KONTEXT:Wochenzeitung
KONTEXT:Wochenzeitung

Irgendwas mit Medien

Irgendwas mit Medien
|

Datum:

Für Pressefreiheit und -vielfalt zu kämpfen – das war vor sechs Jahren mit ein Grund, Kontext zu gründen. Wir haben seitdem über Pressekonzentration geschrieben, über Redakteure und Redakteurinnen, die wegen unliebsamer Artikel aus ihren Redaktionen geworfen wurden, über die Standhaftigkeit gegenüber der Polizei, gegenüber Pressestellen, die ganze Texte gegenlesen wollen, über kurdische JournalistInnen im Exil, die in ihrer Heimat gefoltert und verfolgt wurden.

Seit wir Kontext gegründet haben, hat sich vieles verändert. Vor sechs Jahren gab es noch keinen Präsidenten Donald Trump, es gab die AfD noch nicht, die Türkei war noch nicht auf dem Weg in eine Präsidialdiktatur und es gab sehr viel weniger gezielte Desinformation, für die wir heute sogar eine eigene Begrifflichkeit haben.

Die Aufgabe, Pressefreiheit zu schützen und zu verteidigen, rückt immer mehr ins Zentrum journalistischer Arbeit. Mit dem Schlagwort "Lügenpresse" nahm sie Fahrt auf. Mit Pressehasser Donald Trump, mit der AfD, einer Partei, die Journalisten von ihren Parteitagen ausschließt, und mit der Verhaftung des "Welt"-Reporters Deniz Yücel in der Türkei ist sie als zentrales Thema in der Medienberichterstattung angekommen.

Auch der aktuelle "Spiegel" widmet der Freiheit der Presse einen Leitartikel. "Wir müssen die Lage so ernst nehmen, wie sie ist", schreibt da Chefredakteur Klaus Brinkbäumer. Und weiter: "Ob die Presse ihre Bedeutung täglich aufs Neue gewinnen kann, darüber werden die Ernsthaftigkeit und die Qualität ihrer Arbeit entscheiden: Wahrhaftigkeit, Furchtlosigkeit, Erzählkunst."

Vor bald zwei Jahren schrieb Stephanie Nannen in Kontext etwas ganz ähnliches. "Ich glaube, dass wir Journalisten den Angriffen auf uns mit unserer Arbeit begegnen, dass wir uns besinnen müssen. Auf unsere Aufgaben. Auf unsere Pflichten, auf unser Können – auf unsere Chancen auch. Ich finde, dass wir voller Stolz und Leidenschaft daran glauben müssen, dass unser Job eben nicht bedeutungslos ist, und dass zu tun, was wir tun, einen Unterschied macht. Jetzt erst recht."

Jetzt erst recht, das meinen auch wir. Wir wünschen uns engagierten Journalismus, der sich seiner Rolle bewusst ist. Wir wünschen uns, dass das Thema Pressefreiheit auch über die fetten Klickzahlen diverser Trump-Verfehlungen hinaus seine Aufmerksamkeit behält.

Und wir wünschen uns Hirn! Von all denen, die seriösen Journalismus betreiben und nicht einfach nur irgendwas mit Medien machen wollen.


Die Stuttgarter Anstifter laden am Freitag, 3. März um 16 Uhr, vor dem Türkischen Konsulat am Kernerplatz zu einer Kundgebung für Deniz Yücel und alle inhaftierten KollegInnen ein.


Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT!
KONTEXT unterstützen!

Verbreiten Sie unseren Artikel
Artikel drucken


14 Kommentare verfügbar

  • Barolo
    am 08.03.2017
    Antworten
    zweiter Versuch eines Lobes an @Kornelia
Kommentare anzeigen  

Neuen Kommentar schreiben

KONTEXT per E-Mail

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochvormittags unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.

Letzte Kommentare:






Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!