Ausgabe 252
Kolumne

Milliardäre

Von Peter Grohmann
Datum: 27.01.2016

Die Amis haben es leichter als wir Sparheimer. Wenn da einer Präsident werden will wie der Bloomberg, schmeißt er einfach eine Milliarde Dollar in den Ring und sagt: "Der Nächste bitte." Und wenn das nicht reicht, legt er einfach eine Milliarde nach. Ein Spiel. Was soll's, er wird ja nicht ärmer.

Da sieht so ein demokratischer Sozialist wie der Bernie Sanders alt aus, älter noch als Gerhard Schröder, der jetzt in den baden-württembergischen Wahlkampf eine eher soziale Note setzen soll, aber nieeeee so weit gehen würde wie Sanders. Der hat, im Gegensatz zu Schröder, immer ein volles Haus: Neulich 20 000 People in der Portland-Arena, 10 000 mussten draußen bleiben.

"Ich werd oft gefragt, warum so viele zu unseren Veranstaltungen kommen", wurde der unabhängige Kandidat von einem Journalisten auf der Bühne gefragt. "Weil du recht hast, Bernie!", ruft ein Zuhörer. Donnernder Applaus, und Sanders hat gut lachen. Er wettert in seinen Reden gegen die wachsende Ungleichheit in der Welt und in den USA, geißelt den laxen Umweltschutz, lästert über gierige Milliardäre, kriminelle Banken und zitiert Karl Marx: "Bei uns werden die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher." Der Arme ist halt immer der Arsch, tät meine Omi Glimbzsch in Zittau vielleicht sagen.

Aber so was möchte ich bei uns mal hören – mit 20 000 anderen. Sanders fordert eine bessere soziale Absicherung, einen flächendeckenden Mindestlohn für alle US-Bürger, Schluss mit dem Rassismus und eine gerechte Justiz. Auch wenn es den Amerikanern peinlich ist: Wir wissen, dass dort ein Prozent der Bevölkerung im Knast sitzt, dass Polizeibeamte wahllos und ohne begründeten Verdacht Personen auf der Straße anhalten, durchsuchen und in Gewahrsam nehmen können und diese Schikanen zu fast 90 Prozent Latinos und Afroamerikaner betreffen. Für die ist das lebensgefährlich.

Momentan gibt's ja massenhaft Proteste gegen ein neues Polizeigesetz. "Wir wollen unsere Demokratie und unsere Freiheit verteidigen", sagen die Leute. Mit dem neuen Gesetz können die Medien nun ganz direkt und stärker kontrolliert und überwacht werden. Vor der verschärften elektronischen Überwachung und Datenerfassung ist nur noch das Beichtgeheimniss sicher. In Polen.

Biometrischer Personalausweis, elektronische Gesundheitskarte, Erstellung von Bewegungsprofilen, Vollerfassung bei Reisen, Lauschangriff, Online-Überwachung und Online-Untersuchung, Vorratsdatenspeicherung, Raster- und Schleierfahndung, Platzverweise und Unterbringungsgewahrsam gibt's in Polen noch nicht, aber hier. So ist das eben mit der Demokratie.

 

Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts Die Anstifter.


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1 Kommentar verfügbar

  • Ralle
    am 27.01.2016
    ... und, ist egal, es ist eh nur "Falschgeld" - gedruckt von einem Verbrechersyndikat um die "Armen" dieser Erde zu beeindrucken!
    Es hat keinen wirtschaftlichen Hintergrund und ( zumindest seit Bretton-Woods) keine wirkliche Deckung - durch NICHTS - ausser dem Glauben an ... ... ...

    ... ja, was eigentlich???

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