Ausgabe 261
Editorial

Mäuse und Menschen

Von unserer Redaktion
Datum: 30.03.2016

"Der Mensch erfand die Atombombe. Aber keine Maus der Welt käme auf die Idee, eine Mausefalle zu konstruieren", zitiert Paul Schobel in seiner Oster-Rede Albert Einstein. Das ist wohl wahr. Und weil die Menschheit sich derzeit vielerorts selbst ihr ärgster Feind ist, haben wir uns entschieden, seinen Text – bei allem Berichtenswerten in dieser Ausgabe – zu unserer Titelgeschichte zu machen. Sie ist weder neu noch exklusiv, dafür treffend und ein Aufruf dazu, was wir derzeit am dringendsten brauchen: eine Veränderung zu einem gerechten, friedlichen Miteinander, gegen das Morden, egal ob durch Militärs oder Terroristen. Gegen die ungleiche Verteilung von Gütern, Macht und Einfluss. 

Aber das Unvermögen zur Weitsicht und politisches Versagen sind die Fallstricke, in denen sich die Idee einer friedlichen Gemeinschaft meist verheddert, im Großen wie im Kleinen. Davon erzählen auch die Geschichten dieser Ausgabe. Etwa von der Ignoranz der Ulmer Behörden gegenüber der Terrorszene in ihrer Stadt. Oder von der Rückgratlosigkeit der Stuttgarter Messe, die ihre Räume an den rechten Kopp-Verlag vermietet. Von der bestenfalls verhalten zu nennenden Verkehrspolitik einer Autostadt wie Stuttgart, die weder gegen ihren Feinstaub, noch gegen ihre Staus ankommt.

Dabei gibt es genug Alternativen zum müffelnden und Luft verschmutzenden Auto. Wir stellen in dieser Ausgabe ein paar zukunftsträchtige Exemplare und ein gutes Konzept dahinter vor. Dass ein langer Atem nicht nur gesund, sondern manchmal bitter nötig ist, lehren auch die bunten Subkultur-Aktivisten von Contain't. Jahrelang haben sie mit der Stadt erbittert um einen neuen Standort für sich, ihre Kunst und ihre Container gerungen. Von ihrem Erfolg erzählt unsere Schaubühne.

Auch die taz ringt diese Woche beim taz.lab 2016 im Berliner Haus der Kulturen der Welt (das Programm gibt's unter diesem Link). Einen ganzen Samstag lang geht es unter dem Motto "Fremde oder Freunde?" um Wahrheiten, Standpunkte, Gemeinsamkeiten und "die Lust an der Differenz". Es geht um Religion, Krieg und Frieden, um Flüchtlinge, Frauen, Sex, Polen, Ungarn und Populismus, um die "Differenz als Zeichen von Lebendigkeit" und "die pure Lust am Neuen". Auch Kontext wird dort sein. Unsere Redakteurin Anna Hunger wird mit Krimiautor Wolfgang Schorlau über sein neues Buch zum NSU-Komplex sprechen. Wie sehr kann ein Kriminalroman politisieren, Herr Schorlau? Und warum sollte er?

"Revolutionieren wir die Welt durch die Liebe", schreibt Paul Schobel in seiner Oster-Rede. "Je höher der Sättigungsgrad an Verständnis, Solidarität, Barmherzigkeit, desto weniger Raum bleibt für den Hass, den Terror und den Krieg." Das klingt verdammt hippiesk. Und gut. Also packen wir's an. Und wenn wir damit fertig sind, kümmern wir uns darum, dass in Filmen nicht mehr geraucht wird ...


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