KONTEXT:Wochenzeitung
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Der Mafioso droht mit "Krieg und Feuer"

Der Mafioso droht mit "Krieg und Feuer"
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Seit Jahren relativiert oder verschweigt das Stuttgarter Landeskriminalamt die Präsenz und Aktivitäten der gefährlichen italienischen Mafia-Organisation 'Ndrangheta in Baden-Württemberg. Die Kontext:Wochenzeitung lässt daher die kalabrische Mafia über sich selbst reden. Diesmal zeigen die geheimen Abhörprotokolle der Polizei, die wir veröffentlichen, dass am Bodensee ein blutiger Mafiakrieg drohte – die oberste Instanz der kriminellen Organisation griff in den Konflikt ein.

Am Bodensee drohte ein blutiger Mafiakrieg. Foto: Martin Storz

Schmuck sieht es aus, das helle Mehrfamilienhaus in der Singener Fittingstraße. Eine ruhige Wohngegend, unauffällig. Pittoreske Blumenkübel stehen am Eingang. Niemand würde ahnen, dass hier jahrelang ein Mann lebte, der am Bodensee einen Ableger der wohl gefährlichsten italienischen Mafia-Organisation gegründet hat. Der gewillt war, in einem schwelenden Machtstreit mit einem anderen lokalen 'Ndrangheta-Clan in der benachbarten Schweiz zum Äußersten zu greifen, zur blutigen Gewalt. Und der engsten Kontakt zum Boss der Bosse in Kalabrien hatte.

An diesem sonnigen Julimorgen 2010 fällt nur auf, dass Bruno N. seit einigen Tagen seine Post nicht aus dem Briefkasten genommen hat. "Wo ist er?" Ein Verkäufer in der mittlerweile geschlossenen italienischen Bäckerei, die direkt an das Mehrfamilienhaus angrenzt, zuckt mit den Achseln. "Bruno ist öfter in Italien, er hat da geschäftlich zu tun. Kann sein, dass er gerade mal wieder unterwegs ist", sagt er. Sein Blick wirkt misstrauisch. Als wir die Bäckerei verlassen, eilen zwei Männer aus dem Geschäft und beobachten, wohin die Fremden gehen.

Bruno N. ist an diesem Tag nicht auf Geschäftstermin in seinem Heimatland. Er sitzt im Knast, in Untersuchungshaft. Der 58-Jährige ist einer von 320 Kalabriern, die kurz zuvor in einer großen Aktion italienischer Mafia-Ermittler festgenommen wurden. Der Vorwurf: Mitgliedschaft in einer mafiösen Vereinigung. Bei Bruno N. geht es zudem um die unerlaubte Einfuhr von Waffen nach Italien.

Fünf Mafia-Stützpunkte in und um Singen herum

Wenige Straßenzüge von der Fittingstraße entfernt, in der Singener Innenstadt, befindet sich ein Spielcenter. Eine gute Gegend, Arztpraxen liegen in der Nähe. Die Einwohner der Stadt unterm Hohentwiel sind geschockt, als sie später erfahren: in diesem Kasino soll die lokale 'Ndrangheta-Gruppe gegründet worden sein, im Dezember 2009, mit den für die kalabrische Mafia typischen Ritualen. Aus den italienischen Ermittlungsunterlagen geht auch hervor, dass allein in der begrenzten Gegend um Singen die 'Ndrangheta vier weitere Stützpunkte aufgebaut hat.

Wieder zeigt sich, dass sich die kalabrische Mafia in Baden-Württemberg längst festgesetzt hat und dass sie im Musterland höchst aktiv ist. Ähnlich wie im Fall des großen Mafia-Wahlbetrugs, der 2008 im Raum Stuttgart gelaufen war (siehe den Kontext-Bericht "Das Mafia-Kolosseum zu Stuttgart" in der Rubrik "Pulsschlag"). Und wieder schweigt das Landeskriminalamt Baden-Württemberg. Es verweist darauf, dass man nur den italienischen Kollegen im Rahmen eines Rechtshilfeersuchens geholfen habe, Informationen seien dort abzufragen. Das Landesinnenministerium sagt kein einziges offizielles Wort zu diesem brisanten Sicherheitsthema.

