Ausgabe 46
Politik

Heilige Maria, hilf!

Von Josef-Otto Freudenreich (Interview) und Martin Storz (Fotos)
Datum: 15.02.2012
"Ich habe gekämpft und verloren", sagt Winfried Kretschmann im Interview mit der Kontext:Wochenzeitung. Mehr als zehn Jahre habe er mit „Herzblut und innerster Überzeugung“ gegen S 21 gestritten. Doch jetzt müsse er das Projekt durchsetzen. Das bereite ihm Pein, sei aber sein "Dienst an der Demokratie". In dem sehr persönlichen Gespräch bekennt der grüne Ministerpräsident, dass sein Amt "härter ist, als ich dachte". Sein Glaube gebe ihm jedoch die Gewissheit, dass "ich als Mensch nicht gescheitert bin, wenn ich als Politiker scheitere". Zuletzt war er in Exerzitien im Kloster Maria Laach.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Kontext-Interview: "Ich habe gekämpft und verloren", sagt Winfried Kretschmann im Interview mit der Kontext:Wochenzeitung. Mehr als zehn Jahre habe er mit "Herzblut und innerster Überzeugung" gegen S 21 gestritten. Doch jetzt müsse er das Projekt durchsetzen. Das bereite ihm Pein, sei aber sein "Dienst an der Demokratie". In dem sehr persönlichen Gespräch bekennt der grüne Ministerpräsident, dass sein Amt "härter ist, als ich dachte". Sein Glaube gebe ihm jedoch die Gewissheit, dass "ich als Mensch nicht gescheitert bin, wenn ich als Politiker scheitere". Zuletzt war er in Exerzitien im Kloster Maria Laach.

Herr Kretschmann, wir hören, Sie leiden unter starken Schmerzen, die Ihnen der unterirdische Bahnhof zufügt. Müssen wir von Phantomschmerzen ausgehen?

Vielleicht ist das kein schlechter Begriff. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass aufgeklärte Menschen wissen, was man in einer Demokratie akzeptieren muss. Wenn ich aber nach der Volksabstimmung über Stuttgart 21 eine Anzeige in der Zeitung sehe, die mir mit sehr pathetischen Worten erklärt, dass die Seele einer Stadt zerstört werde, dann erscheint mir das sehr wirklichkeitsfremd. Die Seele der Stadt ist nicht nur ein Flügel des Bahnhofs und ein Teil des Parks. Wenn man das so auflädt, dann ist schnell die Situation da, in der man sagt: Not kennt kein Gebot. Das hat mich sehr getroffen und gibt mir sehr zu denken.

Die Demonstranten haben sich in der Nacht der Räumung ganz brav verhalten.

Das habe ich zu loben. Das besonnene Verhalten sowohl der Gegner als auch von der Polizei hat das Fundament für den friedlichen Verlauf der Räumung im Schlossgarten gelegt. Nur so kann eine Bürgergesellschaft funktionieren.

Sie haben selbst den Begriff des "Gehörtwerdens" geprägt.

In der Tat. Das große Unternehmen dieser Regierung heißt, das Projekt der Bürgergesellschaft auf die Bühne der Politik zu bringen. Dazu zähle ich auch die Volksabstimmung, die wir in einem schweren Konflikt hinbekommen haben, in dem wir bis an den Rand des Möglichen gegangen sind. Jetzt ruft man diesen Konflikt wieder auf, und ich frage mich, wer solche gesellschaftlichen Konflikte überhaupt noch lösen kann.

Sie wissen, ein stiller Bürger ist kein guter Bürger.

Ich weiß, der Satz stammt von Perikles aus seiner berühmten Leichenrede im peloponnesischen Krieg. Es stimmt ja auch, die aufmüpfige Zivilgesellschaft hat viel erreicht. Ohne sie hätten wir einen Volksentscheid gar nicht einleiten können. Das hat das Ganze in Gang gesetzt und die Republik tief verändert, davon bin ich überzeugt. In Zukunft wird man solche Projekte niemals mehr auf diese obrigkeitsstaatliche Art durchsetzen können, sondern sie werden auf Augenhöhe mit der Zivilgesellschaft diskutiert werden müssen. Sie wird denselben Einfluss auf demokratischen Institutionen bekommen, wie sie starke Lobby- und Interessengruppen schon immer haben. Insofern sind wir auf solche Bürger angewiesen.

Wir haben hier wirklich etwas Durchgreifendes erreicht. Wenn auch nicht in der Sache, das ist das Paradoxe daran. Aber wenn Sie schon Perikles zitieren, dann muss ich auf Sokrates verweisen, der gesagt hat: Den Gesetzen zu gehorchen, daran führt kein Weg vorbei. Und dabei ging es um sein Leben. Trotzdem ist er nicht geflohen aus der Stadt, sondern ließ sich umbringen, obwohl alle wussten und wenige Tage danach das Gespür hatten, dass es eigentlich ein Unrechtsurteil war, welches das athenische Gericht gesprochen hat. Die Frage lautet also: Wer ist die letzte Instanz? Wer soll der Richter sein? Ich halte es nicht mit Platon, der nur Philosophen regieren lassen wollte, und ich glaube auch nicht an die Expertokratie.

An was dann?

An die Demokratie. An was sonst? Daran, dass Bürgerinnen und Bürger Entscheidungen treffen und dass die Mehrheit entscheidet. Und wenn wir hier schon über die alten Griechen räsonnieren, dann muss ich festhalten, dass Politik ein Feld des Handelns ist. Wir sind hier nicht in der Akademie, gehen hin und her und wiegen bedächtig den Kopf. Die Bürger erwarten von uns, dass wir handeln.

Wenn wir die Vielzahl von offenen Briefen betrachten, die zuletzt von S-21-Gegnern an Sie gerichtet waren, dann wird darin genau das bezweifelt. Irritiert Sie das?

Ich frage mich immer: Habe ich genug getan? War alles richtig? Bei Stuttgart 21 sehe ich nicht, dass wir schwere Fehler gemacht haben. Kleine macht man dauernd.

Können Sie nachvollziehen, dass die Gegner Ihr Beharren auf dem Ergebnis der Volksabstimmung als Totschlagargument empfinden?

Es ist ein Totschlagargument, und das darf man auch so empfinden. Daran sieht man, dass direkte Demokratie nicht nur Charme hat, sondern auch bitter und ungemein hart sein kann. Danach gibt es keine wirkliche Instanz mehr, wenn wir das Bundesverfassungsgericht mal außen vor lassen. Populus locutus, causa finita.

Winfried Kretschmann war nach der Volksabstimmung wie geplättet.Da helfen dann auch keine Wunder mehr, auf die Sie so sehr gehofft haben.

