Ausgabe 298
Editorial

Respekt

Von unserer Redaktion
Datum: 14.12.2016

Lassen Sie uns eine Lanze für die Medien brechen. Nicht für alle, aber für manche. Denn Hand aufs Herz: Hätte man Edward Snowden geglaubt, wenn sich nicht der "Guardian" und die "Washington Post" um die Aufarbeitung und Veröffentlichung der NSA-Daten gekümmert hätten? Was ist mit den Luxemburg-Leaks? Was mit den Panama-Papers? Aktuell den Football-Leaks? Wer hätte von diesen Sauereien erfahren, wenn es nicht von seriösen Medien geprüft, professionell aufgearbeitet und verbreitet worden wäre? An wen sollen sich Whistleblower wenden, wenn nicht an Journalisten mit etablieren Plattformen und Schlagkraft gegen die Mächtigen, die kritisiert werden? Wir möchten festhalten: In den vergangenen Jahren hat "die Presse" auch eine Menge Positives geleistet.

Am gestrigen Montag fand in Luxemburg die Berufungsverhandlung im Fall des Lux-Leaks-Whistleblowers Antoine Deltour und der Mitangeklagten Raphael Halet und Edouard Perrin statt. Im vergangenen Sommer wurden Deltour und Halet zu Geld und Haftstrafen auf Bewährung verurteilt, der Journalist Perrin wurde freigesprochen. Die Luxemburger Staatsanwalt ging daraufhin in Berufung. "Die Berufung der Luxemburger Staatsanwaltschaft ist ein Angriff auf die Pressefreiheit. Wenn das Handeln von Edouard Perrin als Anstiftung zum Geheimnisverrat gewertet wird, wird die Arbeit vieler Journalisten erschwert", sagt Sven Giegold, Zeuge im Lux-Leaks-Prozess und finanz- und wirtschaftspolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament.

Die Pressefreiheit muss verteidigt werden. Vor den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, die unliebsame Fakten unterdrücken wollen und Whistleblower wie Edward Snowden verfolgen. Vor Diktaturen wie in der Türkei. Und vor Pöblern, die allen Journalistinnen und Journalisten seit nun bald zwei Jahren platt Dummheit, Faulheit und Arroganz unterstellen. "Sind Sie Gott-gleich?", fragte kürzlich eine Mail-Schreiberin.

Nein, sind wir nicht. Wir wünschen uns aber, dass wahrgenommen wird, was gute Journalistinnen und Journalisten leisten und wie wichtig sie für eine demokratische Gesellschaft sind. Als Korrektiv, als vierte Gewalt, als Filter gegen Hass, Hetze und Fake News aller Art. Unserer Meinung nach verdient das Respekt.


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13 Kommentare verfügbar

  • andromeda
    am 24.12.2016
    Weitere Meldungen , die die "Qualitätsmedien" unkritisch übernehmen und en masse verbreiten ohne kritisches Recherchieren oder Hinterfragen :
    1.Laut Washington Post (ehemals Nutznießer der Snowden-Enthüllungen neben Spiegel und Guardian) ist Edward Snowden neuerdings schon immer ein russischer Agent gewesen . Verfassungschutzpräsident Maaßen lancierte kurz danach die gleiche Überzeugung an die "Qualitätsmedien" , die keinerlei Nachweise einfordern , bzw. sich mit "Geheimhaltung" zufrieden geben und den Quatsch weiterverbreiten ,
    Alleinig Thilo Jung frägt in der Bundespressekonferenz , ob denn von der Bundesregierung ausgeschlossen werden kann , daß auch Maaßen Agent eines fremden Geheimdienstes sein könne (ja , er kann auch nicht das Gegenteil beweisen ..., sein Gehaltszettel wird wohl nich als Beweis ausreichen ).

    Von den "QM" nur Schweigen zur Diffamierung ohne Nachweis.
    Sind diese so dumm , oder wissen alle schon , daß jeder einzelne das nächste Diffamierungsopfer sein kann nebst Privatinsolvenz (netzpolitik.org schon vergessen , lieber Leser?).

