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Das grüne Band

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Wunderbar: "Der Schlossgarten in Stuttgart gehört zu einer der prächtigsten Parkanlagen der Stadt", schrieb das Klatschblatt "Bunte" vor zwei Tagen. So stand's in einer frühlingshaften Serie ("Entdecken Sie die Grünanlage") im Internet. Ein Ausflugstipp für alle, die gerne im innerstädtischen Parkidyll promenieren, aufbereitet mit famosen Bildern voll saftigen Grüns nebst Lobgesang auf eine Menge Schatten spendender Platanen. Irgendwie retro, möchte man da meinen, wo braungrau und baumlos schlossgartenmäßig nicht erst seit vorgestern den Trend bestimmt und die bunte Serie an dieser Stelle wohl besser "Entdecken Sie Stuttgarts größtes Loch" heißen müsste.

Das hat uns nicht ruhen und zum Telefonhörer greifen lassen. Was ist da los, "Bunte"? Zumindest euer Hausarchitekt Ingenhoven, der Gestalter des Tiefbahnhofs, hätte euch einen Wink geben können. Des Rätsels Lösung: "Ein Versehen!", hört man aus der Online-Redaktion der Gazette, die seit einem halben Jahr ein neues Redaktionssystem mit alten Texten befüttert. Just vor zwei Tagen war dann der Schlossgarten an der Reihe, geschrieben vor mehreren Jahren und sichtbar veraltet, aber bevor bewusst wurde, dass da was ganz schön faul ist im Staate Stuttgart, hatte Google den Link schon abgegriffen und als aktuell verbreitet. Mittlerweile hat die Redaktion den Text gelöscht. Schade eigentlich. Wo man doch nur ein "e" an "gehört" hätte anfügen müssen.

Auch die evangelische Kirche will ihren Gläubigen Gutes im Grünen tun. Wenn sie im Juni 2015 zum Kirchentag nach Stuttgart strömen, sollen sie das nicht nur tun, "Damit wir klug werden" (offizielles Motto), sondern sich auch wohlfühlen. Sie sollen beieinander sein im Zentrum der Stadt und behende hin und her wandern können. Zum Beispiel zwischen der Innenstadt und dem Cannstatter Neckarpark. Dafür böte sich das "grüne Band des Schlossgartens" an, empfehlen die Organisatoren per Pressemitteilung, nach dessen Durchquerung man sogar "zu Fuß den Neckar überqueren" könne. Das wird den Christenmenschen erquicken, wenn er, geleitet von blauen Rohren, seinen Weg findet zu den Ufern des Neckars und über dessen Wasser läuft, weil ihm womöglich eine Brücke fehlt.


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7 Kommentare verfügbar

  • liane
    am 28.05.2014
    Antworten
    @Hannes Sie scheinen wirklich richtig gut bescheid zu wissen hier in Schuttgart...ein Baustelle 150 m............ Leuze Umbau, Wilhelma Teilschliessung, Rosensteinumbau, blaue Rohre überall.... ja, ja die rechte Einäugigkeit der Proler ist schon bemerkenswert....

    " In kaum einer anderen Großstadt…
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