Das stimmt. Ich räume ein, dass ich von dem Stuttgarter Ergebnis der Volksabstimmung wirklich geplättet war. Ich habe zwar gemerkt, dass in großen Teilen der Bevölkerung Ermüdungserscheinungen eingetreten waren, habe aber gedacht, dass es noch einmal richtig hochgehen würde vor dem Entscheid. Heimlich habe ich gehofft, dass wir eine Beteiligung wie bei der Bundestagswahl hinbekommen könnten. Das ist aber dann doch nicht der Fall gewesen, auch wenn die Wahlbeteiligung sehr hoch war. Vielleicht haben wir alle, die wir mitten dringesteckt haben in dem Konflikt, übersehen, dass die Menschen auch andere Sorgen haben können. Man könnte von einer unvollständigen Wahrnehmung oder einem Tunnelblick sprechen.

Selbst Peter Conradi, einer der schärfsten S-21-Kritiker, meint, sie hätten sich zu sehr an der Zahl der Demonstranten berauscht.

Das ist die Dialektik solcher Protestaktionen. Viele können nicht mehr loslassen, weil sie den Kampf gegen das Projekt zu ihrem Lebensinhalt gemacht haben. Das habe ich nicht zu kritisieren, weil Proteste darauf angewiesen sind, über Durststrecken hinweg von diesen Menschen wachgehalten zu werden. Andererseits führt das zu Fehlwahrnehmungen. Aber es gibt sie eben auch, die stillen Bürger des Perikles, und ihre Stimme wiegt gleich viel wie die der lauten.

Sie waren selbst einmal Teil des S-21-Protests.

Aber ich habe mich schon sehr früh gegen das Skandieren von "Lügenpack" gewandt. Wäre die Mehrheit die Wahrheit, würde ich als Minderheit in einer Gesinnungsdiktatur leben. Das überfordert die Demokratie, die im Grunde eine schlichte Veranstaltung ist. Sie entscheidet Gott sei Dank nicht über Wahrheit, sondern über Alternativen, für die sie Mehrheiten finden muss. Ein besseres Prinzip ist bisher niemandem eingefallen. Auch Friedrich Schillers Satz, "Vernunft ist bei der Mehrheit nie gewesen", hilft da nicht weiter. Alles, was jenseits des Mehrheitsprinzips liegt, landet nun mal in der Diktatur, und sei es nur in der Expertendiktatur.

Als früheres Mitglied des Kommunistischen Bundes Westdeutschland haben Sie damit Ihre Erfahrungen.

Und das hat etwas damit zu tun, wie ich mit diesen Fragen umgehe.

Wie gehen Sie mit "Kretschmann weg"-Rufen und Schuhen um, die auf Sie geworfen werden?

Gelassen, ganz im Innersten. Obwohl es mich auch trifft, auch wenn der Schuh danebenfällt. In der Passionswoche gehe ich regelmäßig in die Kirche, und deshalb weiß ich, dass zwischen Hosianna und Kreuziget ihn nur drei Tage liegen können. Ich mache mir immer wieder bewusst, dass man auch scheitern kann in der Politik. Wenn man Glück hat, ruht Segen auf dem, was man tut, oder man hat, wie es profan heißt: Fortune. Die Helden von heute können aber auch die Narren von morgen sein.

In der Hand Gottes wird man ruhiger, geschützt vor Größenwahn.

Wir sind keine armen Würstchen, können Wunder bewirken, wenn wir uns um eine Idee zusammenschließen, so Hannah Arendt. Dann ist das Unglaubliche, das Unvorhersehbare zu erreichen, was niemand vermutet hat. Der Fall der Mauer – hat die SED damit gerechnet? Mit Menschen, die Kerzen tragen? Ich will es mal so sagen: Ich bin geschützt vor Fanatismus und zufrieden damit, wenn Entscheidungen im Rahmen der verfassungsrechtlichen Ordnung fallen, die niemanden das Fürchten lehren und von Minderheiten jederzeit mitgetragen werden können. Dafür ist Stuttgart 21 ein gutes Beispiel. Es geht um einen Bahnhof und nicht um ein Atomkraftwerk, das vergraben wird. Wäre es ein AKW, wäre ich zurückgetreten.

Ist es Fanatismus, wenn Bürger sagen, es sei Sünde, Bäume im Schlossgarten abzuhacken?

Es ist kein Fanatismus, es ist Verstiegenheit. Mir ist geschrieben worden, hier werde die Schöpfung zerstört. Das ist einfach nicht der Fall. Es geht um Teile des Parks, in dem Bäume gefällt werden. Das sind altehrwürdige Bäume, an denen unser Herz zu Recht hängt, aber das darf man jetzt nicht zivilreligiös aufladen. Wer solche Maßstäbe anlegt, ist in einer modernen Gesellschaft nicht mehr handlungsfähig.

Bereitet es Ihnen keine Pein, die Bäume fallen zu sehen?

Natürlich bereitet es mir Pein. Das ist sehr gewöhnungsbedürftig, etwas durchsetzen zu müssen, von dem man selbst nicht überzeugt ist. Dass ausgerechnet ich, der seit mehr als zehn Jahren mit viel Engagement, Herzblut und innerster Überzeugung gegen S 21 kämpft, dieses Projekt jetzt mitmachen muss, ist paradox. Aber es ist mein Dienst am Gemeinwesen und der Demokratie: Ein Sinn von ihr besteht darin, dass wir uns in Konflikten nicht gegenseitig die Köpfe einschlagen, oder wie Kant gesagt hat, einander nicht mit Gewalt eine Verfassung aufzwingen.

Kraftvoll ausgedrückt: eine beschissene Ausgangslage.

Stimmt. Aber ein Ministerpräsident sollte sich gewählter ausdrücken.

Wo bleibt der Spaßfaktor?

Politik macht keinen Spaß, Politik macht Sinn!

Sagen wir's mal so: Ohne die SPD an Ihrer Seite wäre der Phantomschmerz leichter zu ertragen gewesen.

Das ist richtig. Bekanntlich ist die SPD für S 21. Die Alternative wäre gewesen, nicht in die Regierung zu gehen. Zum Regieren hat uns niemand gezwungen. Aber dann hätte es eine große Koalition gegeben, und damit wäre von vorneherein klar gewesen, dass der Bahnhof gebaut wird. So war zumindest die Chance vorhanden, dass das Volk anders entscheidet. Allerdings wäre für mich daraus auch keine einfache Situation entstanden.

Kretschmann über seinen Koalitionspartner SPD: Wir arbeiten inzwischen gut zusammen.Besonders bizarr wird es, wenn ein Obergenosse wie Claus Schmiedel Gottes Segen auf einem Bahnhof ruhen sieht.

Man sieht, dass die religiöse Aufladung des Themas nicht auf die Seite der Gegner beschränkt ist. Darüber sollte der Kollege Schmiedel nachdenken. Gelegentlich habe ich auch den Eindruck, dass der eine oder andere in der SPD die Eierschalen der Opposition noch nicht abgelegt hat. Oder er wähnt sich noch in derselben.