    2. Laut "Auslandsjournal " in einem Bericht zu einem israelischen Schieß-Disneyland für nationalistische Überseetouristen in den völkerrechtswidrig besetzten Gebieten soll es Menschenrechtsorganisationen geben , die Israel Menschenrechtsverletzungen vorwerfen .
    Aber so ganz sicher ist die Existenz dieser Organisationen nicht , gell ? Und die "Menschenrechtsverletzungen" sind dann ja fast schon an den Haaren herbeigezogen .
    Es gibt wohl locker an die 100 Organisationen , die Israel Menschenrechtsverletzungen nicht nur nicht vorwerfen , sondern dies über 69 Jahre dokumentiert haben .Vor allem sind dies israelische ,internationale , palästinensische ( "wir" wollen diese ja gerne aus kolonial-rassistischer Ideologie nicht gerne erwähnen ) NGOs (z.B. AI, HRW, Medico Int. , B`etselem, Breaking the Silence , ICAHD, machsomwatch , zochrot , IPPNW uvm.), UNO-Organisationen , das Rote Kreuz , der IGH , die "neuen " , - neu weil jünger und sich auf freigegebene Dokumente der israelischen Armee sich stützenden -, israelischen Historiker (Moshe Zuckermann , Ilan Pappe, Moshe Zimmermann , Shlomo Sand , Ben Morris ),
    jüdisch-orthodoxe Gemeinden und Organisationen , Armee - Veteranen und Aktiven-Verbände (siehe NGO-Monitor , eine indirekt staatlich finanzierte Seite , die israelkritische NGOs listet , kategorisiert und diffamiert ), ja sogar Zionisten .

    Jüdische und internationale höchst angesehene Intellektuelle und Friedensnobelpreisträger ( Nelson Mandela , Bischof Desmond Tutu , Jimmy Carter , Judith Butler , Noahm Chomsky -10 jahre Einreiseverbot- , Hedy Epstein , Rolf Verleger , Henning Mankell , Albert Einstein , Hannah Arendt , Erich Fried , Felicia Langer , Reuven Moskowitz , Miko Peled , Richard Falk , Jeff Halper , Amira Hass , Norman Finkelstein - 10 jahre Einreiseverbot- ,
    Stephen Hawkins , Seth Morrisson , Lilian Rosengarten , Slavoj Zizek , und unendlich weiter so. ; auf der anderen Seite Netanjahu ( "der Mufti von Jerusalem sei am Holocaust schuld , hätte dies Hitler souffliert" -schon vergessen ?) , Olmert, Katzav (sitzen im Gefängnis) DIG, Antideutsche,...

    3. Kolumbienberichterstattung nach dem Scheitern der Abstimmung zum Friedensvertrag mit der FARC: Selbstverständlich hat die FARC Verbrechen begangen , bloß lt. Menschenrechtsorganisationen haben die rechten Paramilitärs/AUC am meisten Todesopfer unter der Zivilbevölkerung auf dem Gewissen ,vor Armee und Farc und ELN.
    Sie haben sich von Anfang an mit Kokain finanziert und Chiquita u.a. Konzerne haben Ihr "Schutzgeld" zukommen kassen . Der Vorgängerpräsident war laut LeMonde diplomatique -Artikeln im Drogengeschäft involviert und nutze die AUC -Todesschwadrone . In lettre International gab es einmal einen aufschlußreichen Artikel einer kolumbianischen Journalistin zu alldem . Krönung davon war : Es existiert eine Vereinigung von Müttern, - aus ärmlichsten Verhältnissen- , deren Söhne auf Rekrutierungs-Anzeigen der Armee sich gemeldet , nach Norden zur "Armee"/AUC gebracht , in irreguläre Uniformen gesteckt und dann im Busch ohne Umstände exekutiert worden sein sollen. Dies zur Aufhellung der Erfolgsstatistik im Kampf gegen die FARC.
    Auch , daß es bereits einmal ein Friedensabkommen gegeben hat , und die in politische Ämter gelangten amnestierten FARC-
    Funktionäre dann liquidiert wurden , oder warum überhaupt für einige Personen die Notwendigkeit bestand militant zu werden,
    haben all diese "QM"- Berichte zu "Kolumbien" und ihrem Friedensnobelpreisträger Santos "vergessen". Auch , daß die AUC gar nicht Bestandteil des Vertrages wurde .
    Dazu wäre noch eine in Vergessenheit geratene Episode erinnernswert : Der Leibwächterskandal , bei dem Obamas Bodyguards bei dessen Besuch vor 1-2 jahren umsonst die Dienste von Prostituierten eines Drogenkartells in Anspruch nehmen durften , hätte in einem ausgewogenen Bericht alle oben erwähnten Punkte inhaltlich unterstrichen .
    Eine Hauptsache , die deutlich zu kurz kam , wenn überhaupt erwähnt ,war aber , daß der Friedensvertrag mit Vermittlung Kubas zustande kam .

