KONTEXT:Wochenzeitung
KONTEXT:Wochenzeitung

Die grüne Republik

Die grüne Republik
|

Datum:

Guck einer an: Das Land der Schwaben und Badener wird eine "grüne Republik". Neben dem Ministerpräsidenten stellen die Grünen auch den Oberbürgermeister von Stuttgart. (Erschienen am 20.10.2012)

Fritz Kuhn ist mit 52,9 Prozent der Wählerstimmen zum neuen Oberbürgermeister von Stuttgart gewählt worden. Sein erstes Statement: "Ich bin froh, dass die Wählerinnen und Wähler mir das Vertrauen geschenkt haben. Es war ein harter Wahlkampf. Ich bin einer für ganz Stuttgart." Wir sagen: Tschüss Herr Turner (45,3 Prozent) und gute Heimreise. 

Guck einer an: Das Land der Schwaben und Badener wird eine "grüne Republik". Neben dem Ministerpräsidenten stellen die Grünen auch den Oberbürgermeister von Stuttgart, was gemeinhin als das zweitwichtigste Amt gilt. Wann es genau soweit sein wird, mit Winfried Kretschmann, Fritz Kuhn und dem Tübinger Nachwuchstalent Boris Palmer die "grüne Republik" auszurufen, wollte das Staatsministerium nicht verraten. Auch der Ort der Verkündigung stehe noch nicht fest. Klar sei allerdings, "dass es nicht der Turm des denkmalgeschützten Hauptbahnhofs sein wird", da die Bahn nicht für die nötige Sicherheit garantieren könne.

Nach zwei selbst verschuldeten Fehlschlägen (1996 und 2004) haben es Grüne und SPD also geschafft: Die Autostadt bekommt mit Fritz Kuhn den ersten grünen Oberbürgermeister einer deutschen Landeshauptstadt. Was jetzt nichtmehr so sensationell ist - die in Stuttgart erscheinende Wochenzeitung Kontext hatte dieses Ergebnis bereits vor drei Wochen vorhergesagt. Grundlage war eine von ihr in Auftrag gegebene Emnid-Umfrage nach dem Modell der integrierten Stichwahl. Nebenbei bemerkt: Sie wird demnächst auch den Landtag beschäftigen, wie Uli Sckerl, der parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion der Grünen, bei einer Veranstaltung von "Mehr Demokratie e.V." ankündigte. 

Wie Kontext aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr, traf sich Fritz Kuhn schon kurz nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses mit seinem Gegenspieler Sebastian Turner zu einem Vier-Augen-Gespräch. Turner habe sich dabei für den fairen und langweiligen Wahlkampf des Grünen bedankt. Der Neue wiederum bedankte sich für Turners Unterstützung in den beiden Wochen vor dem zweiten Wahlgang. Das  aggressive Auftreten des Berliner Werbers habe wesentlich dazu beigetragen, dass die vielen Nie-wieder-Grün-Wähler sich doch noch überwunden hätten.

Des Weiteren habe Turner eingestanden, dass er sich verschätzt habe. Im Gegensatz zu den Berlinern hätten sich die Stuttgarter nicht von dem Thema "Gängelung der Autofahrer" (City-Maut, Tempo 30) schrecken lassen. In der Bundeshauptstadt habe die Masche noch gezogen und die grüne Kandidatin Renate Künast etliche Stimmen gekostet. "Das ist eben die 'Stuttgarter Republik'", soll Kuhn geantwortet haben. "Freuen sie sich nicht zu früh", habe Turner nach dem kurzen Gespräch gesagt, "in der Villa Reitzenstein geht jetzt schon die Angst um, die Wähler könnten erwarten, dass ihre 'grüne Republik' keine leere Versprechung bleibt."

Schon kurz nach dem Kuhn´schen Sieg kursierte in Stuttgart eine Postkarte mit der Aufschrift "Mappus 2011, Turner 2012, Merkel 2013". Ein Sprecher der Grünen distanzierte sich davon. Dies sei keine Initiative von Fritz Kuhn. Der 57-Jährige wolle nie wieder Wahlkampf machen. Er sei platt. Diesen Eindruck hatte auch ein Gruppe von Fans und Helfern, die nun mit ihrem neuen OB vor dessen Inthronisation Anfang Januar täglich ins Fitnessstudio gehen will. Dabei soll vor allem die Rückenmuskulatur gestärkt werden. In einem speziellen autogenen Training werde sich Kuhn mehrmals täglich einhämmern: "Ich kann's", "Ich bin groß" und "Ich bin größer als Rüdiger Grube." Falls die Maßnahmen nicht ausreichten, werde man an der Universität Freiburg nach geeigneten leistungssteigernden Methoden fragen.

Die Kraft wird Kuhn brauchen. Neben seinen politischen Kritikern von links (Rockenbauch und Co.) droht ihm auch die Wochenzeitung Kontext. Unter einem Plakat, auf dem er mit Kretschmann und Palmer in historischer Pose zu sehen ist, kündigte ihm das Blatt verschärfte Observation an.


PS: So übrigens hätte unsere Alternative zur grünen Titelseite ausgesehen. Schwarz. Mit Brezel. 



Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT!
KONTEXT unterstützen!

Verbreiten Sie unseren Artikel
Artikel drucken


0 Kommentare verfügbar

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare anzeigen  

Neuen Kommentar schreiben

KONTEXT per E-Mail

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochvormittags unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.

Letzte Kommentare:






Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!