KONTEXT:Wochenzeitung
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Vom Winde verweht

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Das Lob kam von höchster Stelle im Haus. "Report Mainz" setze immer wieder "Maßstäbe für investigativen Journalismus", befand SWR-Intendant Peter Boudgoust, und diese Kompetenz wolle er künftig "noch stärker in den Fokus rücken". Das war im April diesen Jahres, anlässlich des 50. Geburtstags des Magazins. Gut gebrüllt, Löwe, sind wir geneigt zu sagen, weil auch Kontext nichts gegen diesen Journalismus hat. Aber was war an der Windkraft-Reportage von "Report Mainz" investigativ, wodurch wurde sie dem eigenen Anspruch, die Wahrheit dahinter zu enthüllen, gerecht?

Unser Autor Jürgen Lessat, der sich seit Jahren mit Energiepolitik beschäftigt, ist diesen Fragen nachgegangen und zu einem klaren Ergebnis gekommen: Wahrheit vom Wind verblasen. Nach der öffentlich-rechtlichen Attacke gegen die Windenergie fragt er sich, ob in den (klimatisierten) Funkhäusern keiner schwitzt, keiner die Nachrichten über den Klimawandel und seine Folgen liest – Stürme, Überschwemmungen, Missernten, Klimaflüchtlinge. Die NASA meldet jetzt den wärmsten Juli ever. Dass das CO2 damit zu tun hat, dass fossile Brennstoffe durch erneuerbare Energien ersetzt werden müssen, deren Arbeitspferd wiederum die Windkraft ist, das dürfte inzwischen Allgemeingut sein. Siehe dazu diesen Link.

Warum stellt das SWR-Magazin diesen Zusammenhang nicht her, macht nicht, was sein Chef Fritz Frey verspricht: "Wir liefern den Hintergrund zum aktuellen Vordergrund"? In 30 Minuten wäre dafür Platz. Die Versicherung des SWR, mit dem Film sei weder die Energiewende noch die Windkraft infrage gestellt worden, heilt diesen Fehler nicht. Im Gegenteil, der Beitrag macht genau dies. 

Eine Erklärung dafür, keine Entschuldigung, gibt der Fernsehmarkt selbst her. Sprich, die unselige Quote, das Maß aller Dinge. In der ARD kämpfen sechs Politmagazine um Aufmerksamkeit und gegen schwindende Zuschauerzahlen. Sie tun es, indem sie nach Exklusivem, Skandalösem und emotional Aufgeladenem jagen, was in dem aufgeheizten Medienmarkt auch die Manipulation einschließt. In dieser Konkurrenz wird gerne auf Krawall gebürstet, nach dem Einmaligen und Einzigartigen gesucht, um häufig dort zu enden, was der Medienwissenschaftler Bernd Gäbler, der alle sechs Magazine untersucht hat, so beschreibt: "Einseitige, vorurteilsbehaftete Interpretation" der Wirklichkeit. Das aber ist nicht der Job eines öffentlich-rechtlichen Gebührensenders.

Es geht nämlich auch anders: Wir empfehlen Hermann G. Abmayrs Beitrag ("Kampf um Leiharbeit") im ARD-Wirtschaftsmagazin "Plusminus". Für Kontext hat er seine Recherchen in einen erweiterten Text gefasst.


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12 Kommentare verfügbar

  • someonesdaughter
    am 19.08.2016
    Antworten
    @Karl-Heinz Krummeck:

    "Und in Frankreich ???
    Und im EU-Durchschnitt ???"

    Ich nehme ja an, dass Herr Silber sich schlicht vertippt hat (das passiert, Ihnen ja auch – Sie tippen dauernd unnötig auf die Leertaste) und statt 2014 eben 1914 geschrieben hat, aber dankenswerter Weise haben Sie ja…
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