    4. Die vielen Nachrichten , die eigentlich für mehrere Tage eine Schlagzeile wert gewesen wären :
    - Dopingskandal /Aushebung eines Dopinglabors in London mit ähnlichen Ausmaßen wie der Cifuentes-Fall in Spanien , der nur geringfügig angegangen wurde ; beide mit Verbindungen auch in den Tennis- und Fußballsport. Von dem Londoner Fall hört man rein gar nichts mehr. Aber Rußland , Rußland , Rußland . So kompliziert ist die Welt nicht . wer die meisten Medaillen gewinnt hat wahrscheinlichst auch am meisten gedopt . Ein Vortrag von Prof. Werner Franke erhellt: Die C-Partei war in D immer am geilsten auf Medaillen mit allen Mitteln . Davon hört man auch nichts mehr .
    Gott sei Dank gibt es ja die Mißbrauchsfälle im britischen Fußball jetzt . FIFA, Beckenbauer und Co. werden sehr schnell vergessen sein.

    Über die jahrelangen Vergewaltigungen , Mißbräuche und Fälle von Folterungen durch britische Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und der Medien , wie z.B. Tommy Saville an ca. 80 Minderjährigen gab es nicht einmal eine Headline auf einer 1. Seite in einer der deutschen "QM".

    Konsequenzen aus der Bankenkrise 2008 , Tobinsteuer , dem Steuerhinterzieherskandal vor ca.2-3 jahren mit dem deutschen Südafrikaner/vermögensberater als Whistleblower (schon vergessen?), den Panama-Papers oder Nachhaken der "QM" warum nichts passiert ? Fehlanzeige .
    Apropos panama-papers : Putin soll ja keine gehabt haben , aber Leute aus seinem Umfeld , war die 1. Meldung dazu . Sehr aufschlußreich . Später kam dann noch der neue argentische "konservative" Präsident und der "konservative" Cameron dazu.Natürlich nur im Nachgang und ganz zahm . dabei wäre der Regierungschef eines EU-Mitgliedslandes die Hauptschlagzeile gewesen , nicht die eines russischen autokratischen Präsidenten , von dem man eh nichts Gutes erwartet, und der selbt gar keine Papers gehabt haben soll. Ach ,übrigens .... haben Sie irgendwo den Namen eines US-Amerikaners im Zusammmenhang mit den Panam-Papers gelesen ? Na ,Panama ist ja soweit weg von der USA und auch niemals unter irgend einem Einfluß gestanden , daß diese Idee so absurd ist , daß es keinem "QM"ler aufgefallen ist.Außerdem hinterziehen die ihre Steuern , genauso wie internationale Steuerhinterzieher/Firmen , ganz bequem in ihrem kleinen aber feinen Bundesstaat Delaware. Da gibt es ein Bürohaus mit 20 000 Firmen , die dort alle ihren Sitz haben . Aber vielleicht sollte ich die Le Monde Diplomatique nicht mehr am einzigen Stand der Stadt kaufen , an dem sie erhältlich ist. Zu viele Informationen , die sich über die Zeit in eventuell falsche Zusammenhänge einordnen lassen .
    Davor rmüssen sich Journalisten schützen und Zufallstheorien sind heutzutage weniger angreifbar als jemals zuvor.
  • Schwabe
    am 19.12.2016
    Kontext möchte eine Lanze brechen, "Nicht für alle, aber für manche". Mir gefällt besser "Nicht für viele, aber für manche"

    "Einseitige Berichterstattung ist ein schwerer, äußerst schwerer Vorwurf gegen die Medien. Denn wenn sie uns einseitig informieren, hindern sie uns an freier Meinungs- und Willensbildung. Wir können zu keiner richtigen Einschätzung, keinem gerechten Urteil kommen, wenn wir nicht über beide Seiten, auch und gerade über die Gegenseite wahrheitsgemäß informiert werden. Nur so wird Verständigung möglich, Interessenausgleich, friedliche Konfliktlösung." - Auszug aus u.g. Link.