Dabei hatten LKA-Ermittler selbst mitgelauscht, als die Mafiosi vom Bodensee abgehört worden waren. Und dabei muss ihnen klar geworden sein, welche hohe negative Qualität Bruno N. hat, der so unauffällig in Singen leben konnte. Wie tief die 'Ndrangheta schon in dieser Region verwurzelt ist. Und bis in welche hierarchische Höhe die mafiösen Verflechtungen reichten. All dies geht aus den Abhörprotokollen hervor, die uns vorliegen.


Erstes Gespräch: 8. März 2009, 19:02 Uhr


Bruno N. ruft beim Chef der 'Ndrangheta, Domenico Oppedisano in Rosarno an. N. treibt ein Thema schon seit geraumer Zeit um: 'Ntoni aus der Schweiz will ihn in seiner Macht beschneiden und die Herrschaft im Bodenseeraum übernehmen. N. will darüber mit Oppedisano sprechen. Oppedisano ist darauf bedacht, dass kein blutiger Konflikt daraus wird, und sagt N., seine Männer sollten sich im Zaum halten.

Domenico Oppedisano: Hallo?
Bruno N.: Kumpan Mico!
Domenico Oppedisano: Wie geht's euch?
Bruno N.: Es läuft, und ihr?
Domenico Oppedisano: Nun ja! Wir sind gerade aus der Provinz zurückgekommen.
Bruno N.: Ah. Das Wetter ist gut, oder?
Domenico Oppedisano: Das Wetter ist gut, ja.
Bruno N.: Und hier ist es kalt.
Domenico Oppedisano: Es ist kalt ... ein bisschen ist das auch hier der Fall, es ist nicht so, dass es nur bei euch kalt ist.
Bruno N.: Mh.
Domenico Oppedisano: Ganz viel Schnee in der Umgebung, was wollt ihr?!
Bruno N.: Ja, ja. Ich wollte euch fragen, ob ein Kassiber von uns anderen hier aus der Gruppe angekommen ist.
Domenico Oppedisano: So?
Bruno N.: Ist bei euch ein Kassiber von unserem Trupp hier angekommen?
Domenico Oppedisano: Nein.
Bruno N.: Nein?
Domenico Oppedisano: Von hier nicht, von dort nicht.
Bruno N.: Und sie haben mir gesagt, dass sie eine Botschaft hingeschickt haben ... heute morgen haben sie uns hier angerufen, von unserer Gruppe ... von jener anderen Gruppe, von jener anderen Gruppe, und sie haben gesagt, dass Damiano einen Kassiber geschickt hat.
Domenico Oppedisano: Aha! Hier kam nichts an.
Bruno N.: Entweder einigen wir uns mit jenem Trupp dort, oder falls nicht, kann unser Kommando nicht hier bleiben.
Domenico Oppedisano: Aha!
Bruno N.: Und wir können nicht, wir können kein Kommando bilden.
Domenico Oppedisano: So, ihr könnt daran nichts ändern?
Bruno N.: Genau.
Domenico Oppedisano: Ich weiß von nichts, mir hat niemand was gesagt.
Bruno N.: Und sie sagen, dass wir das Kommando nicht behalten können.
Domenico Oppedisano: Ah ... und ihr habt euch nicht geeinigt?
Bruno N.: Nein, nein. Und es kommt vor, dass ich mich einige. Mit jener Truppe bekomme ich das aber nicht mehr geregelt.
Domenico Oppedisano: Okay, okay, geht in Ordnung. In jedem Fall, haltet euch im Zaum.
Bruno N.: Aber können wir das Kommando hier behalten, so wie wir es hatten, oder nicht?
Domenico Oppedisano: Wie bitte?
