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Dietrich Wagner, prominentes Opfer des Polizeieinsatzes im Stuttgarter Schlossgarten, bekommt sechs Jahre nach seiner Verletzung durch den Strahl eines Wasserwerfers Schmerzensgeld. Kontext hat seine Leidensgeschichte regelmäßig verfolgt.

Noch in der vergangenen Ausgabe hatten die Kontext-Autoren Jürgen Bartle und Dieter Reicherter in ihrem Artikel "Schmerz lässt nicht nach" beschrieben, dass sich in Sachen Schmerzensgeld für die Opfer des Polizeieinsatzes vom 30.09.2010 bisher kaum etwas getan hat. Geflossen ist in der Vergangenheit sehr wenig Geld an sehr wenige Leichtverletzte. Die Schwerverletzten des Einsatzes, darunter auch Dietrich Wagner, der mit dem Strahl eines Wasserwerfers fast blind geschossen wurde, bekamen bisher nur einen lauen Händedruck vom Ministerpräsidenten.

Nun, nach sechs langen Jahren, wurden auch dem über siebzigjährigen Rentner Wagner Schadensersatz von Polizei und Land angeboten. 125 000 Euro und eine zusätzliche, monatliche Rente hatte Wagners Anwalt Frank-Ulrich Mann gefordert. 120 000 Euro Entschädigung sollen's nun werden. Endlich.

Frank-Ulrich Mann wird den Betrag nun prüfen, das Angebot sei aber "diskutabel". "Leider sind wir nicht in Amerika, wo sicher Beträge über eine Million geflossen wären", sagt er am Telefon. Denn 120 000 Euro seien bei weitem nicht genug für ein Leben, das völlig aus der Bahn geworfen wurde. Besonders geärgert habe ihn, sagt Mann, dass von Seiten des Landes noch immer auf die Formulierung bestanden wird, Dietrich Wagner sei mitschuldig an seiner Verletzung. "Da zeigt sich, wie unbelehrbar einige Landespolitiker sind", sagt er.

Dietrich Wagner in Kontext:

Gespräch mit Anwalt Frank-Ulrich Mann unter anderem über Schadenersatzansprüche der Opfer, September 2012: "Auf den alten CDU-Pfaden"

Der Fotograf Felix Bassler begleitete Wagner ein Jahr lang und zeigte im September 2012 seine Fotoserie "Wagners Wahrnehmung" in einer Ausstellung: "Fast blind"

Über die Sehkraft Wagners gibt es ein Dossier bei der Polizei. Dort wird behauptet, Wagner fahre Auto und Fahrrad und sei gar nicht so blind. Im September 2013 haben wir darüber berichtet: "Auf den Hintern gestarrt"

Als der damalige Londoner Bürgermeister Boris Johnson Wasserwerfer für die Stadt anschaffen möchte, wird Dietrich Wagner im Februar 2014 von Aktivisten in die Stadt nach England eingeladen. Als Kronzeuge für die Gefährlichkeit von Wasserwerfern. Der "Independent" hatte Wagner sogar ein Portrait gewidmet. "Wagner und die Water Cannon"

Im September 2015 berichtet der Stern über Videoszenen vom Schlossgarteneinsatz, die zeigen, wie brutal die Polizei gegen die Demonstranten vorging: "Pfeffer in die Augen"

Im Dezember 2015 entschuldigt sich Winfried Kretschmann stellvertretend unter anderem bei Dietrich Wagner für den brutalen Wasserwerfereinsatz im Schlossgarten: "#VillaLügenstein"

Bei einer Demonstration im südkoreanischen Seoul war Ende 2015 ein Mann per Wasserwerfer-Strahl ins Koma geschossen worden. Im Juli 2016 luden die damaligen Demonstranten den ehemaligen Richter Dieter Reicherter nach Südkorea ein. Sie hatten gehört, die Stuttgarter seien Experten in Sachen Wasserwerfer-Einsätze und hätten ein prominentes Opfer zu verzeichnen: Dietrich Wagner. "Mahnwache in Seoul" 


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2 Kommentare verfügbar

  • Blender
    am 23.11.2016
    Antworten
    Bei aller Kritik an Kretschmann und Kuhn, sie sind besser als Mappus, Gönner und Schuster. Trotz aller Defizite der Realpolitik, trotzdem für alle, auch für die Opfer von S21.
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