    "Zum Gedenken an Eckart Spoo ein Video mit seiner Presseschau zum Unwort „Lügenpresse“"
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=36317#more-36317

    Ich persönlich bezweifle, dass z.B. die herrschende bürgerlich neoliberale Politik in Deutschland (als Ganzes, als Regierungsapparat betrachtet), unterstützt durch die Leitmedien (ebenfalls als Ganzes, als Medienapparat betrachtet) und gelenkt durch die wirkmächtige, radikal am Profit orientierte Wirtschaftslobby, an einer friedlichen Konfliktlösung - insbesondere mit Russland - arbeitet, geschweige denn daran interessiert ist. Der Grund hierfür ist m.E. einzig und allein darin zu suchen, weil jeder einzelne und verantwortliche Mensch in der Politik, dem Medienapparat und in der "Wirtschaft" nur kurzfristig, an sich und seinen persönlichen und finanziellen Erfolg (zu seinen Lebzeiten) denkt!
    Es ist also wichtig zu unterscheiden, dass der einzelne Mensch (Funktionär) sicherlich Frieden und investigativen Journalismus möchte, in seiner Funktion als Teil eines ganzen jedoch Krieg, einseitige Berichterstattung und Ungerechtigkeit fördert.
    Das hat auch in der Zeit der Nazis schon so funktioniert (keiner fühlt sich verantwortlich und jeder (Funktionär) macht nur seinen Job). Für die Richtung eines eingeschlagenen Weges fühlt sich niemand mehr verantwortlich bzw. jeder meint daran nichts ändern zu können.
  • adabei
    am 18.12.2016
    Da ist es also wieder das beliebte Querfront-Argument, das gerne von dort kommt, wo die Mitte der Gesellschaft ihr warmes Plätzchen gefunden hat. Wenn man die Querfront-Keule schwingt und sie dann vielleicht noch mit dem Sahnehäubchen „Verschwörungstheorie“ garniert, dann trifft man gleich alle, mit deren Argumenten man glaubt, sich nicht mehr auseinandersetzen zu müssen. Wo ist da noch der Unterschied zu pauschalen Lügenpresse-Vorwürfen?

    Auch eine Sonja Mikich, deren Haltung ich sonst sehr schätze, kann mal daneben liegen, das liegt in der Natur der Sache. Und sie deshalb zu kritisieren hat nichts mit links, rechts oder Querfront zu tun. Genauso wenig wie wenn man sich auch die „andere Seite“ auf RT anhört – oder Ken Jebsen oder auch Fox News. Es kann nie schaden, ein breites Meinungsspektrum zu kennen und auch die Abhängigkeit seiner Protagonisten. Dies dann persönlich zu analysieren und zu bewerten, bedeutet natürlich eine gewisse Arbeit, die einem niemand abnehmen kann. Höchstens vielleicht Facebook-Welterklärer oder die Fake-News aus dubiosen Internet-Quellen. Aber Dummheit lässt sich leider nicht verbieten – höchstens bedienen.

    Und dass Wissenschaftler wie Rainer Rothfuß oder Daniele Ganser an ihren Hochschulen nicht gerne gelitten sind, weil sie das atlantisch geprägte Mainstream-Feindbild durchbrechen und sich als Friedensaktivisten verstehen, ist vielleicht die andere „dunkle Seite der Macht“. Oder ein anderes Beispiel ist der Ökonom Niko Paech, der eben nicht der inneren Logik der neoliberalen Wachstumsideologie folgen kann und will. Andere Beispiele gibt es zur Genüge.
    Also: Missliebige Argumente zu verunglimpfen dient nur dazu, das Bestehende zu zementieren. Man muss sich mit ihnen auseinandersetzen – auch wenn es manchmal weh tut.
  • Gela
    am 17.12.2016
    Lieber Schwabe, Ihre Argumente gegen die Presse treffen aber nicht! Sie verwechseln offenbar Kritik an politischen Aussagen oder Vorhaben mit der Kritik an der Presse, die darüber berichtet!

    Über die Problematik einer (Teil-) Privatisierung der Autobahnen wurde z.B. kritisch sowohl in der" Süddeutschen" wie auch in den (sehr bürgerlichen)" Stuttgarter Nachrichten" berichtet. Letztere berichten auch durchaus sachlich über die Probleme bei Stuttgart 21, selbst wenn sie das Projekt eher unterstützen. Auch die Streichung wichtiger Passagen im Armutsbericht der Bundesregierung kann nicht den Zeitungen angelastet werden, wenn sie darüber berichten. Und über die Vorwürfe über Cyberangriffe aus Rußland lese ich, daß dafür bisher keine Beweise vorgelegt wurden. Das nur ein paar der von Ihnen zitierten Beispiele, wo Zeitungen sachlich berichten.