 

Sie leben in der ständigen Sorge, dass Ihnen der Koalitionspartner abspringen könnte.

Nein, diese Sorge quält mich überhaupt nicht. Das wäre übertrieben. Für die SPD war es sicher schwer zu akzeptieren, dass wir stärker sind als sie. Aber das Schöne ist doch, dass sich der Mensch an alles gewöhnt. Wir arbeiten inzwischen gut zusammen.

Politik ist kein Spiel?

Zuweilen, aber wenn schon, dann ein ernstes. In der Politik werden viel schwerere Entscheidungen getroffen als jene um den Bahnhof. Denken Sie an die Auslandseinsätze der Bundeswehr, dabei geht es um Leben und Tod. Wie immer Sie hier handeln oder nicht handeln, es betrifft immer das Schicksal von Menschen. Wer also glaubt, Freiheit sei leicht, der hat sie nicht verstanden.

Wird das Schwere leichter, wenn man ins Kloster Maria Laach in Exerzitien geht? Wir hören, Sie hätten sie am Jahresende dringend gebraucht, weil Sie platt waren.

Ich brauche gelegentlich ein paar Tage Abstand vom Amt, das einen ganz hart an die profanen Dinge des Lebens bindet. Es gilt, den Überblick nicht zu verlieren und meinen Glauben zu leben, der mir die Gewissheit gibt, dass ich als Mensch nicht gescheitert bin, wenn ich als Politiker scheitere, womit man ja rechnen muss. Ich weiß dann, dass ich noch lange nicht vor Gott und meinen Lieben gescheitert bin. So kann ich mein Amt gelassener und mit Besonnenheit ausüben, was die Bürger, so denke ich, bisher zu schätzen wissen. Das andere Leben bei den Benediktinern in Maria Laach, die Gebetszeiten, die Psalmen und die Gregorianischen Gesänge tun mir schlichtweg gut.

Die Villa Reitzenstein ist kein Ponyhof.

Und kein Streichelzoo. Das Amt fordert einen sehr. Es gibt, wie Jeanne Hersch gesagt hat, eben keine Freiheit ohne Verantwortung und das heißt: Ich habe Freude an den Gestaltungsmöglichkeiten des Amtes, sonst darf man es nicht annehmen. Aber es ist auch hart, weil Sie jeden Tag unangenehme Entscheidungen treffen müssen und unter ganz profanen Zwängen wie Zeitknappheit stehen. Man versucht dann sehr oft, noch mehr zu arbeiten, was nicht immer sinnvoll ist, weil Sie letztlich daran gemessen werden, ob Sie die richtigen Entscheidungen in der richtigen Situation getroffen haben. Besser wäre es, man würde weniger arbeiten und mehr zum Denken und Kommunizieren kommen.

Sie würden Ihrem Vorvorgänger Günther Oettinger nicht mehr vorwerfen, von einem Heckabeerlesfest zum andern zu springen?

Das fällt mir regelmäßig auf die Füße.

Winfried Kretschmann sucht zuweilen höheren Beistand für das höchste Amt in Baden-Württemberg.Sie haben jetzt fast ein Jahr als Ministerpräsident hinter sich. Haben Sie sich das Amt so schwer vorgestellt?

Nein, es ist schwerer, als ich dachte, härter, als ich dachte. Gleichzeitig macht es auch viel Freude.

 

Zum Schluss zurück zum Anfang: wenn die Bäume gefällt sind, der Bahnhof tiefer gelegt ist – was bleibt vom demokratischen Aufbruch im Land?

Ich halte mich an Hermann Hesses Zauber des Anfangs und Bertolt Brechts Mühen der Ebene. Diesen Zauber muss man immer wieder wecken, um die Ebene durchschreiten zu können. Konkret heißt das, dass wir unser Projekt der Politik des Gehörtwerdens erfolgreich gestalten müssen. Diesen Schritt in eine neue Bürgergesellschaft haben wir geschafft, wenn die Zivilgesellschaft denselben Einfluss auf die Institutionen hat, wie ihn starke Lobby- und Interessengruppen haben. Wenn uns das gelingt, haben wir einen guten Job gemacht.

Dazu brauchen Sie die lauten Bürger.

Ich bin vor Kurzem gefragt worden, ob ich auch die richtigen Bürger für die Bürgergesellschaft hätte? Interessante Frage. Manchmal habe ich in der Tat den Eindruck, dass die Besserwisserei der Behörden jetzt auf die Zivilgesellschaft übergesprungen ist. Das ist auch nicht immer das pure Vergnügen. Aber ich denke, ich bringe viel mit, um hier neue Balancen herstellen zu können. Ich halte Protest in einer entwickelten Demokratie für völlig normal. Das sind für mich weder Wut- noch Dagegenbürger, sondern aufgeweckte Menschen, deren Vertrauen die Politik wieder gewinnen muss. Vertrauen ist das knappste, aber auch wichtigste Gut in der Politik. Das ist für mich eine ganz persönliche, spannende Herausforderung. Und sie hält mich jung.

Sie fangen an zu leben.

Ich bin nicht mehr der Jüngste und als gesetzter Herr in dieses Amt gekommen, wobei ich mich in den ersten drei Monaten schwergetan habe, die Rolle des Landesvaters anzunehmen. Ich habe sie innerlich abgelehnt, weil mir das ein zu paternalistischer Begriff ist. Aber ich habe gemerkt, dass die Menschen, gerade in Krisenzeiten, einen Ministerpräsidenten brauchen, der Ruhe und Besonnenheit ausstrahlt. Deshalb bin ich jetzt der Landesvater.

Die S-21-Gegner wünschen sich einen Kämpfer.

Ich habe gekämpft und verloren. Aber keine Sorge, ich schaue der Bahn bei den Kosten genau auf die Finger Aber ich scheue auch nicht das Wortgefecht mit den eisernen S-21-Gegnern. Kämpfen verpasst mir Adrenalinstöße und hält mich frisch. 

Ein nachdenklicher Ministerpräsident: Winfried Kretschmann im Gespräch mit Josef-Otto Freudenreich.

Es war ein schweres Gespräch. Nicht, weil der Ministerpräsident nichts sagen wollte oder, wie sonst bei Politikern üblich, den Raum mit Worthülsen zustellte. Schwer, weil der Mensch Kretschmann mit Gedanken (und Händen) rang, die für ihn existenzieller Natur sind. Und das wenige Tage vor der Barbarei mit den Bäumen, die er innerlich ablehnt und jetzt glaubt, als Landesvater absegnen zu müssen. So gesehen war es aber auch ein klärendes Gespräch, das dokumentieren soll, dass Politik auch von Menschen gemacht wird. Um das zudem hörbar werden zu lassen, können unsere Leser eine Audiodatei öffnen, die einen kurzen Ausschnitt aus dem Interview wiedergibt.


Gefällt Ihnen dieser Artikel?

