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Jesus auf der Flucht

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Kein Mensch ist illegal, behaupten Unentwegte immer wieder. Gerade in der Weihnachtszeit ist es wichtig, Legalen wie Illegalen Zuspruch und Trost zu spenden, ihnen das Fest der Nächstenliebe und die frohe Botschaft näher zu bringen, auch wenn sie gar keine Christen sind und im Grunde genommen ja kaum verstehen werden, um was es uns in der Weihnachtsbotschaft geht. Wenn schon die Kinder der legalen Armen nicht so recht wissen, worum es im wirklichen Leben geht und dass man lernen, lernen und nochmals lernen muss – wie sollen es dann die Wirtschaftsflüchtlinge verstehen? Auch Jesus war ja auf der Flucht!

In Bad Belzig etwa gibt's ein Asylbewerberheim, in dem die Asylanten (eine Stufe tiefer als Asylbewerber) sogar Deutsch lernen können, also ordentlich "Grüß Gott" sagen und die Hände aus den Hosentaschen nehmen. Gut, so einen Gruß entbietet in Brandenburg allenfalls der Urlauber aus dem toleranten Süden, aber Shalom geht auch, klingt ja so ähnlich wie Scharia. 40 Jahre DDR-Aufklärung – Völkerfreundschaft, Solidarität mit den etwas Ärmeren – haben ja letztlich nicht unbedingt viel gebracht, was am Lehrplan gelegen hat. Die Kinder der Kinder der Antifaschisten sind keine besseren Menschen als die Kinder der Kinder der Nazis, denkt es in mir. Dass es also in Bad Belzig schlimmer steht als in anderen Orten, kann allenfalls am Asylbewerberheim liegen, aber so nah an der Therme liegt das gar nicht. Dass dort mal ein Assi ordentlich ausgeschimpft oder einer aus Kamerun mit einer Flasche bedroht wird – je nun! Skinhead-Konzerte, braune Pressefeste oder Flugblätter gegen den Asylmissbrauch können es nicht gewesen sein, die den Bundespräsidenten Joachim Gauck ins Asylbewerberheim getrieben haben. Es war seit 20 Jahren der erste Besuch eines Bundespräsidenten – und die Flüchtlinge hielten sogar ein Schild hoch: Wir beißen nicht. Die Botschaft kam an.

Ich sag mal so: Solange die nicht aus dem Kosovo kommen und so, bin ich tolerant. Ich hab mit Tränen in den Augen gesehen, wie vor paar Tagen im Ex-KZ Sachsenhausen Kränze niedergelegt wurden für Sinti und Roma und Romani Rose gesagt hat, sie, also die Zigeuner, sind auch Deutsche. Irgendwie hat er ja recht. So viel Toleranz muss sein.

Die nichtdeutschen Flüchtlinge werden in dieser weihnachtlichen Stimmung verstehen, dass jedes Boot irgendwie, irgendwann voll ist. Sie dürfen deshalb nach Hause zurück – auch, weil sie ja gar keine richtigen Flüchtlinge sind – also das, was man so kennt von der schönen Elfenbeinküste. Der eine oder andere lebt seit 10, 15 Jahre hier – aber so richtig dazugehören tun sie ja nicht, auch wenn sie wollen, dass man Sinti und Roma zu ihnen sagt.

Peter Grohmann.

Holt die Wäsche rein, die Zigeuner kommen, sagte meinte Omi Glimbzsch aus Zittau gut gelaunt, wenn Besuch aus dem Westen kam.

Am Heiligen Abend ist Schluss. Da wird abgeschoben, und Rot-Grün im Ländle schiebt mit.

 

 

Peter Grohmann ist Kabarettist und Gründer des Bürgerprojekts Die Anstifter.

 


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