    Journalisten leiden darunter, daß immer mehr Leute sich nur noch im Internet informieren, das zwar schneller berichtet, aber dafür schlechter recherchiert. Das kostet Stellen und bedeutet, daß gründliche Recherchen immer schwieriger werden. Aber es gibt sie und man kann gut informiert werden sowohl über Skandale als auch über gegrüßenswerte politische und gesellschaftliche Ereignisse , auch über unterschiedliche Sichtweisen zu einem Problem: Zeitungslektüre ist ein wichtiges Korrektiv und erweitert den eigenen Horizont. Deshalb wird unabhängiger Journalismus ja von allen Diktatoren so gefürchtet und so schnell wie möglich ausgeschaltet.
  • Schwabe
    am 16.12.2016
    Man kann das in der Vorweihnachtszeit ja irgendwie vielleicht schon machen, das mit der Lanze brechen für "die Medien". Doch m.E. kann das keine große Lanze sein - eher ein Zahnstocher - mit der man da in die Schlacht zieht. Insbesondere dann nicht, wenn man mit "die Medien" unsere führenden sogenannten Leitmedien/Hauptmedien meint.

    Beispiele gefällig?

    FAZ und Verfassungsschutz im „Fake News“-Strudel
    Russland verübt Cyberangriffe auf deutsche Politiker und den Bundestag, sagt der Verfassungsschutz. Belege präsentiert er nicht. Die FAZ druckt es trotzdem. Wie „postfaktisch“ sind die Leitmedien? (…) In dem auf Seite 1 veröffentlichten Artikel werden neue „präzise Erkenntnisse“ zu einer direkten Verantwortung des russischen Staates behauptet, diese dann aber nicht genannt, so dass die Vorwürfe nicht überprüfbar sind und damit spekulativ bleiben. Zugleich werden die Verdächtigungen mehr oder weniger als bewiesene Tatsachen präsentiert. Das ist, so darf man sagen, hart an der Grenze zum Verbreiten von „Fake News“. Denn wo ist die Garantie für die Leser, wo zumindest die unabhängige journalistische Überprüfung, dass die vom Verfassungsschutz lancierten Vorwürfe überhaupt fundiert sind und der Wahrheit entsprechen?
    Quelle: Paul Schreyer bei Telepolis

    "Unsere Hauptmedien sind in einem jämmerlichen Zustand. Sie manipulieren schamlos. Aber sie glauben, sie seien die Speerspitze der Aufklärung. Wie geht das?"
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=36291#more-36291

    "Sonja Mikichs Angriff auf die Presse- und Meinungsfreiheit ist ein Angriff auf uns alle"
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=36265
  • Bernd Oehler
    am 16.12.2016
    Ich möchte noch ein positives Beispiel nachtragen: am Dienstag veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung einen ausgezeichneten Artikel von Armin Nassehi mit dem Titel »Wer ist Schuld am Rechtspopulismus?«. Online nur gegen Bezahlung abrufbar, aber man kann ja auch mal die gedruckte Zeitung lesen.
    Letztere hat übrigens im Gegensatz zur Online-Version den Vorteil, dass nur handverlesene Leserbriefe veröffentlicht werden, deren Verfasser einem nicht mit elektronischer Burka gegenübertreten.
  • Schwabe
    am 16.12.2016
    Und wie steht es hier um die Aufklärung?:

    Der Autobahnbau wird per Grundgesetzänderung privatisiert – und viele Schulen gleich mit!
    http://www.annotazioni.de/post/1964

    Gelenkte Wirklichkeit: Bundesregierung streicht brisante Stellen aus Armutsbericht
    https://www.heise.de/tp/features/Gelenkte-Wirklichkeit-Bundesregierung-streicht-brisante-Stellen-aus-Armutsbericht-3572521.html

