KONTEXT:Wochenzeitung
KONTEXT:Wochenzeitung

Das Frühstücksei

Das Frühstücksei
|

Datum:

Jeder kennt den Streit am Frühstückstisch. Den Kopf des Eis mit dem Löffel einschlagen und dann die Schale stückweise abfieseln oder ein kurzer Schnitt mit dem Messer? In einem ähnlichen Konflikt befinden sich jetzt die Verantwortlichen der Bahn AG in Stuttgart.

Am Projekt Stuttgart 21 wird jetzt wieder gebaut, aber doch nicht so richtig. Mit großem Grausen harren die Bahner des Tages, da die Bagger sich in den Südflügel des Hauptbahnhofs fressen, unter der Beobachtung tausender Demonstranten, die bei jedem Baggerbiss erzittern, für jeden ausgebrochenen Stein Rache schwören und eine Kerze anzünden.

Gut möglich, dass man angesichts dieses Szenarios im Konzern auf die absurdesten Gedanken kommt. Wie wäre es zum Beispiel, wenn es, nur mal so als Überlegung, eines Tages morgens um fünf einen Knall täte, also einen ziemlichen Knall, und der Südflügel fiele in sich zusammen? Chirurgisch exakte Operation, kein Brocken fällt daneben, der Anschluss ans Hauptgebäude sieht aus wie abrasiert – was eben ein bisschen Sprengstoff, fachmännisch eingesetzt, so bewirken kann.

Nein? Keine gute Idee? Das würde den S-21-Gegnern doch nicht so gefallen? Gut, wir distanzieren uns sofort und vollständig von solch abstrusen Gedanken.

Stimmt ja auch: Die Parkschützer wären ganz schön verdattert, wenn es so früh am Morgen knallt. Und das ohne Vorankündigung. Andererseits: die Schlosspark-Camper müssten nur den Staub von ihren Zelten schütteln und würden dann sofort ganz viele Kerzen anzünden, um ein Zeichen zu setzen. Was, zugegeben, in diesen Tagen nicht weiter auffiele, da es immer schon so früh hell wird.

Der größte Teil des Staubes gelangt in diesem Szenario übrigens gar nicht in den Schlossgarten, dafür sorgt die Stuttgarter Feuerwehr. Sie errichtet rund um den Südflügel eine Wand aus Sprühwasser – aber bitte ohne Wasserwerfer! Dann ziehen alle Arbeiter und Einsatzkräfte ab. Der Schlossgarten steht einen Tag lang für friedliche Proteste zur Verfügung. Demonstranten setzen sich vor die Tore zur Baustelle und tragen sich gegenseitig weg. Es gibt vegane Küche. Ohne Eier. Und damit keinen Streit.

Aber das ist Utopie. Keine Sorge: alles nur erfunden.


Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT!
KONTEXT unterstützen!

Verbreiten Sie unseren Artikel
Artikel drucken


3 Kommentare verfügbar

  • theomartinus
    am 17.06.2011
    Antworten
    Ein Baustopp, der keiner ist, oder ein Konzept, das nicht aufgeht… Klar, da müsste man "mol a bomb neischmeißa" quasi als finaler Rettungsschuss für verfahrene Diskussionen? Ich denke (oder hoffe) mal, dass dies des Verfassers hehre Intension zu seiner gutgemeinten Glosse war, oder? Oder geht ihm…
Kommentare anzeigen  

Neuen Kommentar schreiben

KONTEXT per E-Mail

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochvormittags unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.

Letzte Kommentare:






Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!