Bruno N.: Das Kommando, so wie wir es hatten, sage ich, können wir das behalten?
Domenico Oppedisano: Warum solltet ihr es auch nicht behalten können!
Bruno N.: Sie haben mir Nein gesagt!
Domenico Oppedisano: Wer hat Nein gesagt?
Bruno N.: Die von dort. Er sagt, dass Damiano die Botschaft geschickt hat, er sagt, dass er sie auch an euch geschickt hat, heute morgen haben sie uns dort angerufen, dann bin ich gegangen und habe sie dort festgesetzt, weil wenn nicht ... dann hätte das böse geendet, verstanden?!
Domenico Oppedisano: Davon ist nichts wahr.
Bruno N.: Das weiß ich doch nicht. Ich möchte jetzt nur das wissen, ob wir das Kommando behalten oder ob wir das nicht können.
Domenico Oppedisano: Nein! Und wer ist es, der das sagt, wer stellt diese Gesetze auf?
Bruno N.: Der aus der Schweiz!
Domenico Oppedisano: Aber Achtung, gebt dem Geschwätz nicht Recht.
Bruno N.: Aber er sagt, dass er runtergefahren ist und mit Damiano geredet hat, dass Damiano mir die Botschaft geschickt hat und gesagt hat, dass er sie auch euch schickt, ihr schickt sie mir an mich, dass unser Kommando nicht ... dass wir mit unserem Kommando nicht bleiben können.
Domenico Oppedisano: Nun gut, das will heißen ... sie müssen schon hierher kommen und mir etwas sagen!
Bruno N.: Oder wir gehen hin mit ihnen, wenn wir hingehen wollen, wenn sie uns immer die Tür öffnen.
Domenico Oppedisano: Nun! Wenn sie hierher kommen und wir reden, werde ich euch sagen können, wie die Lage ist.
Bruno N.: Also, also kann ich das Kommando behalten, wie wir es früher hatten?
Domenico Oppedisano: Für den Moment bleibt ihr, wie ihr wart.
Bruno N.: Das ist es, was mich interessiert.
Domenico Oppedisano: Habt ihr verstanden?
Bruno N.: Ja. Ich komme dann an Ostern runter, weil ich euch Sachen sagen muss, und dann denken wir dort unten nach.
Domenico Oppedisano: Ihr kommt an Ostern runter?
Bruno N.: Ja, an Ostern komme ich.
Domenico Oppedisano: Wenn ihr dann kommt, reden wir.
Bruno N.: Genau!
Domenico Oppedisano: Habt ihr verstanden?
Bruno N.: Mich interessiert das aber jetzt.
Domenico Oppedisano: Ja, ja, geht in Ordnung, aber so können wir besser reden, versteht ihr?
Bruno N.: Ja, ja, ja, ich frage euch jetzt mit Absicht, ob wir unser Kommando behalten können, wie wir es hatten, oder nicht.
Domenico Oppedisano: Ja, ja, ja, ihr bleibt, wie ihr wart, und fertig.
Bruno N.: Gut, nur das will ich wissen.
Domenico Oppedisano: Habt ihr verstanden? Bleibt ruhig!
Bruno N.: Wenn jemand kommt, wenn jener von dort kommt, um etwas zu sagen, sagt ihm ... (unverständlich).
Domenico Oppedisano: Nein! Macht euch keine Sorgen!
[...]
Bruno N.: Geht in Ordnung, okay, Kumpan.
Domenico Oppedisano: Gute Nacht!
Bruno N.: Ciao, ciao, ciao.



Zweites Gespräch: 22. April 2009, 9:50 Uhr


Bruno N. telefoniert mit der Tante. Dabei geht es um den Konflikt mit 'Ntoni: Man erzählt sich, er habe Bruno N. geohrfeigt.

