stuttgarter Rathaus. Foto: Joachim E. Röttgers

Courage. Haltung zeigen. Sich einmischen. Das ist nicht nur die Devise unseres Vorstands, sondern auch unseres wöchentlichen Wetterers Peter Grohmann, protesterfahren wie kein zweiter in Stuttgart. Wobei wöchentlich leider gerade nicht stimmt – diese und die kommende Ausgabe fällt seine Text- und Video-Kolumne aus, denn der Gute befindet sich in der Sommerfrische. Und das sei ihm gegönnt. Schließlich muss er sich langsam fit machen dafür, dass ihm zu seinem 80. Geburtstag am 27. Oktober vermutlich tausende Weggefährten sowie Honoratioren der Stadt die Hand zum Glückwunsch platt drücken. Aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen hat uns ein Vöglein gezwitschert, dass er sich dafür in einem Trainingslager in Frankreich befindet.

Apropos Vögel. Denen geht's nicht gut. Und zwar nicht nur wegen neuer Windräder, wie manche Vertreter von Umweltverbänden schon zu argumentieren schienen (Kontext berichtete), sondern auch wegen zig anderer Gründe, die medial nicht so dankbar aufgegriffen werden. Sagt Axel Mayer, Geschäftsführer des BUND Freiburg, im Kontext-Interview.

Dass die heimischen Spatzen vor allem deswegen weniger werden, weil mit Kanonen auf sie geschossen wird, ist auch so ein weit verbreiteter Irrtum. Allein deshalb, weil die meisten deutschen Kanonen exportiert werden und die deutsche Rüstungsindustrie prächtig daran verdient, dass auch mit Hilfe ihrer Waffen etwa in der Golfregion neue Fluchtursachen geschaffen werden. Wäre eine öffentlich geförderte Umstellung von militärischer auf zivile Produktion eine Lösung? Auf jeden Fall ein Thema, bei dem sich unter anderem auch zeigt, wie schnell Landespolitiker von der einen Haltung zur nächsten wechseln können.


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