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Vorhang auf

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Es ist richtig, was der Politikwissenschaftler und Wirtschaftskriminologe Hans See den Journalisten ins Stammbuch schreibt. Den EnBW-Deal auf eine "Mappus-Show" zu reduzieren, wäre eine unverantwortliche Verharmlosung. Mal diese Mail, mal jene zu zitieren, wäre zu wenig, bediente möglicherweise nur die Sensationslust des Publikums oder eben die scheinbare Gewissheit, es immer schon geahnt zu haben. Die da oben, wir da unten. Selbstverständlich muss es um den Kontext gehen.

In der Tat, es ist richtig, was der Politikwissenschaftler und Wirtschaftskriminologe Hans See den Journalisten ins Stammbuch schreibt. Den EnBW-Deal auf eine "Mappus-Show" zu reduzieren wäre eine unverantwortliche Verharmlosung. Mal diese Mail, mal jene zu zitieren wäre zu wenig, bediente möglicherweise nur die Sensationslust des Publikums oder eben die scheinbare Gewissheit, es immer schon geahnt zu haben. Die da oben, wir da unten.

Selbstverständlich muss es um den Kontext gehen. Eine Mail allein besagt noch wenig. Wichtig ist, wer sie mit welchen Motiven und Zielen an welchen Adressaten schreibt. Das gilt es einzuordnen, zu gewichten und zu bewerten. Meinrad Heck hat sich dafür Zeit genommen, viele hundert Seiten Akten gelesen und danach einen Aspekt besonders hervorgehoben, der in der Berichterstattung gerne unterbelichtet wird: die eigene Rolle.

Aus gutem Grund. Die Medien sind die Bühne, auf der die Darsteller im großen Spiel glänzen wollen. Und dafür haben sie ihre Dramaturgen, Choreografen und Dirigenten, die sie in Szene setzen, mit den richtigen Sprechtexten versehen und den schönsten Kleidern ausstatten. Nur: ist der Journalismus ein Teil der Inszenierung, ein Mitspieler? Ist das seine Aufgabe? In den Augen der Spindoctors selbstverständlich, aus der Sicht der Verfassungsväter nicht. Sie wollten den Blick hinter die Bühne.

Das muss man sich immer wieder klarmachen, wenn man sich auf diesen Brettern bewegt. Auch wenn es nicht immer gelingt – einen Versuch ist es allemal wert.

Einen Ausflug in die reale Welt hat der Kollege Roland Reck unternommen. Er hat die Geschwister Nusser besucht, Bauern im Oberschwäbischen, beide über 70 Jahre alt und zwangsgeräumt von der Volksbank Altshausen, die einem in der telefonischen Warteschleife verspricht: "Jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt. Wir machen den Weg frei." Da hätte man gerne Jón Gnarr als Schultes vor Ort. Mit dem Anarchobürgermeister von Reykjavík hat Hermann G. Abmayr gesprochen.


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