Tante: Also, höre, ich wollte mit dir sprechen, um dir etwas zu sagen ... stimmt denn all der Blödsinn, der über den Schweizer Deppen gesagt wird?
Bruno N.: Was sagen die Leute denn?
Tante: Also ... man sagt, dass ihr gestritten habt, dass ihr heftig gestritten habt ... und dann sagt man, dass sie dir eine Ohrfeige verpasst haben!
Bruno N.: Mir? Mir eine Ohrfeige gegeben?
Tante: Ja.
Bruno N.: Wenn er mir je eine Ohrfeige gegeben hätte, ich hätte ihn erschossen ... nein, das ist Geschwätz.
Tante: He ... Das war es, was ich gesagt habe.
[...]
Bruno N.: Nein, Tante ... wer hat gesagt, dass er mir eine Ohrfeige gegeben hat ... wer hat das gesagt?
Tante: He ... still, mein Junge, das kann ich nicht sagen. Meiner Meinung nach ist es der Meister von Rocco, der all das in Umlauf ...
Bruno N.: Welcher Rocco?
Tante: Rocco vom russischen Onkel.
Bruno N.: Was weiß der denn schon!
Tante: Meiner Meinung nach ist er derjenige, der all das Gerede verbreitet und all die Dinge ... ich wusste nichts von alldem, sonst hätte ich, als mein Enkel Bruno gekommen ist, der an Ostern hierher gekommen ist, hätte ich ihm ... hätte ich ihm eine Botschaft für den Idioten aus der Schweiz geschickt, weil er sagte, dass er auch in die Schweiz ginge, ich hätte ihm gesagt, dass der, bevor er mit ihm redet, dass der niemanden in Prateria hat und überhaupt niemanden.
[...]
Bruno N.: Tante, nichts ist wahr. Er hat mit mir gestritten, aber er hat mir keine Ohrfeige gegeben. ... jetzt erkläre ich dir, wie die Dinge liegen ... sie haben mich da runtergerufen, und er sollte nicht anwesend sein ... ich komme an jenem Morgen dort an, mit mir waren Tonino und Bruno, euer Cousin "U Pacioto".
Tante: Was zum Henker, was zum Henker macht der in Deutschland?
Bruno N.: Jetzt kommandiert er hier. Vor Weihnachten haben wir uns von ihnen geteilt.
Tante: Ja... aber der Depp dort, was tut der in Deutschland, was hat der dort zu kommandieren?
Bruno N.: Ja, er sagt, er will jetzt der Kommandant über alle sein, er sagt, er sei runtergefahren und dass ihm die Order gegeben worden sei und dass man mir einen Kassiber geschickt hätte, dass ich nicht der bleiben kann, der ich bin, dass ich unter ihm stehe, weder hier noch dort ... an jenem Morgen, als er das so sagte, hat er gesagt, dass Prateria, er hat immer mit Fabrizia geantwortet, dann habe ich mich abgewendet und ihm gesagt: In deinen Träumen vielleicht, Prateria unterstand nie Fabrizia, und du weißt viele Dinge nicht, die ich weiß. Dann hat er angefangen, mich zu beleidigen.
Tante: He.
Bruno N.: Um keinen Aufruhr zu erregen, denn ich bin da vorbereitet hingegangen, und ich hatte sie schon in Händen (Anmerkung der Redaktion: gemeint ist eine Waffe), und wenn ich die ziehe, dann erschieße ich ihn, dann dachte ich, bevor ich ins Gefängnis gehe wegen so einer schmutzigen Sache ...
Tante: Nein, nein, mein Bruder, nein.
Bruno N.: Ich bin aufgestanden, Tante, habe ihn wie einen Brokkoli zwischen all diejenigen, die dort waren, gepflanzt, und bin gegangen. Hinter mir her kam Bruno, dein Cousin "U Paciota", und wir sind gegangen, basta. So endete das Ganze. Ich bin an Ostern runtergefahren und habe geredet mit, wem ich reden musste, ich bin mit jenem gefahren, der sagte, er habe mir den Kassiber geschickt, um zu sehen, ob das nun stimmte, und nichts davon stimmte, und jetzt, gestern Abend, haben sie mich ein weiteres Mal angerufen ... es kam einer aus Fabrizia, Marcello Peppina, und er war hier gestern Abend, sie haben mich gerufen, nur dass ich abends arbeite.
[...]
Um zehn nach zehn, habe ich gesagt, nein, ich komme nicht. ich bin vor dem Haus, wer mit mir sprechen will, kann kommen und mich dort finden.
Tante: Das hast du gut gemacht.
Bruno N.: Und gestern Abend kam dann Marcello, jener aus Fabrizia, der hierher kam, aber jetzt heißt es, er sei gegangen, und es kam auch ein Junge von den Officelli, der Sohn von Melo.
[...]
Bruno N.: Und sie hatten ihnen gestern Abend sagen müssen, dass ich, wenn ich dazu berufen bin, mich bewaffne und hier tue, was ich hier tun muss, dass er nicht mehr der Mann ist ... und ich habe ihnen gesagt, dass sie es ihm ruhig sagen können, weil ich immer meine Sache gemacht habe, nein, dass ich meine Sache tun muss, jetzt soll er fragen, wo er fragen muss, wer Bruno N. ist und wer seit sieben Jahren Verantwortlicher ist, wo man dort unten Verantwortung zeigen muss, wer Bruno N. ist und wer nicht Bruno N. ist, habe ich ihm gesagt.
Tante: He, he, das, was ich ihm gesagt habe, ich habe ihm gesagt, dass er jetzt gekommen ist, um zu sagen, dass er in Prateria keine Leute hat ... Prateria, davon träumst du, habe ich gesagt ... dass er sich eine Maske vors Gesicht halten muss ...

