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Obacht, Oswald kommt

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Am Sonntag beginnt die Woche der Wahrheit. Wir werden wissen, wer Stuttgarts Oberbürgermeister wird und wie es mit S 21 weitergeht. Manche sprechen schon von historischen Tagen. Kuhn und Kostendeckel wäre etwas schlichter.

Am Sonntag beginnt die Woche der Wahrheit. Wir werden wissen, wer Stuttgarts Oberbürgermeister wird und wie es mit S 21 weitergeht. Manche sprechen schon von historischen Tagen. Kuhn und Kostendeckel wäre etwas schlichter.

Wir hatten uns schon auf das alte Spiel gefreut: Die Parkschützer haben 5000 Bewegte gezählt und die Polizei die Hälfte. Aber nichts davon nach dem Auftritt von Angela Merkel auf dem Stuttgarter Marktplatz. Von einigen Tausend sprach die Ordnungsmacht, und das stimmte so weit, so vage. Nun hat die Abteilung Züfle nicht näher spezifiziert, wie viele Interessenten von welcher Fraktion am vergangenen Freitag im Regen standen, aber das ist auch nicht ihre Aufgabe. Großzügig geschätzt, dürften zehn Prozent dem Fanclub der Kanzlerin zuzuordnen gewesen sein, der Rest schien Merkel/Turner eher weniger zugeneigt. Wenn man Phonzahl und Plakate zum Maßstab nimmt.

Gegen diese Wand anzureden ist nicht angenehm und für die Kanzlerin ungewöhnlich, aber sie hat es tapfer gemacht. Genauso wie ihr Kandidat, der noch einmal bekräftigt hat, dass nur mit ihm ein guter, schneller Bahnhof zu haben ist. Das hat ihm wohl keine zusätzlichen Freunde an dieser Stelle gebracht und möglicherweise auch die (spärlich vorhandene) CDU-Prominenz nicht neu befeuert. Immerhin: Gerhard Mayer-Vorfelder (Ehrenvorsitzender) und Thomas Strobl (Landeschef) waren da. Ein Glück für unseren Fotografen Martin Storz, der sonst nur Regenschirme, Transparente und weit entfernte Bühnendarsteller hätte ablichten können. MV lacht eben immer, und so ist wenigstens etwas Fröhlichkeit in den nassgrauen Nachmittag geraten.

Zur Merkel-Turner-Bildergalerie von Martin Storz.

Ob's Sebastian Turner hilft? Wer weiß? Der Parteilose hat sich in dieser Woche noch einmal mächtig ins Zeug gelegt, seinen Widersacher Fritz Kuhn ordentlich beharkt, Rita Süßmuth (CDU) aufgeboten, Ole von Beust (CDU) und Christian Lindner (FDP) eingeladen, und bereits am heutigen Mittwoch wartet er mit einem besonderen Gast auf: mit Oswald Metzger (CDU). Der unvollendete Parteiwechsler aus Schussenried wird gewiss erzählen können, wie Oberrealo Kuhn einst in Stuttgart das Auto abschaffen wollte. Ganz im Sinne der City-Maut.

Wem das alles zu langweilig erscheint, der sei noch auf folgenden Link verwiesen. Auch so kann man Werbung machen – mit Lolita-Motiven. Urheber: Sebastian Turners Agentur Scholz & Friends. Entstanden 2008. Damals hatte der Berliner Multimillionär seine Anteile noch nicht verkauft.

Doch Kontext will die OB-Wahl nochmals ins größere Ganze einordnen, zu dem die Brandlast von S 21 genau so gehört wie die Rebellen von der Industrie- und Handelskammer, die ohne die Protestbewegung nicht zu denken wären. Und damit's den Grünen nicht zu wohl wird, steht noch ein Porträt über den Tübinger Gärtnermeister Gerhard Bialas in der Ausgabe, der seit sechs Jahrzehnten vom Verfassungsschutz beobachtet wird – mit Billigung der Regierung Kretschmann.

Apropos Schlapphüte: wie man unversehens rechtsextremen Besuch bekommen kann, wenn man einen Kinderduden bestellt, ist in der Geschichte nachzulesen, die kaum zu glauben wäre, wäre sie nicht wahr.

PS: Wie gesagt, der Sonntag ist wichtig. Deshalb durchbricht Kontext den Mittwochsrhythmus und veröffentlicht die Ergebnisse der OB-Wahl am Sonntagabend. Wir sind auf die Resultate und die Reaktionen gespannt.


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