26 Kommentare verfügbar

  • Verdulo
    am 20.02.2012
    Lieber Ministerpräsident Kretschmann,

    Im im Kontext #46 v. 18.2.2012 haben Sie ein ausführliches Interview gegeben.
    Danke. Schön und gut über Ihre Denke und geistigen Hintergründe zu lesen.

    Auf Seite 1 Mitte sagen Sie:
    "... War alles richtig ? Bei Stuttgart 21 sehe ich nicht dass wir schwere Fehler gemacht haben. Kleine macht man dauernd."

    Meiner Meinung war die lieblose offizielle Information vor der VA ein großer Fehler !

    Die Darstellung (beider Seiten) hätte man graphisch begleiten müssen - mit belastbaren Zahlen, und neutraler Kontrolle des Inhalts auf Stimmigkeit !

    Nicht überall im Ländle gab es Infostände für K21 - aber S21 hat von der noch vorhandenen Meinungshoheit der CDU und deren - teilweise schamloser - Behauptungen profitiert.
    Das Ergebnis der VA kann ich deshalb nicht als wirklich demokratisch legitimiert ansehen.

    Dann sagen Sie auf die Frage: VA-Ergebnis als Totschlagargument:
    ".. das darf man so empfinden. .. direkte Demokratie kann .. bitter & hart sein.
    Danach gibt es keine wirkliche Instanz mehr, wenn wir das Bundesverfassungsgericht mal außen vor lassen."

    Was soll das ? Kann man da noch ansetzen ?
    Ich hoffe Ihr Grüne von der Landesregierung nehmt Eure Möglichkeiten wahr.
    Herzliche Grüße,
    Manfred Westermayer
    (ein Grüner aus dem Breisgau)
  • joergkrauss
    am 20.02.2012
    Also ich kann hier vielen und vor allem auch Herrn Stellwag beipflichten. Auch ich hätte gerne "erhellendes" zu dieser Aussage Kretschmanns gehört unter http://www.bawue.gruene-fraktion.de/cms/default/dok/361/361391.winfried_kretschmann_finanzierungsvertra.html. Auch ich befürchte, das Kretschmann von einer Bürgergesellschaft redet, aber kein Konzept dazu hat. Dies wäre fatal, da ich wirklich kurz der Annahme anheim fiel, er wäre glaubwürdiger, als alle, die mich auch schon persönlich davon überzeugt haben, das Sie ausser mit Zahlen spielen, kaum eine politische Idee haben, die den Tellerrand der Gesellschaft auch nur erreicht. Bürgergesellschsft heißt für mich, die Verwaltung reformieren. Mehr Mitbestimmungrecht und mehr Selbstverwaltung. Nichts von beidem sehe oder höre ich ich an entscheidender Position (evtl. benötige ich Brillengläser oder ein Hörgerät!) oder aber der "schwaaaarrrze Filz" ist quasi die letzten 50 Jahre zu Stahlbeton geworden und Herr Kretschmann hat das Problem, er hätte zwar gerne reformiert, stellt aber fest, das der Filz auch massivst stahlbetonarmierte "Rote Züge" trägt und wie auch schon von anderen erwähnt, nimmt er eben nun den Weg des geringeren Widerstandes und "duckt" sich gegen Teile seines Wählerklientels zwar weg aber direkt weiter an die Macht. Ich wünsche uns im Sinne von weiteren 10.000 Demostrationsumzügen die nächsten 40 Jahre, das ich komplett falsch liege. Ob die heilige Maria helfen kann? Kerzen aufstellen hat schon so manches Mal geholfen in der Geschichte glaubt man der Presse. Ich denke trotzdem eher die Evolution wird uns einen bunten Strauß netter Aufgaben die nächsten Jahre in die Vase der Erkenntnisse stellen. Dran bleiben und wahrhaftig bleiben.
  • pattirift
    am 20.02.2012
    Die Antworten von MP Kretschmann haben meinen Eindruck bestätigt, dass er zu den Politikern gehört, die sorgsam mit der ihnen anvertrauten Macht umgehen. Dass die S21-GegnerInnen enttäuscht sind, den neuen Bahnhof letztendlich nicht verhindern zu können, ist nachvollziehbar. Unbegreiflich finde ich hingegen die Unsachlichkeit, den Hass und den fehlenden Realitätssinn, der in den meisten Kommentaren zum Ausdruck kommt. Ich erinnere mich an den Widerstand gegen die WAA in der Oberpfalz. Für die Politiker, die damals in Bayern an der Macht waren, waren wir WAA-Gegner Staatsfeinde. In Stuttgart scheinen mir aufgeklärte Menschen in der Regierung zu sitzen, welche die Demokratie ernst nehmen. Eigentlich ein Glück!
  • klaus-dieter
    am 19.02.2012
    Nachdem ich das Interview mehrere Tage auf mich wirken lassen habe komme ich zu dem Schluss, dass ich Kontext nicht weiter empfehlen werde. Denn das ist Journalismus schlechtester Schule, StZ Niveau, majestätshörig ohne auch nur den Ansatz irgendwelcher kritischer Fragen. Dabei schreit doch fast jeder Satz von Kretschmann nach einer kritischen Nachfrage. Z.B. die Aussage wenn es um eine Atomkraftwerk ginge, das vergraben wird, wäre er zurückgetreten. Hier lügt sich Herr Kretschmann seine Welt zusammen wie er es braucht, denn selbstverständlich wäre er auch dann nicht zurückgetreten. Er verantwortet ja bereits heute den oberirdischen Betrieb von AKWs und dies bereitet ihm offensichtlich keine schlaflosen Nächte. Zudem ist es zynisch, überheblich von ihm. Für Behinderte, und nicht nur für diese, stellt der Tiefbahnhof und die Tunnel im Katastrophenfall eine existenzielle Gefährdung dar. Herr Kretschmann fühlt sich davon offensichtlich nicht betroffen und schweigt beharrlich dazu. So sieht seine kritische Begleitung aus. Und ebenso sieht offensichtlich Kontext sich als eine kritische Zeitung.
  • Suselch
    am 19.02.2012
    Alle bisherigen Kommentare unterstütze ich, auch den von Herrn Geiger übrigens.
    Allerdings empfehle ich Herrn Geiger und Herrn Freudenreich folgendes kurzes Filmchen: http://www.youtube.com/watch?v=WFoqwqHWheE#t=1m9s

    Ich sehe hier nicht den von Herrn Freudenreich postulierten empfindsamen Politiker, der mit seinem Gewissen ringt. Und auch nicht, Herr Geiger, dass der MP versucht wäre, nach Möglichkeiten zu suchen, "S21 noch durch irgendwelche Maßnahmen zu stoppen".

    Dieser Mann hat mit der Volksabstimmung das erreicht, was er brauchte, um das Projekt durchzuboxen ohne großen Widerstand. Das ist alles.
  • Kai Hansen
    am 18.02.2012
    Ich wüsste gar nicht, ob ich in einem solchen Amt mit weniger Larmoyanz auskäme in meinen Erklärungen. Die Hoffnung, "da oben" würde sich mehr Menschliches etablieren, trügt. Das ist aber der völlig falsche Bahnhof, der da angeboten oder erwartet wird.