Drittes Gespräch: 5. Juni 2009, 7:20 Uhr

Bruno N. und sein Kumpan Bruno fahren nach Italien. Sie wollen Domenico Oppedisano auf dessen Landstück treffen. N. betont, dass er die Singener Zelle der 'Ndrangheta aufgebaut habe.

Kumpan Bruno: Jetzt sage ich es ihm ... jetzt fahre ich nicht runter, weil ich die Operation wegen der Zähne hatte, nachdem sie von dort gekommen sind, die Woche danach ... die Operation, die Sachen, eine Sache und eine andere, jetzt warte ich darauf, gesund zu werden, um diese Geschichten zu beschleunigen.
Bruno N.: Mit dieser Zahnsache bin auch ich in Schwierigkeiten geraten ...
Kumpan Bruno: Und dann, so Gott will, werde ich am ersten August dort unten sein, ich fahre in der Nacht des 31.
Bruno N.: Und auch ich bin ... weil, am anderen Abend ist auch Marcello gekommen, er ist hochgefahren ...
Kumpan Bruno: Dorthin?
Bruno N.: Ja, weil er sagte, dass die Tochter seines Bruders Kommunion feierte, keine Ahnung, und Marcello hat mit mir da unten geredet, er hat gesagt, dass bestimmte Personen zuerst eine Sache sagen, dann eine andere, auch Marcello ... wir haben da unten gesprochen und er hat mir gesagt, dass nichts davon stimmt, dass er an diesem Abend auch dort war ... jetzt, dass er dahin gekommen ist, an jenem Abend hat er mich angerufen, um zur Baracke zu gehen.
Kumpan Bruno: He.
Bruno N.: Ja, und es war auch jener aus der Schweiz da, und ich bin nicht hingegangen, ich habe ihn geschickt ... Tonino hat mich angerufen, Tonino ist hingegangen, sie haben sich ein wenig mit Tonino in die Haare gekriegt, sie haben auf den Tisch gehauen ... und Tonino hat ihnen gesagt, wenn wir reden müssen, reden wir, wenn wir uns schlagen müssen, schlagen wir uns.
[...]
Ich habe mich umgedreht und habe ihm gesagt, dass sie es ihm klar und deutlich sagen mögen, ihr könnt ihm sagen, dass die Società meine ist, es sind bereits sieben Jahre, dass ich mich gegenüber der Crimine (Anmerkung der Redaktion: das 'Ndrangheta-Leitungsgremium) verantworte, sieben Jahre ... und dort steht mein Name .... meine Società besteht, ich muss sie nicht erst eröffnen ... sie dagegen schon ... dass er gehen soll und bei der Crimine fragen, welche Namen verantwortlich sind ... und wenn er kommen will, dort, weiß er, wo wir sind, habe ich ihm gesagt. Wir sind in Bering, wo Bruno Ciancio wohnt, und unten haben wir ein Zimmer, hab ich ihm gesagt, wir sind dort jeden Samstagabend, wenn er mich besuchen will, kann er kommen.

