KONTEXT:Wochenzeitung
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Kontext geentert

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Junger Journalismus: wie geht das? Indem man Kontext den Jungen gibt. Der Kaffeekonsum stieg exorbitant, die Stühle wurden knapp und die Redaktion wurde schlagartig um Jahre verjüngt. Zwölf junge Journalisten der Reportageschule in Reutlingen haben Kontext geentert und diese Ausgabe zu ihrer Zeitung gemacht. Ausgestattet mit dem Auftrag, in ihren Beiträgen in die Zukunft zu blicken.

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Und die Nachwuchskollegen haben sich, angetrieben von einer munter machenden Frühlingssonne, mit Lust auf Experimente, Aufbruch und auf Zukunftsmusik an die Arbeit gemacht. Wir haben das Ruder gerne an die Kolleginnen und Kollegen abgegeben, weil wir Kontext auch als eine Werkstatt verstehen, in der an Neuem getüftelt und gefeilt wird, als Forschungsschiff, das frischen Wind gut vertragen kann.

Dazu kommt, dass wir die Reutlinger Reportageschule für eine ganz wichtige Institution am Medienstandort Baden-Württemberg halten. In einer Zeit, in der die Jungen in den Verlagen oft als billige Arbeitskräfte benutzt werden, ohne sie wirklich für ihre anspruchsvolle Aufgabe zu qualifizieren, schaffen die Reutlinger Verantwortlichen eine solide Grundlage. Das sind die Agentur Zeitenspiegel mit Gründungsvater Uli Reinhardt (dem Kontext-Vereinsvorsitzenden) sowie die Volkshochschule Reutlingen mit Geschäftsführer Ulrich Bausch und dem pädagogischen Leiter Philipp Maußhardt. Zusammen mit renommierten Journalisten geben sie dem Nachwuchs das nötige Handwerkszeug in die Hand. Ethik und Haltung spielen dabei ebenso eine Rolle wie das Erlernen von Reportage, Kommentar und Hintergrundbericht. "Eine komplexe Gesellschaft braucht gute Journalisten", sagt Bausch. Dem stimmen wir zu, und so haben wir bereits 2012 dem Reutlinger Nachwuchs eine Ausgabe übergeben.

Die Absolventen dieser Journalistenschmiede haben über die Jahre wichtige Preise gewonnen, einige sind bei "Spiegel", "Zeit" und "Geo" untergekommen. Und manch einer, wie etwa der langjährige Vorstandschef von Gruner und Jahr, Gerd Schulte-Hillen, meint gar, dass sich die Hamburger Henri-Nannen-Schule und die Reutlinger Reportageschule qualitativ in nichts nachstehen. Die rührigen Schwaben würden sich freuen, wenn das auch bei der Finanzierung so wäre.

Unsere zwölf Kontext-Kollegen auf Zeit sind seit Oktober vergangenen Jahres an der Schule. Sie liefern für Kontext Momentaufnahmen von Innovationen, Visionen und Aufbrüchen . Aber auch von Brüchen und Zäsuren, von zerbrochenen Träumen und von einer durch Krankheit geschrumpften Zukunft, die sich auf die Gegenwart verdichtet. Da ist das Interview mit dem Stuttgarter Architekten Tobias Wallisser, der nicht nur die Ökostadt der Zukunft , sondern mit Stuttgart 22 auch ein alternatives oberirdisches Bahnhofskonzept entwickelt hat. Ein "Hoch auf die Zookunft" nimmt den sorglosen Umgang mit Juchtenkäfer, Mopsfledermaus und anderen aussterbenden Tierarten aufs Korn. Da ist der Selbstversuch, sich im Internet einem Samenspender zu nähern, und das in Zeiten, in denen eine Stuttgarter Schriftstellerin so gezeugte Kinder als Halbwesen bezeichnet.

Auch unser Profi-Wetterer Peter Grohmann wurde entthront und unter dem Motto "Nehmt dies, ihr Ökos" tut sich ein ironischer Blick auf das politische Baden-Württemberg auf. Die Jungreporter sind in die aussterbende baden-württembergische Exklave Büsingen gereist, sie haben sich auf die Fersen digitaler Nachlassverwalter geheftet, sie haben teigiges Albgold geschürft, den Stuttgarter Stadtisten beim Erstellen der Gemeinderatsliste über die Schulter geschaut. Sie machen sich über akribische WG-Bewerbungsgesprächen samt Bewerbungsmappen lustig, berichten von ersten grauen Haaren und davon, wie sich die Zukunft nach einen Sprung ins Wasser plötzlich ändern kann. Sie sind hintergründig, analytisch und unterhaltsam und sie haben einen weiten Bogen in die Zukunft gespannt, die Blattmacher dieser Woche.

Kommenden Mittwoch erscheint die Kontext wie gewohnt mit Beiträgen aus der Redaktion. Und wenn Sie wollen, dass das so bleibt und ab und zu auch ein Forschungsschiff in See stechen kann, unterstützen Sie uns mit einem Soli-Abo. Denn Sie sind unser Rückenwind.


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7 Kommentare verfügbar

  • Tillupp
    am 20.03.2014
    Antworten
    @Fern der Heimat: Ich gebe Ihnen Recht, der Ansatz ist gut aber die Artikel sind alle recht weichgespült. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Es fehlt die letzte Konsequenz. Beim Samenspenden-Artikel fehlt m.e. der Versuch zu dem Spender und eventuell auch den Eltern seiner bisher…
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