    Es geht doch darum, ob wir auf nachvollziehbaren Fakten und Verträgen, also anständig und kontrollierbar voneinander Leistungen erwarten dürfen?Oder ob im Gegensatz dazu der Vertragspartner "Bürger" sich einer Ratio unterzuordnen hat, die auf Tricksereien, Vertuschungen, Fehlinformationen und ungeprüften Annahmen baut, deren Folgen er in jedem Falle zu tragen hat.

    Der Demokratiebegriff des MP Kretschmann wird nun, da erim Amt ist, plötzlich so allgemein und faktenarm grundsätzlich, daß am Ende wieder rauskommt, daß bürgerlicher Einfluß nur innerhalb von im Vorfeld massiv manipulierten Rahmen stattfindn kann.

    Das verteidigt bedauerlicher Weise Herr Kretschmann - und spricht im selben Zusammenhang davon, neue (!) Formen bürgerlicher Mitverantwortung auf den Weg bringen zu wollen. Uninformierte Bürger sind Bürger, die Ruhe lieben. Mitverantwortung tragen aber in der Regel die sich einmischen.

    In der Tat helfen die Zitate griechischer und nachfolgender Philosophen, auch religiöse Einkehr wenig dabei, die Demokratie auf eine angemessen neue Ebene hin zu entwickeln. Dorthin, wo ehrliche Menschen sich in die Augen schauen und wo die Währung Vertrauen und Lebensqualität heißt, nicht Umsatzwachstum

    Dazu muß man die gewohnheitsmäßigen Manipulationen und diese Art politischer Propagandamaschine überwinden, die ihr Demokratieverständnis dieserart auf Fehlinformation aufbaut, um Mehrheiten und Macht zu gewinnen.

    Was hilft ein Protest, der von vorne herein mit Wasserwerfern, Werbemillionen und Politiker-Ignoranz - ja und schließlich auch mit politisierten Gerichten der Lächerlichkeit ausgesetzt wird?

    Herr Kretschmann, als Mensch mag das ja angehen, aber bitte definieren Sie Ihre Rolle als Politiker bitte mit demselben Rückgrat, für das Sie gewählt wurden. Und hören Sie endlich auf, Demokratie-Unterricht zu erteilen. Das ist Sache der Leute selbst.
  • J.Braunert
    am 18.02.2012
    Man kann es W. Kretschmann gar nicht ankreiden, wenn er sich im Interview mit Kontext lediglich über seine wenig interessanten Befindlichkeiten auslassen, mit Bibel- und Zitatenfestigkeit glänzen und sein Mantra von der demokratischen Mehrheit unwidersprochen wiederholen konnte. (Was hätte das S21-Kartell wohl angestellt, wenn die Mehrheit gegen S21 gestimmt hätte, aber das Quorum nicht erfüllt worden wäre, das jetzt von der S21-Mehrheit verfehlt wurde?) Essentielle Fragen sind ihm ja nicht gestellt worden: Wie steht es mit dem Kostendeckel? Warum darf die Bahn ungehindert ohne abgeschlossene Planfeststellungen, trotz der nicht genehmigten Verdoppelung der Grundwasserentnahme weitermachen? Das sind Fragen von Recht und Unrecht, die nach der Volksabstimmung vielfach gestellt, aber weder von Kretschmann noch von Herrmann beantwortet wurden. Hier wäre Gelegenheit dazu gewesen. Aber das war ein böser Schlag ins Wasser! Ungenügend, liebe Kontextler, setzen!
  • uliuli
    am 18.02.2012
    Ich kann nur sagen, Herr Stellwag hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Klar und deutlich analysiert. Eine klare Sprache, ob sie's verstehen? Ich glaube kaum. Mich hat auch die Selbstgefälligkeit irritiert, fast wie bei CDU/FDP. Wird man in der Politik so abgehoben? Herr schmeiss Hirn in den Landtag
  • OliverU.
    am 17.02.2012
    Unerträglich! Herr Kretschmann interpretiert die glasklar formulierte Fragestellung der sog. Volksabstimmung nach belieben. Genausogut könnte man über die Erhöung der Tabaksteuer abstimmen lassen um dann bei einer Mehrheit die Frage in ein generelles Rauchverbot umzudeuten. Die reellen Kosten liegen bis heute nicht auf dem Tisch. Wie kann man da die Menschen über einen Finanzierungsanteil abstimmen lassen? Nie wieder Grüne... da hilft auch keine heilige Maria.
  • mglieb
    am 17.02.2012
    Nettes Interview. Vermutlich auch ein netter Mensch, der Herr Kretschmann. Trotzdem stimmt was Hannes Rockenbauch am Dienstagabend gesagt hat: "Die Landesregierung lässt sich von der Bahn am Nasenring durch die Manege ziehen".

    Herr Kretschmann, setzen sie sich mit den Argumenten von Wikireal zum Stresstest auseinander - Inhaltlich!! Wo ist die fertige Planung der Bahn? Warum die Abrisswut jetzt, ohne Genehmigung für das Grundwassermanagement, ohne Vergabe für den Nesenbachdücker und das Technikgebäude. Wo ist die Planfeststellung für das gesamte Projekt, wo die Glaubwürdigkeit für die Kosten?

    Reicht das nicht, um S21 zu stoppen? Dann ist diese Regierung und dieser Regierungschef in der Tat nichts anderes als billige Staffage. Wir treffen uns wieder - bei den nächsten Wahlen!
  • Martha
    am 16.02.2012
    Kretschmann könnte der Bahn ihre eigenen Regeln vorlesen. Da steht nämlich, dass bei einem solchen Großprojekt wie S-21 erst dann angefangen wird mit Bauen wenn ALLES fertig planfestgestellt ist. Davon ist die Bahn ja bekanntermaßen weit entfernt. Auch im parteipolitischen Interesse täte er gut daran sich laut zu äußern, und von der Bahn zu fordern die Finanzen offen zu legen, einen Notfallplan vorzulegen und vieles mehr. Es gibt so viele berechtigte Gründe, dass niemand versteht (schon garnicht Wähler der Grünen) warum sich nun auch bei Kretschmann zu bewahrheiten scheint "... wenn der erstmal an der Macht ist..." Auch das Ergebnis der Volksabstimmung, berechtigt nicht dazu diese zu verschweigen, mal abgesehen davon, dass sie mit großem Ungleichgewicht in den finanziellen Mitteln durchgeführt wurde. Das darf so auch nicht wieder passieren, auf solch eine Volksabstimmung können wir verzichten.
  • Kesselbewohner
    am 16.02.2012
    Muss leider dem Kommentar von Herrn Geiger uneingeschränkt recht geben. Besser kann man es kaum auf den Punkt bringen. Für ein Mehrheit der Bevölkerung wird das eben "scho recht" sein. Leider.