Viertes Gespräch: 3. Juli 2009, ohne Uhrzeit

In diesem Gespräch wird deutlich, dass die 'Ndrangheta-Clans in Deutschland von der zentralen Leitung in Italien abhängig sind ("Das muss Fabrizia entscheiden"). Lange Zeit glaubte man, dass 'Ndrangheta-Clans weitgehend unabhängig voneinander agieren. Doch die Polizei-Aktion, die auch zur Festnahme von Bruno N. führte, hat eine zentrale Struktur, genannt Crimine, offengelegt.

Bruno N.: Ja?
Unbekannter: Kumpan Bruno!
[...]
Unbekannter: Wenn alles glatt geht, sehen wir uns dort unten ...
Bruno N.: Ja, dort. Ist es nötig, euch nichts am Telefon zu sagen? ... Nein, und dann treffen wir uns ja auch.
Unbekannter: Ah ... geht klar, dann sage ich es euch ...
Bruno N.: Nicht ... dass jener Wolf aus (unverständlich) dort runterkommt , der die Freiheit hier will, verstanden?
Unbekannter: Wer? Der da aus Deutschland?
Bruno N.: Der von dort von euch!
Unbekannter: Welche Freiheit will er?
Bruno N.: Hier die Baracke zu befehligen!
Unbekannter: Hehe ... genau ihn werden sie kommandieren lassen!
Bruno N.: Genau. Und deshalb haben sie am Sonntag auch alle angerufen ... sie haben alle angerufen.
Unbekannter: Wen, alle?
Bruno N.: Die, die ihre Leute dort sind, in Frankfurt, auch Achille, Macchedorso.
[...]
Bruno N.: Am Sonntag waren sie alle in Singen.
Unbekannter: Na und. Meinetwegen können sie tun und lassen, was sie wollen. Das kümmert mich nicht.
Bruno N.: Wie soll ich sagen... gut ist es jedenfalls nicht ...
Unbekannter: Ja, aber ich meine, die, die sich mit ihm verbünden wollen, die gehen zu ihm, ich mit Sicherheit nicht.
Bruno N.: Das kümmert mich nicht. Aber dass sie ihm dort das Okay geben ...
Unbekannter: Nein, ich denke nicht, dass sie eine derartige Sache machen.
Bruno N.: He.
Unbekannter: Das Okay muss Fabrizia geben, und wenn Fabrizia das tut, sind sie auf Seiten von Fabrizia.
Bruno N.: Aber genau das sage ich ... sie können es ihnen nicht geben ...
Unbekannter: Keine Ahnung.
Bruno N.: Ich werde ihnen Krieg und Feuer bringen, sobald ich runterfahre. Unbekannter: Aber nein .. ich glaube nicht, dass sie ihnen das Okay geben.
Bruno N.: Was können sie ihnen geben? Was können sie ihnen geben ...? Wenn sie dort wären, wo sie vorher waren, dann schon ...
Unbekannter: Eben. Eben.
Bruno N.: Aber ich muss unter den Kommandos von jenen dort stehen, sie können ihnen nicht etwas auf diese Art geben. Machen wir Scherze?
Unbekannter: Aber wenn jene nie etwas mit denen von dort zu tun haben wollten, warum soll das dann funktionieren, dass sie runterfahren und ihnen dann dieses und jenes geben?
Bruno N.: Er hat das schon angedeutet, als er das letzte Mal runtergefahren ist, etwas haben sie angedeutet.


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