    Dazu: Oskar Lafontaine zu Armuts- und Reichtumsbericht
    Das gibt’s doch nicht.
    „Die Wahrscheinlichkeit für eine Politikveränderung ist wesentlich höher, wenn diese Politikveränderung von einer großen Anzahl von Menschen mit höherem Einkommen unterstützt wird.“
    Man reibt sich die Augen. Dieser Satz stand (!) in der ursprünglichen Fassung des Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung. Jetzt wurde er gestrichen.
    Dabei war er revolutionär. Er hat die neoliberale Politik der letzten Jahrzehnte und die Machtstrukturen dieser Gesellschaft vornehm auf den Punkt gebracht: Was die Reichen wollen, wird gemacht; was sie nicht wollen, nicht – wie bei der Erbschaftssteuer, bei der Vermögenssteuer, bei Ceta, beim Mindestlohn, der so niedrig ist, dass man davon keine anständige Rente kriegt, und so weiter.
    Er legt auch den Schluss nahe, dass wir in keiner Demokratie leben. Denn eine Demokratie ist eine Gesellschaft, in der sich die Interessen der Mehrheit durchsetzen. Und da die Mehrheit kein höheres Einkommen hat, setzen sich auch bei uns die Interessen einer Minderheit durch.
    Wenn man diese Erkenntnis ernst nähme, dann müssten alle Sonntagsreden, Weihnachtsbotschaften, Neujahrsansprachen und staatserhaltenden Leitartikel unserer „Eliten“ umgeschrieben werden.
    Und deshalb kann diese Wahrheit nicht regierungsamtlich festgestellt werden. Wo kämen wir da hin? Und deshalb wird Merkel weiter sagen: „Deutschland geht es gut“, weil die selbsternannten Eliten in Regierung und Medien die Mehrheit, die nicht „höhere Einkommen“ hat, aus dem Auge verloren haben.
    Und die „Alternative für Deutschland“ (AfD)? Sie will, dass sich daran nichts ändert. Sie will keine Reichensteuern und einen schwachen Sozialstaat. „An einer weiteren Verlängerung der Lebensarbeitszeit führt kein Weg vorbei“ und wir werden „über eine weitere Kürzung der Renten reden müssen“ (Frauke Petry).
    Solange Parteien gewählt werden, die ein gerechtes Steuersystem und einen soliden Sozialstaat ablehnen, wird das so bleiben. Und die Armuts- und Reichtumsberichte der nächsten Jahre werden nach dem Motto verfasst sein, dass nicht sein kann, was nicht sein darf.
    Quelle: Oskar Lafontaine via Facebook
  • Fritz
    am 15.12.2016
    Ja wie, ausgerechnet das "Singvögelchen" der politischen Ausgewogenheit verweist hier mal nicht auf seinen "Aufklärungsblog"?
  • Bernd Oehler
    am 15.12.2016
    Ach ja, die Qualitätsmedien – leider stehen sie nicht durchgehend für Qualität, sondern mitunter auch für Qual. Ich greife mal tief in die Geschichte: am Beginn der Eskalation des Vietnamkrieges mit Bombardierungen Nordvietnams durch die USA stand eine glatte Lüge, erfunden übrigens von der NSA. In welchem Qualitätsmedium würden wir denn im Archiv eine Darstellung finden, in der die nordvietnamesische Zurückweisung der US-amerikanischen Anschuldigungen korrekt wiedergegeben wurde? Die Springerzeitung »Die Welt« schrieb am 22.1.1998: »Es begann mit einer Lüge. Sie war die teuerste und schmerzhafteste, mit der je ein amerikanischer Präsident seine Nation betrog. Ihr Preis: 58 134 tote amerikanischen Soldaten, 303 000 Verwundete. Sie ließ 7,8 Millionen Tonnen Bomben explodieren - mehr, als im gesamten Zweiten Weltkrieg eingesetzt wurden. Zugleich plünderte sie die amerikanische Staatskasse um 212 Milliarden Dollar. Die Lüge: Sie wurde inszeniert am 4. August 1964 am Golf von Tonkin. Zwei Tage zuvor hatten dort nordvietnamesische Schnellboote den amerikanischen Zerstörer "Maddox" attackiert. Der Angriff wurde abgeschlagen. Der Lügner: Präsident L. B. Johnson. Er meldete dem Kongreß, die Vietnamesen hätten soeben zum zweiten Mal den Zerstörer beschossen. Der Angriff war erfunden. Johnson jedoch erhielt mit dieser Lüge den Freifahrtschein zum Vietnamkrieg.«
    Leider griff die »Welt« bei der Gelegenheit nicht ins eigene Archiv und prüfte, wie das Blatt 1964 über den Vorfall berichtet hatte.
    Das Beispiel lässt sich fortsetzen, über die Lügen zu Beginn des Golfkrieges, des Jugoslawienkrieges, der Invasion in den Irak.

