Ausgabe 3
Politik

Kretsch und Christ

Von Rainer Nübel
Datum: 20.04.2011
Wie sag ich's meinem Volke? Kommunikation ist in der heutigen Gesellschaft das halbe Leben. Gerade in der Politik. Genauer gesagt ist es die richtige Kommunikation zur richtigen Zeit. Stuttgarts Dauerbrennerthema Stuttgart 21 ist dafür ein Paradebeispiel – in negativer Hinsicht.

Wer wüsste das besser als Stefan Mappus: Sein atemberaubender Strategiewechsel vom harten Hund ("Fehdehandschuh") zum demokratischen Kuscheltier ("Alles auf den Tisch!") war dermaßen authentisch, dass ihn das Wahlvolk tief beeindruckt dafür prompt belohnte. Mit seiner grandiosen Abwahl. 

Doch jetzt, Ironie des politischen Schicksals, steht auch sein designierter grüner Nachfolger vor einem Dilemma. Man stelle sich vor, es kommt zu der – vor der Wahl versprochenen – Volksabstimmung und sie geht pro Stuttgart 21 aus: Wie hält's dann Winfried Kretschmann ("Kretsch") mit der Kommunikation, entgleist sie auf ähnliche Weise, oder wird er in puncto Glaubwürdigkeit Kurs halten? Wenn nicht, könnte aus den monatelangen "Mappus weg"-Rufen von S-21-Gegnern ziemlich schnell "Stoppt den Kretschmann" werden (was wir, dreist wie es unsere Art ist, in einer Fotomontage schon mal ausprobiert haben). Keine Frage: der künftige erste Mann im Land kann Hilfe gut gebrauchen. Rat kommt in unserer neuen Ausgabe von einem ausgewiesenen Kommunikationsexperten, der  ganz sicher nicht im Verdacht steht, Grünen-Sprecher werden zu wollen: Anton Hunger, langjähriger Porsche-Pressechef, hat schon mal einen Sprechzettel formuliert.

Es wird mächtig gekämpft, mit allen Bandagen

Im Falle der laufenden Koalitionsgespräche zwischen Grünen und Sozialdemokraten scheint es derweil eher eines Eheberaters zu bedürfen. Was, natürlich, das Bahnhofsthema angeht. Wie betonhart die Kommunikation der Heiratswütigen hinter den Kulissen läuft, vergegenwärtigt ein weiteres Stück ("Das Spiel mit dem Feuer") in unserer Rubrik "Macht und Markt". Es wird mächtig gekämpft, mit allen Bandagen.

Die Kontext:Wochenzeitung möchte, als neues mediales Projekt, auch auf die Lebenswirklichkeit der Menschen blicken, die in diesem  bewegten Land leben. Auf Menschen, die etwa gemeinsam das Schicksal Alzheimer meistern. Am Ende unserer Langzeitreportage steht ein Abschied: Rainer Schöner schreibt an seine Frau, die durch ihre Krankheit aus der Welt gefallen ist, einen letzten Liebesbrief.

Die Bandbreite des Lebens ist groß. Innehalten, entschleunigen, zur Ruhe kommen und genießen gehören zur Leichtigkeit des Seins. Ein krasser Kontrast dazu, ja ein schwerer Fauxpas ist ein Phänomen, das in Stuttgart und anderen Städten laufend anzutreffen ist: das hastige Essen beim Gehen. Wo in aller hektischer Welt bleibt da noch die  gepflegte Konversation zu Tische? Ein Fall für eine pointierte Persiflage in unserer Rubrik "Pulsschlag".

Demokratie ist mitunter hartes Schwarzbrot

Medien sind das Grundnahrungsmittel öffentlicher Kommunikation. Sie sollten es jedenfalls sein. Doch immer mehr Bürgern schmeckt nicht mehr, was sie zu lesen, hören und sehen bekommen. Das Misstrauen ist enorm gewachsen, es droht der Bruch, wie auf der "Denkbühne" behauptet wird – wenn die Medien  nicht mehr Transparenz üben. In der "Mediendemokratie" streben Politiker sehr gerne und oft ins Licht der Öffentlichkeit. Umso mehr wird es Zeit zu beleuchten, was jenseits von Blitzlichtgewittern und laufenden Kameras passiert. Demokratie kann für Mandatsträger mitunter hartes Schwarzbrot sein. Die Stuttgarter Fotografen Kai Loges und Andreas Langen haben dies über einen langen Zeitraum eingefangen.

Am Sonntag ist Ostern. Nicht gerade eine exklusive Nachricht. Dafür hat unsere Ostergeschichte "überm Kesselrand" eine ganz eigene Note: Es geht um eine bislang unbekannte Christusfigur, die von Michelangelo stammt, davon ist der Tübinger Vatikanprofessor Heinrich Pfeiffer jedenfalls überzeugt. Doch um das Kunstwerk rankt sich eine dunkle Mafia-Story.

Kretsch und Christ: welch kontextträchtiger Kreis hat sich geschlossen!


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