Gleich hinter dem Bahnhof in Eislingen, gegenüber der Stadthalle, sieht es noch so richtig nach Industrie aus. Langgestreckte, weißgekalkte Gebäude mit den für ältere Fabriken einst so typischen Schrägdächern. Hier bei Mahle produzieren 240 Männer und um die 20 Frauen Kolbenbolzen für Verbrennermotoren, seien es kleine für Kettensägen, ganz große für Schiffsmotoren oder die für Pkw. Wo heute Kolben gebaut werden, entstand 1864 eine Baumwollweberei: Die Textilfabrik Jung und Sixt gehörte zu den ersten Industriebetrieben am Ort, wie auf einer Tafel vor dem Mahlewerk zu lesen ist. Die Textilindustrie ging irgendwann den Bach runter, seit Jahrzehnten verdient Mahle hier gutes Geld als Autozulieferer. Weltweit beschäftigt der Stuttgarter Konzern 64.000 Menschen an 127 Produktionsstandorten. Dass er mit seinem Fokus auf Verbrenner in großen Schwierigkeiten steckt, ist bekannt, Jobabbau beschlossen. Vor einem Jahr wurde auch der Eislinger Belegschaft mitgeteilt, dass 2026 der Standort dichtgemacht werden soll. Doch er steht noch.
Im Betriebsratszimmer gleich hinter der kleinen Kantine sitzen Antonio Lupo, Betriebsratsvorsitzender, und Holger Engelfried, sein Vize. Beide sind frisch wiedergewählt, beide sind überzeugte IG-Metaller. Das vergangene Jahr habe sie und die Kolleg:innen zusammengeschweißt, erzählen sie. "Im Februar '25 ging es los", sagt Lupo. Der Arbeitgeber verkündete, dass die Eislinger Produktion irgendwohin nach Osteuropa verlagert werden soll. Lupo: "Da sind wir in den Clinch gegangen." Heißt: Betriebsversammlungen ohne Ende. Wortwörtlich. Einberufen, nach drei Stunden unterbrechen, drei Tage später weitermachen – und das immer wieder. So etwas schmerzt den Arbeitgeber, denn Arbeit gab es, die Aufträge waren da und mussten erledigt werden.




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