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Die Klarsfeld kriegt wegen der roten Brüder Zunder von der CDU. Dabei hat die sich ja schon mal mit dem einen oder anderen Kandidaten die Finger verbrannt, wettert Peter Grohmann.

Beate Klarsfeld, Ohrfeigerin und zweite Frau im Staate, soll lächerliche zweitausend Westmark für einen Artikel bekommen haben, den sie 1968 in der "DDR-Revue" veröffentlichte. Sie erläuterte darin die Motive für die Ohrfeige, die sie dem Exnazi und Kanzler Kurt Georg Kiesinger verpasst hatte.

Das Honorar für die Kolumne war so windig wie das Land, aber zu diesem Zeitpunkt hatte Franz Josef Strauß den Kommunisten noch nicht ausgeholfen: Sie waren zu der Zeit noch klamm, die roten Brüder, und jetzt kriegt die Klarsfeld Zunder von der CDU, die sich ja schon mal mit dem einen oder anderen Kandidaten die Finger verbrannt hat.

Zunder auch in Berlin – vom schwarzen Mann, der mehr als 100 Auto dem Feuer übergab: Ein moderner Robin Hood hätte sie geklaut und den Armen in Polen gestiftet. Im Berliner Wahlkampf war durchgesickert, dass es sich (nur) um einen Linken handeln müsse – schon wegen der Nobelkarossen. Der Brandstifter war aber – nach den Wahlen – nur ein harmloser Mensch, auch noch Mormone, und lebte vom Arbeitslosengeld – also alles kein rechter Grund, ein Auto anzustecken.

Das würde auch Mitt Romney so sehen, vor und nach den Wahlen. Mitt – wir nennen uns immer beim Vornamen – ist so etwas wie ein evangelikaler Mormone, ein gottesfürchtiger Aufräumer und Ordnungsmacher mit guten Chancen, nach Angela Merkel der mächtigste Mann der Welt zu werden. Mit jemanden wie Klaus Wowereit würde Romney nicht einmal Urlaub machen, geschweige denn beten, und da ist sich der Nordamerikaner mit den Ludwigsburger Evangelikalen einig. Die hatten herausgefunden, dass bei einer Uraufführung von "Dona nobis pacem" am Wochenende nicht nur der deutsche liebe Gott um Frieden gebeten wird, sondern auch Allah, mit der ersten Sure des Korans! Unglaublich! Denn "dieses Werk vereint Texte aus der Bibel, der Thora, dem Koran und weiteren bedeutenden Schriften", so die Einladung.

Peter Grohmann. Foto: Martin StorzAutos standen bei der Uraufführung gottlob nicht vor der Kirche, aber einige Eltern haben natürlich sofort ihre Jüngsten aus dem Kinder- und Jugendchor entfernt, um Schlimmeres zu verhindern – Religionsvermischung, so der Vorwurf. Das ist fast schlimm wie die Menschenvermischung. Weil Hunderte von Protest-Mails eingingen, mussten die Künstler sogar die Homepage des Oratoriums abschalten. Vor der Kirche gab's noch einen Schlag Sahne obendrauf: "Ich bin gegen Allah in unserer christlichen Kirche", warnte ein Pappschild.

Herr, gib uns nicht nur Frieden, sondern auch Verstand!

 

Peter Grohmann ist Kabarettist und Gründer des Bürgerprojekts Die AnStifter.


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