    Wer nach Themen sucht, in denen die Qualitätspresse deutsche Fakten eher quält, wird bei Gerd Bosbach fündig (www.luegen-mit-zahlen.de). Jede Meldung über Renten oder Arbeitslosigkeit in der deutschen Presse basiert auf dubiosen Zahlen oder Annahmen und vor Weihnachten geraten die Medien wieder außer sich über den GfK-zertifizierten Konsumrausch der Deutschen – die Zahlen des Einzelhandels zeichnen hinterher dann wieder ein etwas gedimmteres Bild. (Notabene: man schaue sich die derzeitigen Rabattorgien im Einzelhandel an!)
    Die Bundesregierung fummelt sich traditionell ihren widerwillig erstellten Report über die Armut in Deutschland so zurecht, dass die Satten und Wohlständigen nicht allzu sehr gestört werden. Der Aufschrei in Qualitäts- und sozialen Medien hält sich in Grenzen.

    Dass besorgte Bürger voller Angst seien – da nicken, wenn auch bekümmert, auch Qualitätsmedien. Haben die mal gegengecheckt, wie viele der Angstbürger sich die Notrationen als Vorsorge gegen den Terrorismus (vor dem bekanntlich besonders viel Angst gehabt wird) zugelegt haben?

    Gewiss, es gibt auch Gutes und im besten Sinne Aufklärerisches zu lesen in der Qualitätspresse, Sie haben die Beispiel genannt. Ebenso hartnäckig schreiben aber die jeweiligen Wirtschaftsressorts an jenen Fakten vorbei, die im Lokalressort vor Weihnachten zu den branchenüblichen Hilfswerken führen und wo Einzelfall auf Einzelfall zeigt, was die im Wirtschafsressort gehätschelte neoliberale Ideologie für Folgen zeitigt. Wie halten das die CvDs eigentlich aus ohne schizophren zu werden?

    Wer informiert sein will, ist gut beraten, auch ausländische Medien heranzuziehen, le monde diplomatique etwa, die Schweizer woz, den Guardian oder Independent aus England, Mother Jones oder The Nation aus den USA. Eine Darlegung der syrischen Opposition, wie sie etwa im aktuellen monde diplomatique zu lesen ist, gibt es in der einheimischen Qualitätspresse nicht – dafür ist neben Aleppo wohl kein Platz.

    Ein leider ungesichertes Zitat legt Mahatma Gandhi als Antwort auf die Frage »What do you think of western civilization?« in den Mund: »Oh, I think that would be a very good idea!«
    Qualitätsmedien – eine prima Idee! Es wäre an der Zeit dass jene, die sich dafür halten, sich auf den Weg machten es zu werden.
  • Kura
    am 15.12.2016
    @Die Lerche
    Wenn ich Ihren Kommentar lese, frage ich mich, "wes Lied Sie singen"? Oder soll das Satire sein? Die Wahrheit und nichts als die reine Wahrheit wird also in den "Qualitätsmedien" geschürft?
    Wie war das noch mal mit den Massenvernichtungswaffen im Irak, die als Begründung für den Irakkrieg angeführt wurden, welcher zum Tod Hunderttausender führte?
    Oder die Darstellung von Slobodan Milošević, dem "Schlächter vom Balkan", der in diesem Jahr vom International Criminal Tribunal for the former Yugoslavia (ICTY) posthum freigesprochen wurde? Um nur zwei Beispiele zu nennen.

    Eine kritische linke Gegenöffentlichkeit, gern auch abseits der "Qualitätsmedien", ist in diesen Zeiten wichtiger denn je.
    Kritik an der linken Gegenöffentlichkeit geht offenbar nur noch mit dem unvermeidbaren Etikett "Querfront". Die NDS verlinken auf Ken Jebsen, welcher vor Jahren mal Jürgen Elsässer ein Interview gegeben hat. (Dass Jebsen sich von Elsässer inzwischen distanziert und nichts mehr mit ihm zu tun hat - geschenkt). Außerdem macht man sich ja automatisch mit jemandes Positionen gemein, wenn man diesen interviewt, ist doch klar. Damit sind die NDS und Jebsen irgendwie rechts und man braucht sie nicht mehr ernst nehmen.