    Ich kann die Enttäuschung über Kretsche verstehen. Ich hab den Herrn auch gewählt, aber eher weil ich den Pforzheimer Big Mac weghaben wollte und nicht weil ich mir erhoffte, man können diesen Bahnhof noch stoppen - und wenn stoppt er sich selbst von alleine, da bin ich mir ganz sicher.
  • muth-ah
    am 16.02.2012
    Wenn die Mehrheit beschließt, dass 2+2=5 ist, muss ich dann diese demokratische Entscheidung akzeptieren????
    Zur Demokratie gehört auch, dass sich alle Parteien an vereinbarte Spielregeln halten. Jeder Partner in einer Demokratie sollte (soweit wie möglich) die gleichen Chancen haben. Im Falle des Volksentscheids haben sich Parteimitglieder der befürwortenden Parteien aus den Steuern aller Bürger bedient (z.B. 1 Millionen EUR aus dem RV Stuttgart), während die Gegner nur mit ehrenamtlicher Arbeit und Spenden dagegen halten konnten. Ist das Demokratie, wie sie Herr Kretschmann versteht? Die Präsidentschaftswahlen in den USA zeigen doch schon lange, dass demokratische Entscheidungen einzig und allein von der Verfügung über die größten finanziellen Mitteln abhängt. Was soll daran mit der Kampange "Gehört werden" besser werden? AM Ende entscheidet doch, wer über die größeren finanziellen Mittel verfügt. Solange die Regierung Kretschmann diesen Missstand nicht korrigiert, gibt es für mich in diesem Bundesland keine Demokratie sondern eine Eurokratie. Was mit der Volksabstimmung ja deutlich zu Tage getrten ist.
  • Bruno Bienzle
    am 15.02.2012
    Peinlich, peinlich
    Nur noch peinlich, wie sich Kretschmann stilisiert und Geistesgrößen von Sokrates über Jesus bis Hannah Arendt aufruft, um sich vor der entscheidenden (vom freundlichen Interviewer allerdings gar nicht gestellten) Frage zu drücken, die da lautet: Was, Herr MP, hat Sie davon abgehalten, Wort zu halten und nach der Wahl dem Bauherrn Bahn all das abzuverlangen, was Sie zuvor im Wahlkampf als unabdingbar postuliert haben? Belastbare Zahlen, Planfeststellung für die Trasse zum Flughafen, Erfüllung des Schlichterspruchs, Klärung offener Rechtsfragen wie Verfassungsmäßigkeit der Mischfinanzierung etc. Stattdessen hohltönende Phrasen, eitles Zitatengeklingel, Oberlehrerposen, feiges Wegducken, Larmoyanz hoch drei. Kein Jahr in Amt und Würden haben die Grünen den Vertrauensvorschuss vom 27. März auch schon verdaddelt. Glückwunsch, Herr Kretschmann!
  • hajomueller
    am 15.02.2012
    Hallo Herr Freudenreich,
    je öfter ich das Interview, das Sie mit MP Kretschmann geführt haben, lese, wird mir immer übler. Ich war heute Nacht im Park, das war nicht halb so frustrierend wie die Aussagen von MP Kretschmann. Aber auch ihre Interviewführung stößt mir immer wieder sauer auf. Sie haben MP Kretschmann eine wunderbare Bühne geboten, sich als mitleidserregenden, ehrlichen und kämpfenden Politiker zu produzieren. Das hatte nichts mit kritischen Journalismus zu tun. Oder war es vielleicht so, wie es zwischen Journalisten und Politikern heute üblich ist, dass vor dem Interview eine Art Drehbuch geschrieben wurde, in dem drin stand, was gefragt werden durfte?
    Warum blieben Sie stumm, als MP Kretschmann meinte, er hätte keine größeren Fehler gemacht und kleinere macht jeder Mensch? Wo blieb die Frage nach dem Verbleib des Gutachtens über die Verfassungsmäßigkeit der Mischfinanzierung? Es ist ekelerregend, wenn MP Kretschmann immer wieder meint sagen zu müssen, die Gegner, wollten den Volksentscheid. Da kann man nur sagen: Lügenpack!
  • MichaelGeiger
    am 15.02.2012
    Boris Palmer hat es kürzlich in seinem via facebook verbreiteten Brief an die S21-Gegnerschar recht gut auf den Punkt gebracht: Der versammelten Parkschützer- und K21-Fraktion ist in ihrer (durchaus nachvollziehbaren) wachsenden Verbissenheit und Berauschtheit von der scheinbaren Macht des eigenen Protestes völlig entgangen, dass es unzähligen Menschen in- und außerhalb Stuttgarts bedauerlicherweise völlig egal ist, ob im zukünftigen Kellerbahnhof nun ein paar Züge mehr oder weniger durchpassen, ob der Park seiner Bäume oder der Bonatzbau seiner Flügel beraubt wird. Jene Bürgerinnen und Bürger wissen von S21 nur, dass es neu und modern sein soll, dass die Stadt neue Flächen gewinnt und dass eine große Allianz aus CDU, FDP und SPD dieses Vorhaben vehement begrüßt - fürs Dafürsein reicht das vielen bereits.

    Selbst von den hochkomplexen Diskussionen und Einlassungen während der Schlichtung blieb beim Durchschnittsbeobachter am Ende nur das Resultat haften: S21 soll weitergebaut werden, wird also irgendwie "schon recht" sein.
    Ob ein Dr. Engelhardt nun noch beim Stresstest irgendwelche Ungereimtheiten oder gar einen "Bug" in der Simulations-Software entdeckt haben will, oder ob BUND-Protagonisten mit einstweiligen Verfügungen aufzuhalten versuchen, was von außen nicht mehr zu stoppen ist: Beim Außenstehenden kommt's nur noch als verzweifelte Verhinderungstricks einer unbelehrbaren Minderheit (die Volksabstimmung scheint ja zu beweisen, dass es sich um eine solche handelt)an.

