KONTEXT:Wochenzeitung
KONTEXT:Wochenzeitung

Der fesche Damokles

Der fesche Damokles
|

Datum:

Enger betten, forderte die Troika, als sie die Griechen heimsuchte. Der Brüsseler Ratschlag gilt den Krankenhausbetten ebenso wie dem Elterngrab, seit alters besonders breit, ja fast pompös gehalten. Enger betten heißt auch: die Gürtel enger schnallen. Der fesche Damokles wird vor Kummer die Hände zusammenschlagen über seinem Koppe, wenn er sieht, wie viele seiner Schwerter nun überm Griechen hängen! Vor EU-Zeiten, also unterm ollen Demokrit, war es noch Usus, bei einer Leich' die gesamte Nachbarschaft, ja das ganze Dorf freizuhalten, von der eigenen Mischpoke ganz zu schweigen. Heute müssen die Dörfer klein gehalten werden, weil sich so eine richtige gute Leich', wie wir sie aus Upflamör oder Dettenhausen kennent, kein Grieche mehr leisten kann. Aber da ist der Grieche nicht allein – Hartz-IV-Empfänger suchen ja jetzt schon ihr künftiges Grab in Polen: kost' samt Sarg, Überführung und Leichenschmaus nicht einmal 4000 Euro.

Während Volkswirtschaften und Volksdemokratien unter nachlassender Kaufkraft ächzen und der Funke nicht rüberspringen will zu Konjunktur und Konsum, verordnen die Medizinmänner aus Euronien wahre Sparorgien, um die fetten Athener zur Räson zu bringen. Erfolgreich, wie man sieht: kein Räkeln mehr in Krankenhausbetten – es fehlen Medikamente, Blutkonserven und das frugale Krankenhausessen. Der Lehrbetrieb lahmt, weil Gehälter ausbleiben. Zum kommenden Winter wird gebetet, damit wenigstens er Milde walten lässt. Das Geld für die Schulheizung und Reinigungskräfte haben die Zinsen gefressen. Natürlich gibt es immer noch Griechen, denen es nicht an frischem Fisch, in Folie gebraten, mangelt – dazu Butterkartoffeln mit Thymian. Die Mehrheit bekommt allerdings nur die Kartoffelschalen.

Peter Grohmann.Effizienz in der Verwaltung (etwa als Beispiel der deutsche Verfassungsschutz) und Stellenabbau, richtig: die Zahl der Beschäftigten bei den Steuerbehörden wird drastisch vermindert (auf Druck der Konservativen). Griechenland hat so im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl zwei Drittel weniger Finanzbeamte als Frankreich. Wem das nutzt? Da sieht ja ein blinder Lahmer mit dem Krückstock, wüsste meine Omi Glimbzsch aus Zittau.

Klar – überall wird gespart – nur nicht bei den Militärausgaben! Das würde, sagt die Troika auch in unserem Auftrag, einen Eingriff in Souveränität darstellen. Wir bestehen darauf, dass Onkel Mathiofrohpoulus die in Europa bestellten Maschinengewehre, Kanonen und Kriegsschiffe abnimmt und bezahlt, basta. Griechenland gibt, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, doppelt so viel für seine Soldaten aus als Deutschland. Und nur beim Militär wird pünktlich bezahlt.

Wegen Demokrit und Damokles.

 

Peter Grohmann ist Kabarettist und Gründer des Bürgerprojekts Die Anstifter.

 


Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT!
KONTEXT unterstützen!

Verbreiten Sie unseren Artikel
Artikel drucken


1 Kommentar verfügbar

  • peterwmeisel
    am 28.11.2012
    Antworten
    Mir wird schlecht, danke Peter Grohmann. Er bringt es auf den Punkt: Retten wir wirkliche die Griechen und Griechenland?? Ich habe den Eindruck NEIN! Griechenland ist aus meiner Empfindung der Name eines Finanzpapiers, eine Anlageform. Cui bono?
    Den Menschen geht es schlecht und schlechter. Allein…
Kommentare anzeigen  

Neuen Kommentar schreiben

KONTEXT per E-Mail

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochvormittags unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.

Letzte Kommentare:






Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!