    Was genau stört sie denn an dem Artikel zum Kommentar von Sonja Mikich? Finden Sie Zensur gut, ist es das?

    Und warum darf man nicht auf RT-Deutsch verlinken? Jeder weiß doch, dass das Medium vom Kreml bezahlt wird, also kann man die Nachrichten doch einordnen? Das Problem ist, dass manche "Qualitätsmedien" nicht so leicht erkennen lassen, dass sie NATO-Propaganda betreiben.

    Echte Qualitätsmedien, die noch kritischen Journalismus betreiben, wie KONTEXT, möchte ich von meiner Rundumschlag-Kritik hiermit ausdrücklich ausnehmen.

    Die Bücher von Daniele Ganser erscheinen übrigens im Orell Füssli Verlag. Man kann sein bekanntestes aber z.B. über Kopp bestellen. Genauso wie Sebastian Fitzeks Thriller. Der gehört bestimmt auch zur Querfront!
  • Die Lerche
    am 15.12.2016
    Man kann nur immer wieder unterstreichen, wie wichtig die Qualitätsmedien, Zeitungen, öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten in Zeiten des Postfaktischen sind.

    Das Internet dient dabei als Beschleuniger der Desinformation. Jeder, der sich für befugt hält, kann seine Sicht auf die Realität, aber auch bewusste Falschmeldungen an die Öffentlichkeit bringen und wird Tausende finden, die ihm in seinen Ansichten folgen. Fakten auf Plausibilität und Wahrheit zu überprüfen, das leisten in vielen hundert Redaktionen Journalisten. Kontext hat sich eingereiht in die Tradition des kritischen Journalismus. Das dabei mal was in die Hose gehen kann, ist nur verständlich (siehe Interview mit der Heilsgestalt der Linken, Sarah Wagenknecht). Eine kritische Leserschaft, hilft zur Korrektur oder zur Ergänzung. Das ist gut so.

    Leider gibt es in der alternativen „linken“ Medienwelt bekannte Stimmen, die aus vollem Rohr gegen Journalisten der großen Zeitungen ihre Meinung in Stellung bringen. Exemplarisch sollen hier die Nachdenkseiten genannt sein. Was da im letzten halben Jahr an „Anprangerung“ erfolgte, lässt die Frage aufkommen, wes Lied sie singen. Ein neues Beispiel der Querfront gegen die bürgerliche Presse liefern sie mit der Berichterstattung zu einem Kommentar der Chefredakteurin Sonja Mikich des WDR:
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=36265

    Gleichzeitig verlinken die Nachdenkseiten auf Quellen wie Russia Today, KenFm und andere Anhänger einer Querfront-Idee. Trollfabricken der Russen? Alles Propaganda! Lügenpresse unterdrückt kritische Autoren? Da veröffentlicht Ken Jebsen schon mal ein Interview des Kopp-Verlag-Autors Udo Ulfkotte, der von der „dunklen Seite der Macht“ der Medien berichtet oder mit dem allpräsenten Kopp-Autor Daniele Ganser.

    Es ist zu begrüßen, dass die Kontext Redaktion mit offenen Augen durch die Medienlandschaft geht und nicht auf dem schwarz-weiß-Pfad wandelt. Respekt! Weiter so!
  • Insider
    am 14.12.2016
    Diejenigen, die die Skandale aufdecken, will man nicht nur bestrafen, sie werden verschiedentlich auch bedroht! Hut ab, dass sie trotzdem ihre wichtige Aufklärungsarbeit fortsetzen.
  • pebo
    am 14.12.2016
    Diejenigen, die die Skandale aufdecken, will man bestrafen, aber diejenigen, die die Straftaten und Sauereien begehen, will man schützen.

    Jeder Normalbürger, Arbeitnehmer, Rentner, Handwerker wird für jeden Cent zur Rechenschaft gezogen, der, z.T. durch Verschulden der Finanzämter, evtl. zu spät gezahlt wurde, während bei den Millionären abgewartet wird, bis die Steuerschuld verjährt ist.

    Und diejenigen, die ein solches System schützen, so z.B. Schäuble, nennen sich christlich, dabei sind solche Staaten, die keine Gerechtigkeit kennen, wie der Kirchenlehrer Augustinus schon sagte, eine Räuberbande.

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