    Kretschmann hat dies verstanden und weiß, dass sich S21 nur noch selbst ad absurdum führen kann - so bedauerlich dies aufgrund der dabei entstehenden Kollateralschäden auch immer sein mag. Selbst wenn er die Möglichkeit hätte, S21 noch durch irgendwelche Maßnahmen zu stoppen: Die daraufhin entstehende Dolchstoßlegende vom sinnvollen und demokratisch legitimierten Zukunftsprojekt, das aus ideologischen Gründen von Einzelnen gegen den erklärten Willen einer Mehrheit torpediert worden ist, würde ihm erst Recht politisch das Genick brechen.
  • stefannottert
    am 15.02.2012
    WAHRHEIT hin MEHRHEIT her,
    TATSACHE ist, dass nun ein Projekt gebaut wird über das NICHT abgestimmt wurde.
    Abgestimmt wurde über S21 auf der Basis des Schlichterspruchs:
    30% mehr Leistung
    keine Baumfällungen

    Etwas mehr Respekt vor dem Bürgervotum und den Befürwortern, die sich auf die Zusage der Teilnehmer, die Schlichtungsergebnisse umzusetzten, verlassen haben.
  • peterstellwag
    am 15.02.2012
    Herr schmeiss Hirn ra - Herz kann auch nicht schaden.
    Wenn es "nur" die Seele dieser Stadt wäre? Was aber weiter tatsächlich zerstört wird, und dies besonders durch sie, ist die Demokratie und die darin geltenden Regeln. Zur Erinnerung: eine der Regel zur Abstimmung über das Finanzierungsausstiegsgesetz war das Quorum – bis heute lassen sie dieses Argument einfach unbeachtet und sprechen stattdessen undemokratisch von einer Mehrheitsentscheidung - ein solche stand aber gar nicht zur Debatte. Und eins ums andere Mal bemühen sie die DEMOKRATIE um, was mir inzwischen offenbar erscheint, ihre politische Haltung zu rechtfertigen. Hören sie bitte auf damit, denn zur Demokratie gehören Regeln und wenn es die des Quorums ist müssen Sie wie alle anderen von einem Scheitern der Abstimmung sprechen, sonst macht jeder was er will.
    Dass diese Abstimmung gescheitert ist ist gut so, denn dieser Umstand bildet nur ab dass Sie eben nichts „Durchgreifendes“ erreicht haben - weder in der Sache noch mit dem Vorgang an sich, denn Sie haben weder eine angemessene und verständliche Frage gestellt, noch diese einem betroffenen Bürger gestellt und eben auch nichts grundlegend Neues getan. Würden Sie ihre Begriffe wie "Gehörtwerden" und "Augenhöhe" ernst meinen, dann hätten Sie die Stuttgarter über das Bahnhofsprojekt abstimmen lassen und Sie hätten die Frage verständlicher formuliert - es gehört eben zum regieren dazu die notwendigen Dinge auch handwerklich richtig zu machen.
    Den Gesetzen zu gehorchen das muss wohl für alle gelten - tun Sie das auch? Falls die Verfassung des Landes Baden-Württemberg, Artikel 60 (5), gültig ist - halten Sie sich daran? Bisher nicht, denn dann würden sie die Abstimmung als gescheitert erklären - das ist kompliziert aber korrekt und vermeidet diese Bürger die weiterhin tagtäglich gegen dieses Projekt auf die Straße gehen als undemokratisch zu beschuldigen sind. Sie sprechen von Sokrates und der "aufmüpfige Zivilgesellschaft", Sie würden sich nicht umbringen lassen, wozu auch, dagegen ein bisschen Gegenwind von den richtigen Lobby- und Interessensgruppen (z.B. das Unternehmen mit dem Stern) dann rudern Sie zurück und wünschen sich dass niemand es merkt.

    Also zurück zur DEMOKRATIE = Volksherrschaft anstatt bedächtig den Kopf zu wiegen wollen wir dass Sie handeln im Interesse der Bürger/innen und nicht den starke Lobby- und Interessengruppen hinterher laufen - aber tatsächlich haben sie nichts Bedeutendes erreicht. Die CDU hätte es nicht bedeutend schlechter machen können. Inzwischen lassen Sie sich noch zu so einer Begrifflichkeit wie "Totschlagargument" verleiten - Sie müssen sehr verzweifelt sein um dann noch so ganz auf AUGENHÖHE hinzuzufügen "Populus locutus, causa finita" - wen wollen Sie damit erreichen?
    Vielleicht noch einmal zurück zur Verfassung und damit auch zur "Volksherrschaft" - die Verfassung von Baden-Württemberg ist nicht vom Volk abgestimmt worden, hat sie danach überhaupt "Gültigkeit"? die Regeln zur Abstimmung hat das VOLK sozusagen akzeptiert - Sie auch? Nur eine "besondere" Mehrheit (Quorum) hätte das zur Abstimmung vorgelegte Gesetz zur Gültigkeit verhelfen können - die ABSTIMMUNG ist gescheiter - ob es Ihnen nun passt oder nicht! Hören Sie auf das VOLK für blöd zu verkaufen. Wenn Ihnen das Quorum nicht passt hätten Sie es VORHER abschaffen müssen!!! Darauf zu bestehen hat auch nichts mit "DIKTATUR" zu tun - wo sind Sie nur gelandet? Halten Sie sich lieber selbst an die "verfassungsrechtliche Ordnung" anstatt den S21-Gegenern Fanatismus vorzuwerfen. Sie haben im Übrigen nicht die Deutungshoheit nur mehr Zuhörer. Bis heute hat man den Bürgern in Baden-Württemberg diese Verfassung aufgezwungen.

    Wo macht den Ihre Politik Sinn. Sagen sie doch einmal zutreffende Sätze in der Öffentlichkeit z.B. bekanntlich ist die SPD zu 50% für S21! Die einzige Chance die es im März letzten Jahres für Sie gab, war offenbar dass Sie um jeden Preis regieren wollten - bereits ein halbes Jahr vor der Wahl haben Sie bei den Grünen schon damit geliebäugelt diesen Bahnhof zu bauen - getäuscht haben Sie ihre Wähler. Und darüber hinaus mit dem Koalitionspartner schlecht verhandelt. Wunder, Glauben, Zauber und Mühen - was kommt da noch? Ach ja das Vertrauen - da werden Sie einiges zu tun haben.
    Gerne beteilige ich mich an einer Bürgergesellschaft aber nicht wenn damit gemeint ist am Nasenring durchs Dorf geführt zu werden oder als WAHLESEL zu dienen!
    Weiterhin mit Mut machenden Grüßen
    peter stellwag
    PS: Warten Sie nicht auf Wunder.
  • mabraton
    am 15.02.2012
    Kretsch hat schon gekämpft aber eben mit sich selbst.

    Der erste Fehler war es seinem Verkehrsminister nicht den Rücken zu stärken nachdem ihn die CDU gleich abschiessen wollte.

    Dazu kam dass die Grünen in den ersten Wochen/Monaten schlicht überfordert waren. Da hat intern wenig bis gar nichts funktioniert.

    Ich finde es schade für ihn, hätte er seine Leute mit Überblick handeln lassen wäre es nicht schwierig gewesen das S21-Monster aus zu hungern.

    Dieses Thema wird über allem liegen was jetzt kommt. Ich bin gespannt ob er die das abstreifen kann.

    Marc Braun
  • Zeitungsleser
    am 15.02.2012
    Die selbstgefällige Art von MP Kretschmann ist abstoßend.

    Andere haben es hier schon geschrieben: er hat nichts, aber auch gar nichts dafür getan, Licht in das Gestrüpp aus Lügen und Täuschungen der Bahn zu bringen. Die vielen offenen Fragen und neue Widersprüche der letzten Monate sind alle bekannt und im Detail dokumentiert.

    Bereits während der "Schlichtung" im Oktober 2010 reifte bei MP Kretschmann wohl der Entschluss, koste was es wolle das "Ding" durchzuziehen, denn die grün-rote Koalition, die sich damals bereits abzeichnete, muss zum "Erfolg" werden, will man 2013 Merkel ablösen.

    Sich auf die sog. Volksabstimmung berufen wird ihn von der Verantwortung und seiner Schuld nicht entlassten, dafür werden die Gegner sorgen. Der lupenreine Demokrat Kretschmann ist ein eiskalter Machtpolitiker und was er und Grünen aufführen ist schlicht und einfach purer Verrat an den Wählern, die ihnen vertraut haben.

    Aber die Grünen sollen sich nicht wundern: der Widerstand wird weitergehen, auch ohne sie, und dieses unsäglich primitive Bereicherungsprojekt zugunsten der Bahn, Immobilien- und Finanzwirtschaft wird am Ende scheitern.
  • rosenstein
    am 15.02.2012
    Für seine nächsten Exerzitien möchte ich dem Herrn Ministerpräsidenten ein Frage mitgeben, die er sich bitte ehrlich beantworten möge: Haben Sie vor der Landtagswahl - als die Idee der VA aufkam - einen Blick in die Landesvefassung geworfen? Also konkret: Buch aufgeschlagen oder am PC aufgerufen und unter
    VA nachgelesen?
  • taussjo
    am 15.02.2012
    Wunderbar entlarvend. Er schaut der Bahn auf die Finger *ROFL* Kabarett pur, für einen, der nicht einmal den Lenkungskreis einlädt. Der vor der Wahl die grundgesetz-widrige Mischfinanzierung von S21 anpries, um dann willfährig ohne Rechtsgrundlage zu zahlen. Kretschmann ist gegen die Formulierung Lügenpack? Natürlich: Er ist dessen Teil (geworden).
  • Laizist
    am 15.02.2012
    Bei aller (bisherigen) Sympathie für Herrn Kretschmann, wie er hier mit Maria und all dem scheinheiligen Brimborium um sich wirft, ist einfach widerlich.
    Er kann ja gerne privat noch so bigott agieren wie er will.
    Aber als Ministerpräsident erwarte ich, dass er seine privaten Neigungen von seinen Amtspflichten trennt. Will er sich hier einschmeicheln? Bei wem ?
    In keinem noch so religösen Land (wie Italien oder Spanien) ist die Politik so eng mit der Kirche verbandelt - und das noch auf Grundlage von Gesetzen aus dem Dritten Reich.

    Die Mehrheit der Deutschen gehört nun mal KEINER Religion an. Wann wird das endlich von den Politikern berücksichtigt?
    Von diesen ist das wohl nicht mehr zu erwarten. Bleibt nur darauf zu warten, bis nach dem arabischen endlich auch der europäische Frühling kommt.
    Oder die längst fällige laizistische Partei gegründet wird quer über alle schwarz-rot-grünen Grenzen.
  • ThomasNeuhaus
    am 15.02.2012
    Lieber Herr Freudenreich,

    die folgenden Zeilen fallen mir nicht leicht, aber es muß leider sein.

    Ich bin von diesem Interview entäuscht.

    Die Gründe:

    Ich finde schon, daß Kretschmann sehr selbstgefällig, garniert mit intellektuellem Beiwerk, rüberkommt - und - daß Sie es ihm zu leicht gemacht haben.

    Warm haben Sie an den entscheidenden Stellen nicht nachgehakt?

    Kretschmann sagt, er habe alles getan, um den Bahnhof zu verhindern.

    Warum hat er nach seiner Wahl nicht öffentlich und mit allem Nachdruck keinen Leistungsnachweis für den Kopfbahnhof eingefordert bzw. notfalls selber beauftragt?

    Wann hat er sich seit seiner Wahl öffentlich gegen S21 geäußert?

    Im Wahlkampf vor der Volksabstimmung war er abgetaucht oder habe ich da was verpasst?

    Warum hat er den Stresstest vorschnell als quantitativ bestanden hingestellt und dannach immer von einem nötigen Wunder gesprochen ?

    Drängt sich da nicht der Verdacht auf, daß er dem Widerstand den Wind aus den Segeln nehmen wollte und viele vor der Volksabstimmung bereits resigniert hatten und sich von ihm im Stich gelassen gefühlt haben?

    Warum hat er die bereits vor dem VA bekannten Vorwürfe von Wikireal ignoriert ?

    Warum enthält die Broschüre der Landesregierung auf SPD Seite soviele belegbar falsche Aussagen und auf Grünen Seite taucht nichts zur Leistungsfähigkeit des heutigen Bahnhofs und zum Denkmalschutz auf?

    Haben die Menschen wirklich gewußt, daß der Kopfbahnhof leistungsfähiger ist als S21?

    Beispiel: Offener Brief der Ingenieure 22 (Grüne Chronologie des Nichtstuns)

    Selbst auf der grünen Abschlußveranstaltung vor der VA wurde groß propagiert, daß der oberirdische Abriss an der rechtlichen Situation scheitern wird (Privatbahnen)

    Hat der MP sich hierzu je öffentlich geäußert oder die Bahn zu Stellungnahme aufgefordert?


    Alles Fragen, die, wie ich finde, dringend gestellt werden müssten, da sie bisher noch niemand gestellt hat.

    Von Kretschmann bin ich schlicht enttäuscht.

    Nein Herr Kretschmann, Sie haben nicht gekämpft(s.o.) auch wenn Sie das in Ihrer erschreckenden Selbstgefälligleit nicht merken oder merken wollen. Sie haben sich ohne Not von der SPD vorführen lassen, und daß obwohl Sie die besseren Argumente gehabt hätten, wenn Sie nur gewollt hätten.

    Für micht haben sich die Grünen erledigt.

    oder um es intellektuell abzuschließen:

    "Die hinterhältigste Form der Lüge ist die Auslassung"

    Simone de Beauvoir
  • hajomueller
    am 15.02.2012
    Kretschmann ist widerlich!
  • Gelbkopf
    am 15.02.2012
    O heiliger Landesvater, Sie haben also erkannt, dass "die Bürger von uns erwarten, dass wir handeln" - ja warum tun Sie es nicht? Sie wollen "der Bahn bei den Kosten genau auf die Finger schauen" - ja wann denn? Wenn die Rechnungen für unumkehrbare Zerstörungen und Fehlplanungen auf dem Tisch liegen - oder wenn "aufgeweckte Menschen" klare und offengelegte Kostenpläne VOR dem Beginn der Auftragsvergabe sehen wollen?

Neuen Kommentar schreiben

KONTEXT per E-Mail

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochvormittags unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.JETZT ANMELDEN

Letzte Kommentare:
















Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!